Das wird starten.

Shownotes

Der Wiederaufbau in Altenahr geht weiter – und kaum ein Projekt steht dabei so sehr im Fokus wie das Rathaus. In dieser Folge sprechen Dominik Gieler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenahr, und Architekt Liam Neufeld (Berdi Architekten) über ein Gebäude mit Geschichte, Symbolkraft und Herausforderungen.

Warum ein denkmalgeschütztes Rathaus nach der Flut nicht einfach „saniert“, sondern komplett neu gedacht werden muss, weshalb sich der Wiederaufbau über Jahre zieht und wie aus Schäden eine Chance für ein modernes, nachhaltiges und barrierefreies Rathaus entsteht – darüber geben beide einen ehrlichen Einblick. Eine Folge über Geduld, Verantwortung und die Frage, wie man Bewährtes erhält und gleichzeitig Zukunft baut.

Music by Vladimir Dergachev from Pixabay. Das Transkript zu dieser Episode wurde mit Hilfe von KI erstellt und kann Fehler enthalten.

Transkript anzeigen

Marianne Reiß: Wir sprechen heute über das Rathaus Altena. Mir gegenüber sitzen zum einen Dominik

Marianne Reiß: Gieler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde

Marianne Reiß: Altena und Liam Neufeld vom Architektenbüro Berdi Architekten.

Marianne Reiß: Wie immer würde ich mich freuen, wenn Sie sich zu Beginn einmal vorstellen.

Marianne Reiß: Herr Gieler, starten Sie doch gerne.

Dominik Gieler: Ja, mein Name ist Dominik Gieler. Ich bin seit Juni 2022 Bürgermeister der Verbandsgemeinde

Dominik Gieler: Altena und darf seit dem Zeitraum die Geschicke der Verbandsgemeinde leiten.

Marianne Reiß: Sehr gerne.

Liam Neufeld: Ja, mein Name ist Liam Neufeld. Vielen Dank erstmal für die Einladung.

Liam Neufeld: Ich bin Architekt bei Berdi Architekten, bin jetzt seit sechs Jahren in dem Beruf,

Liam Neufeld: also Vollzeit tätig nach dem Studium und seit anderthalb Jahren bei Berdi und

Liam Neufeld: fast auch genauso lange schon bei dem Projekt des Rathaus Altenahr.

Liam Neufeld: Ja, ganz kurz vielleicht zu uns. Unser Architekturbüro gibt es seit 35 Jahren.

Liam Neufeld: Wir sind insgesamt jetzt 55 Mitarbeiter in drei Standorten und schon immer recht

Liam Neufeld: aktiv beim Thema Bestandsgebäude, Denkmalschutz und Kirchensanierung gewesen.

Liam Neufeld: Haben aber jetzt oder sind aktuell ein ziemlich breites Repertoire, was das angeht.

Liam Neufeld: Wir sind von Kitas und Schulen über Büro- und Wohngebäude bis hin zu Hotels.

Liam Neufeld: Ist aktuell eigentlich alles dabei.

Liam Neufeld: Genau, bei uns im Hause, ich übernehme jetzt bei dem Projekt hauptsächlich die

Liam Neufeld: Planungsleistungen und mein Kollege Alexander Fersch ist da für die Bauleitung

Liam Neufeld: und die Koordination mit den Firmen vor Ort zuständig.

Liam Neufeld: Und das Ganze natürlich dann auch mit der überwachenden Hand von Herrn Jan Bärdi,

Liam Neufeld: der immer im Hintergrund ist für Rückfragen, zuständig ist und uns mit Rat und Tat zur Seite steht.

Marianne Reiß: Sehr schön. Herr Neufeld, Sie hatten es eben schon erwähnt, Sie sind seit eineinhalb

Marianne Reiß: Jahren jetzt circa schon mit dem Rathaus Altena beschäftigt oder kümmern sich um das Thema.

Marianne Reiß: Herr Gieler, wie lange beschäftigen Sie sich denn schon mit dem Thema Rathaus Altena?

Dominik Gieler: Das Thema Rathaus Altena ist seit Beginn meiner Abendszeit ein natürlich Riesenthema.

Dominik Gieler: Es ist Standort von der Verwaltung, zentraler Anlaufpunkt eigentlich von mittlerweile

Dominik Gieler: über 70 Mitarbeitenden.

Dominik Gieler: Und natürlich stetiges Thema auch in der Öffentlichkeit.

Dominik Gieler: Ich werde auf kein Projekt so oft angesprochen wie auf das Rathaus,

Dominik Gieler: insbesondere natürlich in Alten, aber auch in umliegenden Dörfern.

Dominik Gieler: Und von daher ist das ein Projekt, was bei uns besonders im Fokus liegt,

Dominik Gieler: da wir zwar in diesem Hotel, wo wir jetzt gerade auch sitzen,

Dominik Gieler: interimsmäßig untergebracht sind, aber natürlich auch der Bewunsch,

Dominik Gieler: nicht nur meiner, sondern auch der aus der Verwaltung beziehungsweise der Belegschaft,

Dominik Gieler: ist, dass wir ganz gerne wieder schnell in unser Rathaus zurückkommen wollen.

Marianne Reiß: Umso besser, dass wir heute eine Podcast-Folge zu dem Thema machen und endlich

Marianne Reiß: mal über die Sanierungsmaßnahmen im Detail sprechen und vielleicht die ein oder

Marianne Reiß: andere Frage der Bürgerinnen und Bürger umfänglicher beantworten.

Marianne Reiß: Bevor wir tiefer ins Thema einsteigen und über den aktuellen Planungsstand und

Marianne Reiß: die nächsten Schritte sprechen, vielleicht nochmal einen Schritt zurück.

Marianne Reiß: Von welchem Gebäude sprechen wir in der heutigen Folge denn?

Marianne Reiß: Und welche Bedeutung hat das Rathaus Altena für die Verbandsgemeinde?

Dominik Gieler: Ja, die Verbandsgemeinde Altena ist in einem Rathaus, das um 1900 gebaut worden

Dominik Gieler: ist, ursprünglich mal als Hotel untergebracht,

Dominik Gieler: als Rathaus untergebracht seit Gründung der Verbandsgemeindeverwaltung 1969

Dominik Gieler: und das Gebäude befindet sich im Ortskern von Altena im Rossberg 3 und hat da

Dominik Gieler: auch aufgrund der Größe natürlich auch,

Dominik Gieler: aber auch der historischen Fassade, die unter Denkmalschutz steht,

Dominik Gieler: eine besondere Bedeutung für uns als Verwaltung, aber natürlich auch für die

Dominik Gieler: Bürgerinnen und Bürger der Ortsgemeinden Altena.

Marianne Reiß: Das Rathaus war ja wie viele andere Gebäude in Altena und auch in der Verbandsgemeinde

Marianne Reiß: von den Auswirkungen der Flut betroffen.

Marianne Reiß: Von welchen Schäden gingen Sie denn zu Beginn, kurz nach der Flut und zum Start

Marianne Reiß: der Aufräumarbeiten aus?

Dominik Gieler: Ja, das Rathaus war natürlich im Keller überflutet und im Erdgeschoss ungefähr

Dominik Gieler: 1,50 Meter unter Wasser.

Dominik Gieler: Dass wir sind als erstes davon ausgegangen oder es war relativ schnell klar,

Dominik Gieler: weil man es auch prägnant riecht, wenn man reingeht dass das Öl in die Wände eingezogen ist.

Dominik Gieler: Wir hatten auch noch wenige Wochen vorher unseren Öltank, der sich genau im Keller befunden hat,

Dominik Gieler: volltanken lassen deswegen waren auch entsprechend viele Möglichkeiten zum,

Dominik Gieler: Öleintritt in die Wände vorhanden und Wir hatten kurz nach der Flut mit vielen

Dominik Gieler: Helferinnen, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern,

Dominik Gieler: als auch mit Leuten aus der Verwaltung das Rathaus entkernt,

Dominik Gieler: also sprich den Keller ausgeräumt, das Erdgeschoss ausgeräumt und im Erdgeschoss

Dominik Gieler: dann noch teilweise den Putz von den Wänden genommen.

Dominik Gieler: Und waren eigentlich der Annahme, dass wir das Erdgeschoss wieder relativ schnell

Dominik Gieler: ertüchtigen können, um dann möglichst zeitnah auch wieder in das Gebäude einziehen zu können.

Marianne Reiß: Die Flut ist ja nunmehr vier Jahre her. Wo befinden Sie sich denn aktuell?

Marianne Reiß: Welche Lösung haben Sie fürs Rathaus?

Dominik Gieler: Ja, wir haben uns natürlich unterschiedlichste Gedanken gemacht.

Dominik Gieler: Zum einen war das Rathaus vor der Flut relativ klein.

Dominik Gieler: Wir hatten Probleme auch immer mal wieder mit dem Sitzungssaal.

Dominik Gieler: Das wussten wir auch in der Form und hatten dann auch gedacht,

Dominik Gieler: können wir in dieses Rathaus wieder zurückziehen.

Dominik Gieler: War aber relativ schnell klar,

Dominik Gieler: dass wir das auch wollen. Wir hatten uns andere Standorte angeschaut.

Dominik Gieler: Unter anderem hier den Rossberg, wo wir gerade sitzen, also sprich das Hotel

Dominik Gieler: Sommerrodelbahn. Da stand aber dann letzten Endes nicht zum Verkauf.

Dominik Gieler: Wir hatten uns aber auch mit anderen Themen auseinandergesetzt,

Dominik Gieler: wie zum Beispiel dem Hotel zur Post, ob man da einen Verwaltungssitz gründen könnte.

Dominik Gieler: Es war aber links auch in der Politik von Anfang an klar, dass dieses historisch

Dominik Gieler: bedeutsame Gebäude erstens wieder aufgebaut werden muss in Altena,

Dominik Gieler: weil es halt auch bildprägend ist Und zum Zweiten auch von der Historie,

Dominik Gieler: solange schon im Besitz der Verbandsgemeinde ist, dass wir an diesem Gebäude festhalten.

Dominik Gieler: Es ist so, dass wir als Verbandsgemeinde aber nicht mit Geld gesegnet sind.

Dominik Gieler: Und zwei Gebäude zu unterhalten, ist auf Dauer natürlich auch ein sehr großer Aufwand.

Dominik Gieler: Und deswegen haben wir dann uns Gedanken gemacht, wie kriegen wir dieses Gebäude

Dominik Gieler: nicht nur ertüchtigt, sondern auch von den Kapazitäten so ausgelegt, dass wir zukünftig,

Dominik Gieler: auch wenn wir wachsen bzw.

Dominik Gieler: Stand heute wieder etwas schrumpfen würden, dennoch alle Mitarbeitenden dort unterkriegen.

Dominik Gieler: Und so sind wir dann an dieses Thema gegangen.

Dominik Gieler: Das war doch recht zeitaufwendiger, weil wir natürlich auch uns mit dem Bestandsgebäude

Dominik Gieler: auseinandergesetzt haben.

Dominik Gieler: Das ist Denkmalgeschütz bzw. die Fassade und das Treppenhaus sind in erster

Dominik Gieler: Linie mal denkmalgeschützt.

Dominik Gieler: Und wir hatten dann auch relativ zeitnah Gespräche mit dem Denkmalschutz der

Dominik Gieler: unteren als auch der oberen Denkmalschutzbehörde aufgenommen,

Dominik Gieler: um zu gucken, was machen die mit, was machen die nicht mit, was Sanierungsmaßnahmen angeht.

Dominik Gieler: Da war die Rede auch, zumindest hatten wir es mal andiskutiert,

Dominik Gieler: ist aber relativ schnell erschlagen worden von einem Komplettabriss und genau

Dominik Gieler: einem Bau wieder, so wie es da steht.

Dominik Gieler: Ich glaube, da wird der Herr Neufeldkreich noch was zu sagen können.

Dominik Gieler: Allerdings eine Denkmalschutzbehörde sagt, wenn ein Denkmal abgerissen wird

Dominik Gieler: und auch wenn es genauso wiederhergestellt wird, ist es kein Denkmal mehr und

Dominik Gieler: deswegen war das für die keine Option.

Dominik Gieler: Und anders als es im Privatbereich ist, sagt man,

Dominik Gieler: bei öffentlichen Trägern darf bei der Ertüchtigung eines Denkmals die Kostenseite,

Dominik Gieler: ich würde jetzt nicht sagen keine Rolle spielen, aber eine sehr minder gewertete Rolle spielen.

Dominik Gieler: Und das hat uns halt letzten Endes einige Problemstellungen beschwert.

Dominik Gieler: Wir hatten auch diskutiert, ob man nur die Fassade stehen lassen und im hinteren

Dominik Gieler: Bereich alles abreißen.

Dominik Gieler: Das ist aber dann auch aufgrund von Abstützmöglichkeiten relativ schnell ad

Dominik Gieler: acta gelegt worden. So kam es dann zu der Beauftragung von Berdi,

Dominik Gieler: über die wir sehr glücklich sind.

Dominik Gieler: Allerdings war dann der Auftrag klar, macht uns bitte eine Machbarkeitsstudie,

Dominik Gieler: wie wir das Personal runterkriegen, wie wir das aktuelle Rathaus tüchtig bekommen,

Dominik Gieler: auch in Kombination mit dem gegenüberliegenden Hotel Santana,

Dominik Gieler: was erst im letzten Jahr letzten Endes in die Überlegungen mit eintrat,

Dominik Gieler: weil es vorher auch nicht zum Verkauf stand.

Dominik Gieler: Ich kann jetzt heute in der Podcast-Folge sagen, wir haben es gekauft.

Dominik Gieler: Wir sind exakt morgen, findet die finale Übergabe statt und der Vertrag ist unterzeichnet.

Dominik Gieler: Und von daher gucken wir auch, wie wir jetzt in dem Zusammenspiel mit den beiden

Dominik Gieler: Grundstücken eine gute Lösung hinbekommen.

Dominik Gieler: Genau, und das war so im Kurzabriss die Werdegeschichte zu dem, wo wir heute stehen.

Marianne Reiß: Gibt es noch andere Maßnahmen oder wichtige Schritte, die Sie in den ersten

Marianne Reiß: zwei Jahren nach der Flut durchgeführt haben, über die Sie jetzt gerade noch

Marianne Reiß: sprechen möchten, die Sie erwähnen möchten?

Dominik Gieler: Im Grunde genommen habe ich die gerade erwähnt. Also wir haben verschiedene Standorte geprüft.

Dominik Gieler: Wir haben verschiedenste Möglichkeiten mit dem Rathaus geprüft.

Dominik Gieler: Der rückwärtigen Erweiterung.

Dominik Gieler: Das ist ja im Grunde genommen jetzt auch die erstmalige Maschrichtung. Und,

Dominik Gieler: Das war ein relativ langer Prozess, auch mit den Gesprächen des Fördermittelgebers.

Dominik Gieler: Es war ziemlich schnell klar, aufgrund der Entkernungsarbeiten,

Dominik Gieler: die nach der Flut im Rathaus durchgeführt worden sind.

Dominik Gieler: Da waren Wasserleitungen, die letzten Endes aufgemacht worden sind.

Dominik Gieler: Da waren Elektroleitungen, die einfach auf Wasserstandshöhe abgepitcht worden sind.

Dominik Gieler: Und da haben wir uns auch in intensiven Gesprächen mit dem Land befunden,

Dominik Gieler: um zu gucken, was ist denn förderfähig, welche Kosten sind förderfähig.

Dominik Gieler: Wir mussten Schimmelnachweise im Obergeschoss belegen, um dann auch zu gucken,

Dominik Gieler: werden die Obergeschosse mit betrachtet.

Dominik Gieler: Das waren so die Fragestellungen, die doch sehr viel Zeit in Anspruch genommen haben.

Marianne Reiß: Nun sind Sie ja mit den Arbeiten am Rathaus Altena schon wieder ein paar Schritte weiter.

Marianne Reiß: Herr Neufeld, erzählen Sie doch mal, was das Besondere am Rathaus Altena ist.

Marianne Reiß: Herr Gieler hat ja schon einige Dinge erwähnt.

Liam Neufeld: Also zum einen haben wir dann natürlich architektonisch gesehen,

Liam Neufeld: das Prägnanteste ist die denkmalgeschützte Fassade.

Liam Neufeld: Das ist so dieses ortsprägende Bild, das was der Giergierer eben gesagt hat,

Liam Neufeld: das hat eine repräsentative Bedeutung,

Liam Neufeld: steht unter Denkmalschutz, dürfen wir auch so gesehen nur mit Sandhandschuhen

Liam Neufeld: anfassen, beziehungsweise wir fassen es eher mit dem Schlaghammer an,

Liam Neufeld: dazu gleich mehr, aber wir müssen es auf jeden Fall so wieder herrichten,

Liam Neufeld: dass es die optische Wirkung erhalten bleibt.

Liam Neufeld: Und mit einer historischen Fassade geht dann halt aber auch auf diese alte Bausubstanz einher.

Liam Neufeld: Wir haben das Gebäude, das ist jetzt 125 Jahre alt circa und über die Zeit kamen

Liam Neufeld: dann natürlich immer mehr Schadenspunkte dazu, die im Laufe der Jahre.

Liam Neufeld: Die oberflächlich gepflegt wurden, aber natürlich einfach aufgrund des Aufwandes

Liam Neufeld: nicht vollumfänglich behoben werden konnten.

Liam Neufeld: Also so wie wir es jetzt herrichten oder beziehungsweise entkernt haben,

Liam Neufeld: das war während des laufenden Betriebs einfach zu der Zeit nicht möglich.

Liam Neufeld: Deswegen ist es auch zum Teil verständlich, aber viele Punkte,

Liam Neufeld: die sich über die Jahre angesammelt haben, kommen halt jetzt zum Vorschein.

Liam Neufeld: Das ist zum einen jetzt der Schaden, der durch die Flut entstanden ist,

Liam Neufeld: diese Heizölbelastung.

Liam Neufeld: Im Erdgeschoss, aber zum anderen haben wir andere Probleme.

Liam Neufeld: Beispielsweise die Feuchtigkeit, die wir im rückwärtigen Anbau haben,

Liam Neufeld: die kommt wiederum durch die dahinterliegende Stützwand.

Liam Neufeld: Das ist auch nochmal ein komplett eigenes Thema.

Liam Neufeld: Die Stützwand begleitet uns fast auch von Anfang an schon.

Liam Neufeld: Bei der ist das Problem, die ist aktuell nach jetzigem Stand nicht mehr statisch nachweisbar.

Liam Neufeld: Das heißt, die müssen wir auch anpacken. Wir müssen diese rückverankern.

Liam Neufeld: Wir haben im Bestandsgebäude, jetzt wo alles freigelegt ist,

Liam Neufeld: natürlich weitere Punkte entdeckt.

Liam Neufeld: Wir haben beschädigte Auflager, Anschlüsse und Verbindungen.

Liam Neufeld: Genau hinzu kommt halt diese Umstrukturierung, was Herr Gieler eben schon angesprochen hat.

Liam Neufeld: Unter anderem fällt uns jetzt ein komplettes Geschoss weg.

Liam Neufeld: Wir haben durch die Hochwasseranforderungen jetzt nicht mehr die Möglichkeit,

Liam Neufeld: das Kellergeschoss zu nutzen.

Liam Neufeld: Das war vorher für die Technik und auch als Archiv genutzt worden.

Liam Neufeld: Das heißt, diese Funktionen, die wir vorher dort hatten, müssen jetzt in andere

Liam Neufeld: Teile des Gebäudes verlegt werden.

Liam Neufeld: Die Technik darf unter anderem auch nicht mehr im Erdgeschoss positioniert sein.

Liam Neufeld: Die muss sogar noch weiter nach oben.

Liam Neufeld: Und dadurch, dass wir jetzt allein diese,

Liam Neufeld: Diese Funktion aus dem Keller, Aktenarchiv, Technik nach oben bringen,

Liam Neufeld: entstehen da ganz andere Fehler oder beziehungsweise Mängel,

Liam Neufeld: weil einfach das Gebäude nicht für diese Lasten ausgelegt sind.

Liam Neufeld: Der ganze Papierkram, sag ich mal, aus dem Aktenarchiv, das sind natürlich Lasten

Liam Neufeld: und vor allem ganz zu schweigen von der Haustechnik.

Liam Neufeld: Das müssen wir jetzt umstrukturieren, in andere Teile legen und diese sind dafür

Liam Neufeld: auch einfach statisch nicht ausgelegt.

Liam Neufeld: Das war halt ganz wichtig von Anfang an, das mit in die Betrachtung mit aufzunehmen.

Liam Neufeld: Und die Substanz hat halt zudem dann halt durch die Flut auch noch weiterhin

Liam Neufeld: gelitten, also ist noch weniger tragfähig geworden.

Liam Neufeld: Und hinzu kommt, dass wir nicht nur eine Umstrukturierung haben,

Liam Neufeld: wir haben natürlich auch das Thema der Mitarbeiter. Wir haben durch Flut bedingt

Liam Neufeld: natürlich jetzt eine höhere Anzahl der Mitarbeiter, die muss auch irgendwo untergebracht werden.

Liam Neufeld: Und aus dem Grund sind wir halt seitdem oder direkt von Anfang an dabei gewesen,

Liam Neufeld: die Planung so anzupassen, dass wir natürlich das Bestmögliche aus dem Bestand rausholen.

Liam Neufeld: Das heißt, wir haben hinten den Anbau, der auch einfach funktioniert.

Liam Neufeld: Der einfach nicht die Funktion erfüllt hätte, haben wir stark umgeplant.

Liam Neufeld: Der wird eine ganz andere Nutzung bekommen, aber auch dadurch auch eine ganz

Liam Neufeld: andere Wirkung auf die Öffentlichkeit bringen, da wir beispielsweise den Ratssaal

Liam Neufeld: jetzt ins Erdgeschoss gebracht haben.

Liam Neufeld: Dadurch haben wir eine ganz andere Außenwirkung, wir haben eine ganz andere

Liam Neufeld: Zugänglichkeit auch zum Gebäude und die Nutzung kann ganz vielseitiger gestaltet werden.

Dominik Gieler: Wir kriegen ja jetzt auch eine barrierefreie Zuwägung letzten Endes hin,

Dominik Gieler: die vorher auch nicht vollumfänglich gegeben war.

Dominik Gieler: Wir hatten zwar einen Aufzug im Rathaus, aber mit dem Rollstuhl war es durchaus

Dominik Gieler: doch ein Unterfangen, da reinzukommen.

Liam Neufeld: Genau, das kommt dazu. Wir haben jetzt die Möglichkeit, den Innenhof komplett

Liam Neufeld: neu umzugestalten, den aufzuwerten und auch barrierefrei zugänglich zu machen bzw. nutzbar zu machen.

Liam Neufeld: Und die ganzen Probleme bzw. die Themen, die jetzt nochmal aufkamen und durch

Liam Neufeld: die Flut quasi noch verstärkt wurden, sorgen halt dafür, dass wir das Thema

Liam Neufeld: jetzt vollumfänglich angehen müssen.

Liam Neufeld: Und da zeigt sich aber auch der Fördergeldgeber sehr verständnisvoll und die

Liam Neufeld: Gespräche dahingehend liefen bisher auch alle sehr gut und positiv.

Marianne Reiß: Sie haben es jetzt schon einige Male

Marianne Reiß: erwähnt. Es handelt sich ja auch um Schadstoffbelastung in den Wänden.

Marianne Reiß: Da wird bei dem einen oder anderen Hörer oder der Hörerin die Frage aufkommen,

Marianne Reiß: ob bei dem Rathaus ein Gesundheitsrisiko für die Menschen, die dort aktuell

Marianne Reiß: arbeiten, die da in Zukunft arbeiten werden, die da vorbeilaufen, die da wohnen, besteht.

Liam Neufeld: Also ein Problem mit Gesundheitsrisiken haben wir nicht. Das Rathaus steht aktuell leer.

Liam Neufeld: Ziel ist es natürlich auch später, das Rathaus schadstofffrei zu übergeben.

Liam Neufeld: Also später wird da auch nichts mehr von nachweisbar sein.

Liam Neufeld: Und zum anderen ist ein Thema, dass die Schadstoffe sind nicht in der Luft,

Liam Neufeld: sondern die sind erstmal im Baumaterial.

Liam Neufeld: Die werden nur sehr marginal an die Luft abgegeben, aber das heißt,

Liam Neufeld: wir haben da aktuell keine Themen, was Gesundheitsrisiken angeht.

Dominik Gieler: Das ist auch unser Worst Case, dass wir ganz viel Geld, viele Millionen an Euros

Dominik Gieler: in das Rathaus reinstecken und dann wollen wir nicht Gefahr laufen,

Dominik Gieler: dass es danach immer noch im Inneren nach Öl riecht.

Dominik Gieler: Deswegen haben wir auch hier einen besonderen Augenmerk auf die Untersuchungen,

Dominik Gieler: auf Prüfungen gelegt, um hier auch auf Nummer sicher gehen zu wollen.

Liam Neufeld: Genau, also diese Gutachten wurden vor Baubeginn durchgeführt.

Liam Neufeld: Wir haben Kennwerte aus der Zeit.

Liam Neufeld: Wenn jetzt die Schadstoffsanierung losgeht, werden auch während des Baus weitere

Liam Neufeld: Gutachten erstellt bzw.

Liam Neufeld: Weitere Proben genommen, sodass wir während des Baus schon sicher gehen.

Liam Neufeld: Wir bekommen die Schadstoffe aus dem Gebäude und später nach Fertigstellung

Liam Neufeld: werden wir das Ganze natürlich nochmal durchprüfen.

Liam Neufeld: Also das heißt, wir legen da

Liam Neufeld: schon großen Wert drauf, dass wir das Thema auch ausmerzen dann am Ende.

Marianne Reiß: Gibt es für die oder bestehen für die Mitarbeitenden, die auf dem Bau arbeiten

Marianne Reiß: aktuell oder die in Zukunft dort arbeiten werden, bestimmte Vorkehrungen?

Liam Neufeld: Ja, auf jeden Fall. Da achten wir auch drauf. Also das ist auch speziell schon

Liam Neufeld: so ausgeschrieben. Und die Firmen sind auch dahingehend schon vor Beauftragung informiert.

Liam Neufeld: Es gibt da Maßnahmen, die ergriffen werden, beispielsweise, dass dann beim Abbruch

Liam Neufeld: der betroffenen Bauteile Maskenpflicht herrscht.

Liam Neufeld: Die Bereiche im Gebäude, die betroffen sind und die abgebrochen werden,

Liam Neufeld: werden auch abgetrennt, sodass sich die Luft nicht, beziehungsweise der Staub

Liam Neufeld: nicht übermäßig im Gebäude verteilen kann.

Liam Neufeld: Wir haben einen Schwarz-Weiß-Bereich. Das heißt, wir haben eine kontaminierte

Liam Neufeld: Zone, diesen abgetrennten Bereich.

Liam Neufeld: Von diesen kommt man dann direkt zu den Umkleiden bzw.

Liam Neufeld: Zu den Duschen. Dort findet dann die Reinigung statt und von dort aus geht es

Liam Neufeld: dann in den sogenannten Weiß-Bereich.

Liam Neufeld: Und zudem legen wir dann natürlich Wert darauf, wenn wir Materialien haben,

Liam Neufeld: die einer speziellen Entsorgung bedürfen, dann werden die natürlich nicht einfach

Liam Neufeld: in den Container geworfen, sondern die kommen in spezielle Behältnisse,

Liam Neufeld: die können zugemacht werden und werden dann natürlich auch fachgerecht entsorgt.

Marianne Reiß: Sie haben eben schon über die Gutachten gesprochen. Welche weiteren Maßnahmen

Marianne Reiß: wurden denn umgesetzt, seitdem Sie mit an Bord sind bei der Baumaßnahme?

Liam Neufeld: Ja, neben dieser Schadstoffkontaminierung des Heizöls haben wir natürlich jetzt

Liam Neufeld: die Chance genutzt, weitere Gutachten und Analysen des Gebäudes zu erstellen.

Liam Neufeld: Dafür haben wir uns jetzt auch einige Experten mit ins Boot geholt.

Liam Neufeld: Beispielsweise nach der Entkernung wurde das komplette Gebäude einmal mittels

Liam Neufeld: Lasertechnik aufgemessen.

Liam Neufeld: Aus diesem digitalen Modell sind dann unsere Ausführungspläne entstanden.

Liam Neufeld: So können wir während der Planungsphase schon auf die örtlichen Gegebenheiten

Liam Neufeld: reagieren, was früher nicht der Fall war vor dieser Technik.

Liam Neufeld: Da war es immer noch so ein Thema, man musste es vor Ort per Hand aufmessen.

Liam Neufeld: Das können immer Fehler passieren. Und jetzt haben wir durch dieses 3D-Modell

Liam Neufeld: beispielsweise, hat der Statiker in dem Fall die Möglichkeit,

Liam Neufeld: jeden Balken digital nachzumessen.

Liam Neufeld: Und unter anderem haben wir da weitere Untersuchungen gemacht,

Liam Neufeld: die jetzt einfach notwendig wurden. Wir haben geologische Untersuchungen hinten

Liam Neufeld: bei der Stützwand unternommen.

Liam Neufeld: Wir haben das Dach untersuchen lassen.

Liam Neufeld: Wir hatten ein Holzschutzgutachter vor Ort, der uns eine Analyse erstellt hat.

Liam Neufeld: Und hier liegt auch mit der größte Unterschied zu einem Neubau.

Liam Neufeld: Also wir müssen halt mit dem arbeiten, was vor Ort ist.

Liam Neufeld: Und diese Analysen, diese Gutachten können wir nicht einfach direkt am Anfang alle erstellen lassen.

Liam Neufeld: Also das heißt, wir können nicht nach Projektstart einfach eine Armee von Gutachtern

Liam Neufeld: reinschicken und die erstellen uns dann ihre Analysen, sondern wir können teilweise

Liam Neufeld: erst nacheinander arbeiten.

Liam Neufeld: Um mal ein Beispiel zu nennen, warum wir jetzt beispielsweise so lange brauchen.

Liam Neufeld: Also das scheint den meisten vielleicht gar nicht so klar zu sein.

Liam Neufeld: Aber um diese Umplanung jetzt umzusetzen, brauchen wir natürlich einen Bauantrag.

Liam Neufeld: Dieser Bauantrag muss den aktuellen,

Liam Neufeld: Gesetzen entsprechen. Die aktuellen Gesetze wiederum sehen vor,

Liam Neufeld: dass wir einen gewissen Teil von der Dachfläche von öffentlichen Gebäuden mit PV vorsehen müssen.

Liam Neufeld: Und hierfür brauchten wir wiederum eine Analyse des Daches, weswegen wir dann

Liam Neufeld: den Holzschutzgutachter eingeschaltet haben. Aber dieser konnte auch nicht direkt arbeiten.

Liam Neufeld: Dieser brauchte detaillierte Pläne mit Positionierung und Dimensionierung der

Liam Neufeld: Dachbalken, die wir erst erstellen

Liam Neufeld: konnten, nachdem wir diese Laserscan-Untersuchung im Gebäude hatten.

Liam Neufeld: Die Laserscan-Untersuchung war wiederum abhängig von der Entkernung.

Liam Neufeld: Die Entkernung brauchte wiederum etwas Zeit, die Ausschreibung auch.

Liam Neufeld: Ausschreibung ist auch ein Thema für sich. Bei öffentlichen Bauvorhaben ist

Liam Neufeld: Ausschreibung ein Riesenthema.

Liam Neufeld: Da gibt es Fristen und Abläufe, die eingehalten werden müssen.

Liam Neufeld: Also so eine Ausschreibung für ein Gewerk kann gut und gern mal drei, vier Monate gehen.

Liam Neufeld: Und das einfach mal, um diese kausalen Zusammenhänge zu zeigen,

Liam Neufeld: warum manche Sachen so lange brauchen.

Liam Neufeld: Und für viele scheint es vielleicht so, dass lange nichts passiert ist beim Rathaus.

Liam Neufeld: Aber dazu sei zu sagen, es gab keine Woche, wo wir nicht am Rathaus gearbeitet

Liam Neufeld: haben. Es gab jede Woche Terminabstimmungen,

Liam Neufeld: Projektbesprechungen, Ortstermine. Und natürlich lief die Planung im Hintergrund immer weiter.

Marianne Reiß: Und Stand jetzt, sind Sie mit der Planung fertig? Oder was ist der aktuelle Stand?

Liam Neufeld: Der aktuelle Stand ist jetzt quasi dieses Dach. Wir sind kurz vor Bauantragseinreichung.

Liam Neufeld: Wir warten dann noch auf einige Rückmeldungen und Ausarbeitungen.

Liam Neufeld: Aber im Prinzip war das jetzt so die neueste Erkenntnis, die wir hatten,

Liam Neufeld: die jetzt in unsere aktuelle Planung mit einfließt.

Dominik Gieler: Das ist auch schwierig, tatsächlich den Bürgerinnen und Bürgern oder den Beobachtern

Dominik Gieler: zu erklären, wenn wir einen Schaden im Keller und im Erdgeschoss haben,

Dominik Gieler: warum wir dann auf einmal das Dach neu eindecken bzw.

Dominik Gieler: Abtragen. Und das hat der Herr Neufeld gerade eindrucksvoll beschrieben.

Dominik Gieler: Bei der Dachuntersuchung für die PV-Anlage kam letzten Endes auch eine Schadstoffbelastung raus,

Dominik Gieler: weil der Dachbalken mit einem in den 60er und 70er Jahren verwendeten Holzschutzlasur,

Dominik Gieler: die aber BAK ausdämpft und letzten Endes jetzt nicht mehr zulässig ist.

Dominik Gieler: Da ist der Wert im Obergeschoss um das 80-fache überschritten und deswegen muss

Dominik Gieler: der gesamte Dachstuhl jetzt runter und ausgetauscht werden.

Liam Neufeld: Genau, das sind alles so Themen, da bietet sich jetzt die Chance, diese auch anzupassen.

Liam Neufeld: Natürlich könnte man wieder sagen, wir verkleiden das...

Liam Neufeld: Das notwendig wäre laut Aussage des Holzschutzgutachtern, dass wir das Dach

Liam Neufeld: luftdicht verpacken, aber da haben wir direkt unser Veto eingelegt.

Liam Neufeld: Das ist nicht langfristig, das bietet wieder Potenzial für zukünftige Fehler.

Liam Neufeld: Wenn in einigen Jahren, wenn da mal was repariert ist, jemand hat das nicht

Liam Neufeld: auf dem Schirm, dann wird diese Luftschicht durchbrochen und dann haben wir wieder dasselbe Thema.

Liam Neufeld: Also wir nutzen auch jetzt dann die Möglichkeit, so viel es geht zu heilen,

Liam Neufeld: damit wir noch viel länger was vom Rathaus dann haben.

Marianne Reiß: Was steht denn nun als allererstes im Bau an, wenn die Planung abgeschlossen

Marianne Reiß: ist und es losgehen kann?

Liam Neufeld: Also das sind im Moment, das kann man als zwei Pakete betrachten.

Liam Neufeld: Zum einen haben wir da diese Planung, von der ich gerade gesprochen habe,

Liam Neufeld: wo wir diese Funktionen innerhalb des Gebäudes umplanen, wo wir die Bestandsanalysen erstellen.

Liam Neufeld: Aber zum anderen haben wir direkt auch diese Heizölsanierung.

Liam Neufeld: Das ist jetzt so der nächste bauliche Schritt, den wir angehen.

Liam Neufeld: Das wird dann Anfang 2026 aktiv starten. Dazu werden die Bauteile im Erdgeschoss,

Liam Neufeld: das betrifft hauptsächlich die Außenwände sowie die Kellergeschossdecke,

Liam Neufeld: zurückgebaut und ausgetauscht.

Liam Neufeld: Das passiert dann im sogenannten Pilgerschrittverfahren.

Liam Neufeld: Das heißt, eine Wand von 10 Meter wird eingeteilt in bestimmte Abschnitte.

Liam Neufeld: Die sind dann zwei, drei Meter lang und es werden immer nur Streifen ausgetauscht

Liam Neufeld: und wieder aufgemauert.

Liam Neufeld: So gewährleisten wir einfach auch während der Sanierung die Standfähigkeit des Gebäudes.

Liam Neufeld: Und das nimmt natürlich dann auch eine gewisse Zeit in Anspruch.

Liam Neufeld: Wir können nicht einfach das halbe Gebäude wegnehmen, es auf Stelzen stellen und fertig.

Liam Neufeld: Also wir müssen schauen, dass wir das schon zügig und eingetaktet durchziehen,

Liam Neufeld: aber dürfen natürlich auch keine Risiken da während des Baus eingehen.

Liam Neufeld: Also das ist so der nächste Schritt, der dann Anfang nächsten Jahres beginnt.

Liam Neufeld: Und aktuell befinden wir uns noch quasi in der Vorbereitung dafür.

Liam Neufeld: Ich habe ja vorhin auch schon mal die Anschlüsse der Balkone erwähnt.

Liam Neufeld: Also die sind auch, stand jetzt so, dass wir die hätten sowieso erneuern müssen.

Liam Neufeld: Die Anschlüsse sind einfach nicht mehr zeitgemäß.

Liam Neufeld: Wir haben Wärmebrücken, wir haben beschädigte Holzbalken im Innern,

Liam Neufeld: an denen die Balkone befestigt sind.

Liam Neufeld: Das heißt, früher oder später müssten wir die während der Planung auch austauschen.

Liam Neufeld: Hierbei hat aber der Statiker sofort gesagt, Halt!

Liam Neufeld: Die Anschlüsse sehen so schlecht aus, ich möchte kein Risiko eingehen,

Liam Neufeld: die Balkone müssen bitte vor der Sanierung zurückgebaut werden.

Liam Neufeld: Das heißt, die haben wir jetzt noch mal ein bisschen vorgeschoben und die Demontage

Liam Neufeld: ist auch jetzt so gut wie abgeschlossen.

Liam Neufeld: Und natürlich die historischen Geländer, die wurden da extra von einem Kunstschmied

Liam Neufeld: demontiert, eingelagert.

Liam Neufeld: Die werden dann auch im Laufe der Zeit, bis sie wieder montiert werden, restauriert.

Liam Neufeld: Aber der nächste große Schritt ist diese Heizölsanierung.

Dominik Gieler: Eigentlich wollten wir damit auch im letzten Jahr schon gestartet sein,

Dominik Gieler: hatten aber, der Herr Neufels hat eben auch mal angedeutet, ein Ausschreibungsverfahren

Dominik Gieler: gestartet, worauf sich leider zunächst niemand beworben hat.

Dominik Gieler: Und dann konnten wir danach nach einer Fristwahrung einzelne Firmen ansprechen und darum bitten,

Dominik Gieler: dass sie ein Angebot abgeben und wir haben jetzt letzten Endes eine Firma gefunden,

Dominik Gieler: die ein Angebot abgegeben hat.

Dominik Gieler: Und das erklärt auch, warum wir hier ein Jahr lang wieder später unterwegs mit

Dominik Gieler: waren, weil es letzten Endes keine Firma auf Knopfdruck gab,

Dominik Gieler: die dann dieses Pilgerschrittverfahren durchführen wollte. Genau.

Liam Neufeld: Zum einen ist dieses Verfahren sehr kompliziert. Die Planung davon ist auch sehr kompliziert.

Liam Neufeld: Und zum anderen sind natürlich die örtlichen Gegebenheiten auch nicht bauarbeiterfreundlich,

Liam Neufeld: nenne ich das jetzt einfach mal.

Liam Neufeld: Wir haben sehr wenig Platz für die Baustelleneinrichtungen. Wir haben sehr beengte

Liam Neufeld: Verhältnisse, da wir uns ja direkt an der Straße befinden.

Liam Neufeld: Wir haben zwar ein paar Parkplätze davor, aber der Platz darauf ist auch nur

Liam Neufeld: eingeschränkt und wir wollen natürlich auch den öffentlichen Verkehr so wenig wie möglich behindern,

Liam Neufeld: weswegen wir da einfach sehr vorsichtig mit der Baustelleneinrichtung sein müssen

Liam Neufeld: und was natürlich auch für viele Firmen etwas abschreckend dann wirkt in dem Fall.

Liam Neufeld: Aber speziell zu dem Fall oder was das Thema Baustelleneinrichtungen angeht,

Liam Neufeld: haben wir uns auch extra einen Baulogistiker direkt ins Boot geholt,

Liam Neufeld: der dann später uns dabei auch unterstützt.

Liam Neufeld: Das heißt, er macht eine Planung vor Ort, wie ist es am effizientesten vor Ort

Liam Neufeld: einzurichten und wird auch später vor Ort die Koordination übernehmen.

Liam Neufeld: Das heißt, wenn Anlieferungstermine sind, wird er speziell dafür dann vor Ort

Liam Neufeld: sein, diese Waren annehmen, koordinieren, sodass wir wirklich den öffentlichen

Liam Neufeld: Verkehr so wenig wie möglich stören.

Marianne Reiß: Sie haben jetzt sehr umfangreich und vor allem verständlich erklärt,

Marianne Reiß: wie die Planung in den letzten Jahren vorangeschritten ist und mit welchen Herausforderungen

Marianne Reiß: und Hürden sie zu kämpfen hatten.

Marianne Reiß: Das Rathaus ist ja auch so geplant oder soll so gebaut werden,

Marianne Reiß: dass es nachhaltiger wird und auch moderner.

Marianne Reiß: An welchen konkreten Stellen dieser Sanierungsmaßnahme werden denn nachhaltige

Marianne Reiß: und moderne Maßnahmen eingesetzt oder umgesetzt?

Liam Neufeld: Also zum einen ganz klar, was die Haustechnik angeht. Das ist einfach Stand der Technik.

Liam Neufeld: Wir gehen auf Umweltthermie, also wir werden später Luftwärmepumpen haben und

Liam Neufeld: natürlich eine Photovoltaik auf dem Dach.

Liam Neufeld: Zum einen auf dem Bestandsdach und zum anderen hinten auch auf dem Anbau.

Liam Neufeld: Das heißt, wir können allein damit schon die zukünftigen Nutzungskosten reduzieren.

Liam Neufeld: Zum anderen haben wir jetzt die Chance, das Gebäude thermisch neu einzupacken.

Liam Neufeld: Also die Dämmung wird aufgrund des Flutschadens auch erneuert werden müssen.

Liam Neufeld: Und in dem Sinne haben wir halt die Chance, auch für die Zukunft das Gebäude

Liam Neufeld: quasi thermisch auf den aktuellen Stand zu bringen.

Liam Neufeld: Und was dieses Einpacken angeht,

Liam Neufeld: da greifen wir dann natürlich auch auf nachhaltige Materialien zurück.

Liam Neufeld: Wir versuchen dann natürliche Materialien zu wählen, die aber auch nicht nur

Liam Neufeld: in der Herstellung umweltfreundlich sind, sondern auch in der Demontage später.

Liam Neufeld: Also es ist eigentlich auch heutzutage schon normal.

Liam Neufeld: Es wird so gebaut, dass man es später leicht wieder zurückbauen kann,

Liam Neufeld: um die Materialien dann auch fachgerecht zu entsorgen und zu trennen.

Marianne Reiß: Mit dem Denkmalschutz geht ja einher, dass alles wieder so aufgebaut werden

Marianne Reiß: soll, wie es vorher aussah.

Marianne Reiß: Wird es trotzdem Änderungen am Gebäude geben, die für die Bürgerinnen und Bürger

Marianne Reiß: sichtbar sein werden? Vielleicht auch spürbar?

Liam Neufeld: Auf der Straßenseite erstmal nicht. Das ist ja dieser Punkt der denkmalgeschützten Fassade.

Liam Neufeld: Die wird natürlich auch aufgehübscht. Die wird restauriert komplett,

Liam Neufeld: also neu gestrichen. Also die wird einen komplett neuen Glanz erstrahlen.

Liam Neufeld: Aber rückseitig wird sich viel tun. Also wie bereits erwähnt,

Liam Neufeld: wir haben den rückseitigen Anbau. Der wird komplett neu gestaltet,

Liam Neufeld: auch in Verbindung mit dem Innenhof, hatten wir auch eben schon gehört.

Liam Neufeld: Wir werden einen barrierefreien bzw.

Liam Neufeld: Barriereduzierten Zugang zum Gebäude haben und es wird sich ein wesentlicher

Liam Neufeld: Fokus auch jetzt auf diesen Innenhof legen.

Liam Neufeld: Dadurch, dass wir dort den Ratssaal positioniert haben, wird er eine ganz andere

Liam Neufeld: Bedeutung bekommen und dadurch auch wesentlich aufgewerteter gestaltet werden.

Marianne Reiß: Bevor wir zum Abschluss kommen, Herr Gieler, Sie hatten eben schon oder ganz

Marianne Reiß: zu Beginn schon mal darüber gesprochen, warum das Rathaus Altena so wichtig

Marianne Reiß: ist und warum es nicht abgerissen wird, sondern saniert wird.

Marianne Reiß: Können Sie das vielleicht gerade nochmal in zwei, drei Sätzen zusammenfassen?

Dominik Gieler: Ja, das Rathaus ist emotional in Altenahr und in der Belegschaft durchaus verwurzelt,

Dominik Gieler: hat aber auch einen kulturellen Wert in Altenahr und einen historischen Wert, eine besondere Optik.

Dominik Gieler: Wir wollen hier auch als Kommune allen Privaten vorangehen und sagen,

Dominik Gieler: baut wieder auf und erhaltet die Gebäude, die wir vorher hatten, auch in der Form.

Dominik Gieler: Sicherlich hätten wir uns das nochmals etwas anders gewünscht,

Dominik Gieler: damit es etwas einfacher gewesen wäre.

Dominik Gieler: Aber dennoch halten wir an diesem Rathaus in jedem Fall auch als Standort fest.

Dominik Gieler: Und denkmalgeschützte Gebäude sind erhaltenswert, weil sie auch Kultur und Geschichte widerspiegeln.

Dominik Gieler: Und das muss man als Kommune bzw.

Dominik Gieler: Als öffentliche Hand, Und so möchte ich es mal sagen, auch in einer besonderen

Dominik Gieler: Art und Weise dann Rechnung tragen.

Marianne Reiß: Hätte es zeitlich eine Auswirkung gehabt? Hätte man neu gebaut oder eher nicht?

Liam Neufeld: Definitiv. Also wir haben natürlich während des Prozesses und der Erkenntnisse,

Liam Neufeld: die wir dadurch erlangt haben, noch mehrmals geprüft, macht es Sinn abzureißen, neu zu bauen.

Liam Neufeld: Aber wie auch eingangs erwähnt, es hätte sich einfach letztendlich kostentechnisch

Liam Neufeld: nicht so sehr gelohnt, dass man das auch vor dem Denkmalschutz hätte begründen

Liam Neufeld: können, beziehungsweise dass sie da überhaupt mitgegangen wären.

Liam Neufeld: Und zum anderen würden wir das ganze Projekt jetzt von vorne aufrollen und die

Liam Neufeld: Planung komplett nochmal neu beginnen, würde das Projekt nochmal um gut zwei Jahre verzögern.

Liam Neufeld: Weil wenn wir jetzt die Aufgabenstellung, die ganzen Anforderungen anpacken,

Liam Neufeld: würde auch die Planung nochmal neu ausgeschrieben werden müssen.

Liam Neufeld: Also dieser ganze Ausschreibungsprozess, den es für Firmen gibt,

Liam Neufeld: den gibt es natürlich auch für Fachplaner.

Liam Neufeld: Das müsste man alles wieder neu aufrollen, man müsste wieder mit den Fördergebern sprechen,

Liam Neufeld: Und das würde erhebliche Verzögerungen dann verursachen, die natürlich dann

Liam Neufeld: auch wieder kostentechnisch durch die Interimslösung wieder aufgewogen werden

Liam Neufeld: müssen. Also das hätte sich nicht gelohnt.

Marianne Reiß: Zum Abschluss noch eine Frage an Sie, Herr Gieler. Sie haben es eben erwähnt,

Marianne Reiß: das ehemals Hotel Santana wurde jetzt gekauft und gehört der Verbandsgemeinde.

Marianne Reiß: Was passiert denn jetzt mit dem Hotel Santana?

Dominik Gieler: Also wir haben das Hotel Santana gekauft. Wir müssen im Rahmen des Bauantrages

Dominik Gieler: auch einen Stellplatznachweis erbringen, den wir gerade am klären sind.

Dominik Gieler: Deswegen sind die aktuellen Überlegungen, dass wir es tatsächlich niederlegen, dieses Gebäude.

Dominik Gieler: Wir hatten sogar auch mal in Erwägung gezogen, hier von dem Hotel Rosberg runter

Dominik Gieler: ins Hotel Santana zu ziehen, weil wir natürlich hier oben auch mit immensen

Dominik Gieler: Mietskosten und monatlichen Fixkosten zu tun haben.

Dominik Gieler: Das geht aber aufgrund brandschutzrechtlicher Gegebenheiten und letzten Endes

Dominik Gieler: auch dem Riesenaufwand, der es dann mit sich bringt, nicht.

Dominik Gieler: Aber kurzum, aktuell haben wir vor, das Hotel Santana niederzulegen,

Dominik Gieler: Stellplätze drauf zu errichten und damit auch den Stellplatznachweis zu erbringen.

Dominik Gieler: Und wenn man das mal in die Zukunft spinnen darf, haben wir natürlich auch mit

Dominik Gieler: diesem Erwerb dieses Grundstücks und dieses Platzes hervorragende Möglichkeiten,

Dominik Gieler: um gegebenenfalls auch mal einen Erweiterungsbau, sofern der denn erforderlich

Dominik Gieler: wird, nachzukommen bzw. zu vollziehen.

Dominik Gieler: Und wir sind sehr froh, dass wir das gekriegt haben.

Marianne Reiß: Das sind auch sehr schöne Neuigkeiten. Zum Abschluss bitte ich alle Podcast-Gäste

Marianne Reiß: immer, dass sie noch einmal den Satz vervollständigen.

Marianne Reiß: Das wird ... mit den ersten Dingen, die Ihnen einfallen. Herr Neufeld.

Liam Neufeld: Das wird auf jeden Fall eine Herausforderung, aber auch eine sehr große Chance,

Liam Neufeld: das Rathaus zukunftshauglich zu machen und langfristig zu erhalten.

Marianne Reiß: Herr Gieler.

Dominik Gieler: Das wird hoffentlich in meiner derzeitigen Amtszeit noch fertiggestellt.

Dominik Gieler: Und das wird sicherlich ein moderner

Dominik Gieler: und aber auch im Charme des Denkmals historisches Rathaus bleiben.

Marianne Reiß: Das klingt gut. Dann danke ich Ihnen, dass Sie heute Gast waren im Podcast.

Dominik Gieler: Vielen Dank.

Liam Neufeld: Danke auch.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.