Das wird gemeinsam.

Shownotes

Im Gespräch mit Manuela Kremer‑Breuer, Gemeindereferentin und Seelsorgerin im Pastoralen Raum Bad Neuenahr‑Ahrweiler, über die Bedeutung von Seelsorge, Gemeinschaft und Erinnerung im Ahrtal fünf Jahre nach der Flut.

Wie gehen Menschen mit Verlust, Trauer und den langfristigen Folgen um – und welche Rolle spielen Gedenktage und Begegnungsorte für die Verarbeitung? Wir sprechen über persönliche Erfahrungen aus der Akutphase, die Entwicklung seelsorglicher Angebote und die Bedeutung von Gemeinschaft als tragende Kraft im Wiederaufbau. Gleichzeitig geht es um die Frage, wie Räume für Erinnerung, Zuversicht und Zusammenhalt geschaffen werden können.

Music by Vladimir Dergachev from Pixabay. Das Transkript zu dieser Episode wurde mit Hilfe von KI erstellt und kann Fehler enthalten.

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Marianne Schneider: Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, im Juli 2021 kam es zu einer der schwersten

Marianne Schneider: Naturkatastrophen in Deutschland.

Marianne Schneider: In der Nacht vom 14. auf den 15.

Marianne Schneider: Juli wurden die Menschen im Ahrtal von sinnflutartigem Regen überrascht.

Marianne Schneider: Die Wassermassen zerstörten Häuser, Straßen, wichtige Infrastruktur wie beispielsweise

Marianne Schneider: Strom- und Wasserversorgung und teilweise ganze Ortschaften.

Marianne Schneider: Dabei kamen viele Menschen ums Leben.

Marianne Schneider: Der Wiederaufbau ist daher ein Mammutprojekt. Viel ist seitdem schon passiert.

Marianne Schneider: Viele Wohnhäuser sind wieder aufgebaut und auch die Ahrtalbahn hat ihren Verkehr wieder aufgenommen.

Marianne Schneider: Die Verbandsgemeinde Altena, eine der am schlimmsten von der Flut betroffenen

Marianne Schneider: Gemeinden, arbeitet daran, Schulen, Kitas und andere wichtige öffentliche Einrichtungen,

Marianne Schneider: die zum Dorfleben und Alltag der Gemeinschaft beitragen, wieder aufzubauen.

Marianne Schneider: Um den Verlusten der Menschen im Ahrtal an einem Tag besonders zu gedenken,

Marianne Schneider: organisiert die Pfarrei jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde

Marianne Schneider: einen zentralen Gedenkgottesdienst.

Marianne Schneider: Die Veranstaltung bietet Raum für Abschied, Trauer und gemeinsames Erinnern,

Marianne Schneider: aber auch für einen Neuentfang und den damit verbundenen Blick nach vorne.

Marianne Schneider: Mein Gast heute ist Manuela Krämer-Breuer, Gemeindereferentin des Pastoralen

Marianne Schneider: Raums Bad Neuner-Ahrweiler.

Marianne Schneider: Schön, dass Sie da sind. Frau Krämer-Breuer, es würde mich freuen,

Marianne Schneider: wenn Sie sich zu Beginn einmal kurz vorstellen.

Manuela Kremer-Breuer: Ja, schönen guten Tag. Mein Name ist Manuela Krämer-Breuer. Ich bin Gemeindereferentin

Manuela Kremer-Breuer: im Pastoralen Raum Bad Neuner-Ahrweiler.

Manuela Kremer-Breuer: Für manche vielleicht eher als Seelsorgerin den Begriff zu verstehen.

Manuela Kremer-Breuer: Ich habe praktische Theologie studiert, bin 51 Jahre alt, verheiratet.

Manuela Kremer-Breuer: Wir haben einen zehnjährigen Sohn und ich lebe, wohne und arbeite seit 25 Jahren

Manuela Kremer-Breuer: in der Verbandsgemeinde Altenahr, konkret hier auch in Altenahr vor Ort.

Manuela Kremer-Breuer: Im pastoralen Raum bin ich mit 50 Prozent für innovative Projekte Ansprechpartnerin,

Manuela Kremer-Breuer: und mit 50 Prozent hier in der Pfarrei St.

Manuela Kremer-Breuer: Andreas A. Eifel, die ja fast auch deckungsgleich mit der Verbandsgemeinde Altenahr ist.

Manuela Kremer-Breuer: Und hier bin ich, wie gesagt, als Seelsorgerin tätig. Und in diesem Rahmen bereite

Manuela Kremer-Breuer: ich, wie auch die letzten Jahre, in Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde

Manuela Kremer-Breuer: Altenahr den Gedenktag vor.

Manuela Kremer-Breuer: Zusätzlich habe ich noch die Ausbildung zur Notfallseelsorgerin und auch zur Trauerbegleiterin.

Manuela Kremer-Breuer: Mir ist es vielleicht am Anfang noch wichtig, so ein bisschen mein Seelsorgeverständnis

Manuela Kremer-Breuer: zu erklären, damit Sie vielleicht das ein oder andere auch besser verstehen können.

Manuela Kremer-Breuer: Für mich gehören Leben und Glauben zusammen. Nächsten Dienst ist für mich auch Gottesdienst.

Manuela Kremer-Breuer: Und so habe ich es vielleicht auch geschafft, die letzten Jahre für die Menschen

Manuela Kremer-Breuer: da zu sein, so wie es nach meinen Kräften ging.

Manuela Kremer-Breuer: Also mit dem Blick nach der Flut, wenn es gleich im Podcast darum geht,

Manuela Kremer-Breuer: wie der Einsatz war, war mein spezielles Einsatzgebiet auf die Ortsgemeinde Altena beschränkt.

Manuela Kremer-Breuer: Und ich weiß und wie wir alle wissen, in vielen Orten waren Menschen da,

Manuela Kremer-Breuer: die geholfen, unterstützt und sich nach ihren Kräften eingesetzt haben.

Marianne Schneider: Frau Krämer-Breuer, zu Beginn würde ich gerne mit Ihnen einen persönlichen Blick

Marianne Schneider: auf den fünften Jahrestag werfen.

Marianne Schneider: Was löst denn der bevorstehende fünfte Jahrestag bei Ihnen aus?

Manuela Kremer-Breuer: Ja, wenn ich so kognitiv schaue, ist der 14. und 15. Juli 2021 noch total präsent.

Manuela Kremer-Breuer: Aber im Herzen kann ich so kaum fassen, dass die Flutkatastrophe schon fünf Jahre her ist.

Manuela Kremer-Breuer: Und da frage ich mich so oft, wo ist die ganze Zeit hin?

Manuela Kremer-Breuer: Auf der einen Seite zu sehen, fünf Jahre ist es her, was auch schon geschafft

Manuela Kremer-Breuer: wurde, dann aber auch den Blick zu haben, was noch alles vor uns liegt.

Manuela Kremer-Breuer: Und vor allem löst es bei mir so aus, wie kann man so adäquat diesen Gedenktag

Manuela Kremer-Breuer: gestalten, nach den vielen Äußerungen und Bedürfnissen der Menschen,

Manuela Kremer-Breuer: dass dieser Tag auch ein Tag wird, der Kraft und Zuversicht schenken kann.

Manuela Kremer-Breuer: Und in diesem Spannungsfeld bewege ich mich so ein Stück.

Manuela Kremer-Breuer: Und ich frage mich diese ganze Zeit, wie kann ich halt den Menschen eine Stimme

Manuela Kremer-Breuer: geben, dass das, was uns allen passiert ist, nicht in Vergessenheit gerät,

Manuela Kremer-Breuer: dass unsere Verstorbenen weiterhin einen Platz in unserem Herzen und Leben haben,

Manuela Kremer-Breuer: aber auch den Blick zu öffnen und zu weiten, dass Verarbeitung Zeit und Raum braucht.

Manuela Kremer-Breuer: Wie Sie merken, Ihre Frage löst viele Gedanken in mir aus und es gibt viele

Manuela Kremer-Breuer: Möglichkeiten, da auch nochmal genau einen Blick drauf zu werfen.

Marianne Schneider: Das machen wir gleich auch nochmal. Für den einen oder anderen sind fünf Jahre,

Marianne Schneider: schon eher eine lange Zeit. Auf der anderen Seite scheint es zugleich sehr präsent,

Marianne Schneider: weil der Wiederaufbau noch im vollen Gange ist.

Marianne Schneider: Was hilft den Menschen denn, mit dem Ereignis umzugehen?

Manuela Kremer-Breuer: Also aus den vielen Gesprächen, die ich führen darf, denke ich,

Manuela Kremer-Breuer: ist so ein Punkt, dass man schon sieht, dass es vorangeht,

Manuela Kremer-Breuer: dass es auf jeden Fall Hilfe gibt und wenn man sieht, dass sowohl im privaten

Manuela Kremer-Breuer: als auch im öffentlichen Schritte gesetzt werden, kann das durchaus Hilfe zur Verarbeitung sein.

Manuela Kremer-Breuer: Ich glaube, Freunde, Familie, Menschen, die Ähnliches erlebt haben,

Manuela Kremer-Breuer: der Austausch miteinander ist immer noch sehr wichtig.

Manuela Kremer-Breuer: Aber auch eine Sicherheit zu haben in Finanzen, in Abrechnungen,

Manuela Kremer-Breuer: in Bewilligungen, auch dort Unterstützung zu haben.

Manuela Kremer-Breuer: Und vor allem finde ich, dass es wichtig ist, eine Wertschätzung zu haben.

Manuela Kremer-Breuer: Dass man keinem sagt, jetzt ist die Zeit vorbei, wo du traurig sein musst und

Manuela Kremer-Breuer: darfst oder wo es manchmal Zeiten gibt, wo deine Kräfte vielleicht am,

Manuela Kremer-Breuer: Boden sind oder nicht mehr zu stark, sondern Menschen sind Expertinnen und Experten für sich selber.

Manuela Kremer-Breuer: Und ich glaube noch, was ich auch erleben darf, dass Menschen vielleicht auch

Manuela Kremer-Breuer: in ihrem Glauben Halt finden können.

Manuela Kremer-Breuer: Und ich denke immer, das Schlimme, die Katastrophe bleibt, aber die Begeisterung,

Manuela Kremer-Breuer: dass Menschen mit angepackt haben und diese gesagt haben, wir müssen helfen,

Manuela Kremer-Breuer: dass das vielen auch bei der Verarbeitung geholfen hat.

Manuela Kremer-Breuer: Denn wenn man alleine geblieben wäre, hätte man vielleicht das ein oder andere auch aufgegeben.

Marianne Schneider: Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, den Jahrestag ganz bewusst zu gestalten?

Manuela Kremer-Breuer: Also ich glaube, die Menschen entscheiden selber, was ihnen wichtig ist.

Manuela Kremer-Breuer: Es gibt einfach ganz vielfältige Angebote.

Manuela Kremer-Breuer: Wir als Pfarrei und Verbandsgemeinde bieten diesen zentralen Gedenkgottesdienst an.

Manuela Kremer-Breuer: Wir haben uns ja auch lange Gedanken gemacht, ist das das Passende für die Leute, könnte das sein.

Manuela Kremer-Breuer: Aber ich denke, wie gesagt, die Menschen sind selber so, dass sie gucken,

Manuela Kremer-Breuer: was ihnen wichtig ist. Und es wird an diesem Tag viele Zusammenkünfte geben

Manuela Kremer-Breuer: und Menschen suchen sich das aus, was ihnen gut tut.

Manuela Kremer-Breuer: Ich weiß, dass an vielen Orten die Kirchen offen sind, dass es für einige wichtig

Manuela Kremer-Breuer: ist, sich vor Ort in der Gemeinschaft zu treffen, wo man sich auch untereinander gestützt hat.

Manuela Kremer-Breuer: Aber einige, viele auch, die in Urlaub sind, liegt ja auch mitten in den Ferien

Manuela Kremer-Breuer: dieses Jahr der Gedenktag und manche auch bewusst wegfahren,

Manuela Kremer-Breuer: weil sie einfach sagen, mich triggert dieser Tag und es ist gut,

Manuela Kremer-Breuer: wenn ich eine andere Umgebung habe.

Manuela Kremer-Breuer: Ich selber finde eine zentrale Veranstaltung durchaus stärkend im gemeinsamen

Manuela Kremer-Breuer: Gedenken an unsere Verstorbenen und auch der Blick auf das Gemeinsam Erlebte,

Manuela Kremer-Breuer: den Iststand und auch den Blick nach vorne zu richten.

Manuela Kremer-Breuer: Und deswegen ist so die ganz herzliche Einladung von uns auch,

Manuela Kremer-Breuer: diesen Tag gemeinsam zu gestalten, aber einfach auch zu schauen,

Manuela Kremer-Breuer: was tut mir an diesem Tag gut und was ist mir wichtig.

Marianne Schneider: Bevor wir gemeinsam auf den diesjährigen Jahrestag blicken, lassen Sie uns nochmal

Marianne Schneider: zurück in die Zeit nach der Flut kehren.

Marianne Schneider: Wenn Sie an die Tage und Wochen direkt nach der Flut zurückdenken,

Marianne Schneider: was ist Ihnen besonders präsent geblieben?

Manuela Kremer-Breuer: Also es ist mir wirklich noch sehr vieles präsent geblieben und vor allem die

Manuela Kremer-Breuer: Gesichtsausdrücke der Menschen, denen ich das erste Mal begegnet bin.

Manuela Kremer-Breuer: Ich weiß noch jeden Einzelnen, der mir in diesen ersten Stunden begegnet ist.

Manuela Kremer-Breuer: Mir ist noch ganz besonders die Begleitung von Menschen bewusst,

Manuela Kremer-Breuer: die ihren nächsten Angehörigen verloren haben.

Manuela Kremer-Breuer: Aber auch die Begegnung mit den Einsatzkräften, mit den Helfern,

Manuela Kremer-Breuer: meine Mitarbeit im Krisenstab.

Manuela Kremer-Breuer: Genauso aber die schnellen Entscheidungen, die wir treffen mussten,

Manuela Kremer-Breuer: aber auch diese Möglichkeit nutzen zu können, kurze Wege zu gehen.

Manuela Kremer-Breuer: Und was mir noch ganz besonders im Blick ist, ist unsere Kirche,

Manuela Kremer-Breuer: die auf einmal ein Ort wurde, der Herberge, ein Zufluchtsort,

Manuela Kremer-Breuer: die Kleiderkammer als Stärkung für Leib und Seele,

Manuela Kremer-Breuer: Das Fahrhaus zur Apotheke wurde, nebenan die Feldpost war, der Bankwagen kam,

Manuela Kremer-Breuer: das Fahrheim, die Kaffeebude, wo es eine warme Tasse Kaffee gab und wo Gespräche möglich waren.

Manuela Kremer-Breuer: Der Gebetsraum, der Ort für die Psychologen.

Manuela Kremer-Breuer: Also Altena ist da, denke ich, ein Beispiel für viele Orte, wo die Kirchen einfach

Manuela Kremer-Breuer: diesen Zufluchtsort geboten haben, wo Menschen hinkommen können.

Manuela Kremer-Breuer: Was mir aber auch besonders präsent ist, ist die ganze Hilfsbereitschaft.

Manuela Kremer-Breuer: Von überall kamen die Helfer her.

Manuela Kremer-Breuer: Und ich merke aber auch, was mir präsent ist, ist manchmal diese Hilflosigkeit, die ich erlebt habe.

Manuela Kremer-Breuer: Was steht als erstes an? Was kann man noch tun?

Manuela Kremer-Breuer: Ich war ja speziell in Altena eingesetzt, aber immer wieder überlegt,

Manuela Kremer-Breuer: wie kannst du in die anderen Orte kommen und hatte so oft das Gefühl,

Manuela Kremer-Breuer: man tut, man tut, man tut, aber es ist halt trotzdem in Anbetracht bei all dem,

Manuela Kremer-Breuer: was passiert ist, immer noch zu wenig.

Manuela Kremer-Breuer: Und mit dem Blick auf heute ist mir klar, dass ich nicht mehr hätte machen können,

Manuela Kremer-Breuer: aber bestimmt einiges anders und vielleicht auch breiter gefächert.

Manuela Kremer-Breuer: Und was mein Herz immer noch erfüllt, ist die Dankbarkeit, die Dankbarkeit der Betroffenen,

Manuela Kremer-Breuer: egal wo sie waren, wenn es ein Handreichen war, eine Kleinigkeit,

Manuela Kremer-Breuer: es war einfach eine unsagbare Dankbarkeit von den Menschen gemeinsam zu erleben.

Marianne Schneider: Sie haben eben schon über Dankbarkeit gesprochen und auch die Hilflosigkeit

Marianne Schneider: und die Trauer und Traurigkeit, die die Menschen begleitet hat.

Marianne Schneider: Wie haben Sie die Stimmung insgesamt unter den Menschen erlebt in den ersten

Marianne Schneider: Wochen und Monaten nach der Flut?

Manuela Kremer-Breuer: Ja, ich denke, die Katastrophe hat uns Menschen miteinander verbunden.

Manuela Kremer-Breuer: Es braucht ja oft gar nicht viele Worte. Man konnte erahnen,

Manuela Kremer-Breuer: dass dem anderen ja Ähnliches passiert war, dass er vielleicht genauso fühlt wie man selber.

Manuela Kremer-Breuer: Und da, wo die Worte oft fehlten, war eine Umarmung hilfreich.

Manuela Kremer-Breuer: Und wir denken ja immer noch, es waren ja auch noch die Ausläufer von Corona.

Manuela Kremer-Breuer: Aber das spielte alles keine Rolle. Man war einfach da. man war froh,

Manuela Kremer-Breuer: jeden Einzelnen zu sehen, dass man wusste, der hatte überlebt und ja,

Manuela Kremer-Breuer: das war diese besondere Dankbarkeit, den Menschen wieder zu begegnen und,

Manuela Kremer-Breuer: Was mir da auch nochmal ganz besonders im Blick ist, es war vollkommen egal,

Manuela Kremer-Breuer: aus welchem sozialen Umfeld man kommt, ob man Freunde ist, ob man Fremde ist,

Manuela Kremer-Breuer: Religionen, alles war vollkommen egal, alle waren gleich und ich finde,

Manuela Kremer-Breuer: das kann ich heute noch so kaum in Worte fassen und das ist das,

Manuela Kremer-Breuer: was ganz, ganz lebendig in meinem Herzen ist.

Manuela Kremer-Breuer: Und irgendwie hat jeder angepackt, also wo er konnte, hat er irgendwas getan und,

Manuela Kremer-Breuer: was ich jetzt in Gesprächen oft immer wieder höre, dass wir auch miteinander

Manuela Kremer-Breuer: lachen konnten und ich glaube,

Manuela Kremer-Breuer: das ist auch wichtig, man kann gar nicht mehr alle Situationen nennen,

Manuela Kremer-Breuer: aber in diesem Traurigen, in diesem Schlimmen gab es auch Augenblicke des Lachens, der,

Manuela Kremer-Breuer: Tränen in alle Richtungen und dass man einfach froh war, dass man nicht alleine ist.

Marianne Schneider: Welche Rolle hat denn seelsorgische Begleitung in dieser frühen Phase gespielt?

Manuela Kremer-Breuer: Ja, ich denke, in der ersten Phase war es wirklich so eine Akutversorgung, dass es ein Dasein war.

Manuela Kremer-Breuer: Menschen, denen ihre Liebsten aus den Händen gerissen wurden,

Manuela Kremer-Breuer: für sie da zu sein, mit ihnen diese Stunden auszuhalten.

Manuela Kremer-Breuer: Menschen, die unter Schock standen, in den Arm zu nehmen, wenn sie das wollten.

Manuela Kremer-Breuer: Menschen, die stundenlang in den Weinbergen festgesessen haben, Kleidung zu geben.

Manuela Kremer-Breuer: Oder mir ist auch bewusst, dass Menschen sagen, dass wir diese Hilferufe nicht

Manuela Kremer-Breuer: mehr aus dem Gedächtnis bekommen.

Manuela Kremer-Breuer: Mit Menschen aber auch auf der Suche nach Angehörigen zu sein,

Manuela Kremer-Breuer: das war auch in den ersten Tagen nochmal sehr wichtig gewesen und aber vor allem

Manuela Kremer-Breuer: auch die praktische Hilfe.

Manuela Kremer-Breuer: Wie ich vorhin schon mal gesagt habe, in der Kirche, das wurde ganz schnell

Manuela Kremer-Breuer: zu einem Ort, wo es Nahrung gibt, wo es Kleidung gab,

Manuela Kremer-Breuer: wo man sein konnte, wo es eine warme Tasse Kaffee gab, wo wir nach Wohnungen

Manuela Kremer-Breuer: gemeinsam geschaut haben, wo Vermisste und Angehörige gesucht wurden.

Manuela Kremer-Breuer: Und wir hatten ja auch noch einen ganzen Teil Touristen hier,

Manuela Kremer-Breuer: die in der Nacht in der Kirche verbracht haben, zu schauen, wie können auch

Manuela Kremer-Breuer: die wieder nach Hause kommen.

Manuela Kremer-Breuer: Wir waren da, wo Häuser abgerissen wurden und standen an der Seite und mussten

Manuela Kremer-Breuer: einfach ganz oft zurück.

Manuela Kremer-Breuer: Waren wir da, um das mit auszuhalten, was nicht in Worte zu fassen ist?

Manuela Kremer-Breuer: Und ich glaube, in dieser Zeit war es einfach wichtig, da zu sein,

Manuela Kremer-Breuer: zu hören, aber auch konkrete Unterstützung zu schenken.

Marianne Schneider: Vielleicht können Sie nochmal in ein paar Sätzen zusammenfassen oder in ein

Marianne Schneider: paar Worten, warum Seelsorge gerade in Katastrophensituationen mehr als nur

Marianne Schneider: ein Gesprächsangebot ist. Sie haben es ja schon so ein bisschen erzählt,

Marianne Schneider: was Sie alles geleistet und getan haben.

Manuela Kremer-Breuer: Also ich finde es immer noch wichtig, den Menschen zu sehen und in Kontakt zu

Manuela Kremer-Breuer: sein und die Bedürfnisse zu spüren und im Idealfall auch zu erfragen.

Manuela Kremer-Breuer: Neben dem Gespräch ist dann die konkrete Hilfe einfach das ganz Wichtige.

Manuela Kremer-Breuer: Was ich vorhin gesagt habe, Kleidung, Wohnung, Nahrung, konkretes Tun,

Manuela Kremer-Breuer: wie kann man vernetzen, koordinieren, schauen, dass die Leute wieder ihren eigenen Stand bekommen.

Manuela Kremer-Breuer: Und da ist mir ein Beispiel ganz besonders im Herzen geblieben.

Manuela Kremer-Breuer: Wir haben ja in Absprache mit der Ortsgemeinde die Kita hier eröffnet mit Ehrenamtlichen,

Manuela Kremer-Breuer: weil unsere Kinder, unser Sohn war damals fünf, Sachen gesehen haben,

Manuela Kremer-Breuer: die keiner sehen sollte.

Manuela Kremer-Breuer: Die haben mitten im Schlamm gespielt und die Eltern mussten ja arbeiten,

Manuela Kremer-Breuer: gucken, was möglich war.

Manuela Kremer-Breuer: Und dann haben wir diese Kita geöffnet und da konnten unsere Kinder dann tagsüber

Manuela Kremer-Breuer: sein. Wie gesagt, mit vielen, vielen Menschen, die geholfen haben.

Manuela Kremer-Breuer: Die haben dort was Warmes zu essen bekommen. Sie konnten spielen.

Manuela Kremer-Breuer: Es gab eine Jugendfreizeit oben auf der Martinshütte, dass wir einfach versucht

Manuela Kremer-Breuer: haben, unsere Kinder und Jugendlichen ein Stück Sicherheit in dieser großen

Manuela Kremer-Breuer: Unsicherheit zu geben. Vielen Dank.

Marianne Schneider: Wie hat sich aus Ihrer Sicht seelsorgische Arbeit im Laufe der Jahre verändert?

Marianne Schneider: Vom Akutfall bis in die Phase des Wiederaufbaus, in der wir uns jetzt befinden.

Marianne Schneider: Welche Rolle spielt Seelsorge heute noch?

Manuela Kremer-Breuer: Also von der Akutphase hatte ich ja gerade ein bisschen berichtet und dann fand

Manuela Kremer-Breuer: ich es nochmal wichtig, die Themen, die die Menschen reingegeben haben.

Manuela Kremer-Breuer: Und da ist mir nochmal bewusst, dass Kinder gesagt haben, wir haben so wenig

Manuela Kremer-Breuer: Zeit mit unseren Eltern, weil die sind mit dem Wiederaufbau beschäftigt.

Manuela Kremer-Breuer: Und das haben sie einfach vermisst. Das kann ich inklusive bei uns bestätigen.

Manuela Kremer-Breuer: Und dann haben wir es wirklich geschafft, hier in Altena ein Zelt im Fahrgarten

Manuela Kremer-Breuer: aufzubauen, ein Familienzelt, wo wir Angebote jetzt bis zum heutigen Tag halt

Manuela Kremer-Breuer: anbieten für Familien und Kinder.

Manuela Kremer-Breuer: Also bewusst keine Kinderbetreuung, sondern dass Eltern und Kinder diese gemeinsame Zeit haben.

Manuela Kremer-Breuer: Sie hat damals gefehlt, aber ich glaube, heute fehlt sie oft auch durch Arbeit,

Manuela Kremer-Breuer: durch viele Sorgen und Dinge, die man erledigen muss, dass es dort einen Ort

Manuela Kremer-Breuer: gibt, wo man als Familie zusammenkommen kann.

Manuela Kremer-Breuer: Und es wurden viele Begegnungsprojekte geschaffen in vielen, vielen Pfarreien.

Manuela Kremer-Breuer: Ich kann nur die Club Cafés nennen, den Frühstücksplausch, Orte,

Manuela Kremer-Breuer: wo Menschen zusammenkommen können.

Manuela Kremer-Breuer: Und was sich bis heute geändert hat, am Anfang haben die Netzwerkpartner und

Manuela Kremer-Breuer: wir gemeinsam das gestemmt.

Manuela Kremer-Breuer: Und heute ist vieles, dass es in ehrenamtliche Hände übergegangen ist,

Manuela Kremer-Breuer: was ja einfach total ideal ist.

Manuela Kremer-Breuer: Und welche Rolle spielt die Seelsorge bis heute für mich? Also für mich ist

Manuela Kremer-Breuer: es einfach sehr wichtig.

Manuela Kremer-Breuer: Den Menschen in ihrer Lebenssituation unterwegs zu sein.

Manuela Kremer-Breuer: Und ich finde, jeder ist Experte und Expertin für sich.

Manuela Kremer-Breuer: Und in diesem gemeinsamen Tun einen Raum zu haben, um sich zu begegnen,

Manuela Kremer-Breuer: auszutauschen und zu schauen, was da gerade ansteht.

Manuela Kremer-Breuer: Und das ist mir zum heutigen Tage total wichtig, dass es diese Räume gibt,

Manuela Kremer-Breuer: wo Menschen zusammenkommen können.

Marianne Schneider: Vielleicht können Sie kurz noch erzählen, wie Bürgerinnen und Bürger Zugang

Marianne Schneider: zu diesen Begegnungsorten bekommen können.

Marianne Schneider: Wo stehen die zur Verfügung? Wie können sie daran teilnehmen?

Marianne Schneider: Wo finden sie vielleicht auch Informationen dazu?

Manuela Kremer-Breuer: Ja, ich glaube, an den Informationsfluss kann man immer noch weiter gut arbeiten.

Manuela Kremer-Breuer: Es geht viel natürlich über öffentliche Medien, wo dann steht,

Manuela Kremer-Breuer: wo es welche Angebote gibt. Was, ich sage mal, so ein Vorteil nach der Flut

Manuela Kremer-Breuer: ist, dass es viele Ortsgruppen gibt, dass die Leute vor Ort sich zusammengeschlossen haben.

Manuela Kremer-Breuer: Und da es auch guten Kontakt zu den Ortsbürgermeistern, zu Ehrenamtlichen gibt.

Manuela Kremer-Breuer: Und wenn es dort Angebote gibt, dass man die dort reinsetzen kann.

Manuela Kremer-Breuer: Und hier zum Beispiel das Familienzelt auch, das finde ich wichtig.

Manuela Kremer-Breuer: Jeder ist da eingeladen, jeder ist da herzlich willkommen und bei den Clubcafés ist das genauso.

Manuela Kremer-Breuer: Es ist wichtig, wie gesagt, dass Menschen erfahren, wo sie hinkommen können,

Manuela Kremer-Breuer: aber es auch verschiedene Möglichkeiten gibt, wo sie sich einfach austauschen

Manuela Kremer-Breuer: können, angenommen sind und wertgeschätzt werden.

Marianne Schneider: Das heißt für alle Bürgerinnen und Bürger, die Interesse haben,

Marianne Schneider: diese Begegnungsorte zu nutzen, macht es auf jeden Fall Sinn,

Marianne Schneider: einmal in die WhatsApp-Gruppen der Ortsgemeinden zu blicken.

Marianne Schneider: Da wird dann quasi immer Werbung für die anstehenden Begegnungsorte gemacht.

Manuela Kremer-Breuer: Genau, dort oder auf den Internetseiten. Aber ich glaube, vieles läuft über

Manuela Kremer-Breuer: Mundpropaganda. Wir haben auch guten Kontakt zu den Schulen, zu den Kitas.

Manuela Kremer-Breuer: Und dann erreicht man dort ja auch die Familien.

Manuela Kremer-Breuer: Vielleicht darf ich nochmal ganz kurz, Sie haben ja gefragt,

Manuela Kremer-Breuer: was hat sich verändert auch?

Manuela Kremer-Breuer: Und ich habe nochmal so gedacht, ich glaube, ich habe mich verändert in dieser

Manuela Kremer-Breuer: ganzen Zeit, weil für mich Kirche nochmal viel größer geworden ist.

Manuela Kremer-Breuer: Wir haben vorhin davon gehört, dass Menschen zusammenkommen konnten,

Manuela Kremer-Breuer: dass Kirche Herberge war.

Manuela Kremer-Breuer: Und das ist das, was ich heute mir so oft noch wünschen würde,

Manuela Kremer-Breuer: dass es da auch ein Ort wieder ist, wo jeder sich willkommen fühlt,

Manuela Kremer-Breuer: wo es vielleicht nicht so geordnet

Manuela Kremer-Breuer: ist, vielleicht auch nicht so chaotisch, wie es nach der Flut war.

Manuela Kremer-Breuer: Aber dass Menschen da auch wieder merken, da passiert was Gutes und da werde

Manuela Kremer-Breuer: ich auch gewertschätzt und da bin ich auch willkommen. Das ist so mein großer Wunsch.

Manuela Kremer-Breuer: Das ist manchmal so ein bisschen spannend mit dieser Einstellung jetzt durch

Manuela Kremer-Breuer: das Leben und die Arbeit zu gehen, weil manche das auch anders sehen.

Manuela Kremer-Breuer: Wie gesagt, für mich ist das wichtig, Kirche als lebendigen Ort zu erfahren,

Manuela Kremer-Breuer: Kirche mittendrin, wie es auch in der Flut war.

Marianne Schneider: Dann schließt die letzte Frage, glaube ich, ganz schön daran an.

Marianne Schneider: Wie hat sich die Arbeit der Pfarrei durch die Flut und Wiederaufbau verändert?

Marianne Schneider: Können Sie da eine Veränderung feststellen?

Manuela Kremer-Breuer: Also es fehlen ja immer noch viele Orte der Begegnung, also Begegnungsräume

Manuela Kremer-Breuer: und da Kirchliche und Kirchen ja oft höherhalb, oberhalb liegen,

Manuela Kremer-Breuer: werden diese immer noch sehr genutzt.

Manuela Kremer-Breuer: Und ich merke halt einfach, unsere Ehrenamtlichen sind auch nochmal viel,

Manuela Kremer-Breuer: viel selbstständiger geworden.

Manuela Kremer-Breuer: Wo es auch jetzt um Kirchenaufbau zum Beispiel ging, wo sie sich oft alleine

Manuela Kremer-Breuer: gelassen gefühlt haben, aber dann trotzdem selber mit angepackt haben.

Manuela Kremer-Breuer: Es ist auch Enttäuschung da, weil Kirchen abgerissen wurden und fehlende Seelsorger

Manuela Kremer-Breuer: in der Akutphase vor Ort waren. Menschen haben sich auch verabschiedet,

Manuela Kremer-Breuer: aber ich denke, es ist wichtig, dass...

Manuela Kremer-Breuer: Wir diese Resilienzangebote, die wir auch anbieten, immer wieder im Blick halten, dass diese jetzt auch,

Manuela Kremer-Breuer: nach dem vierten Jahr, fing das ungefähr an, auch genutzt werden, wo Menschen sagen,

Manuela Kremer-Breuer: wir haben jetzt etwas Zeit oder wir nehmen uns die Zeit, auch auf uns zu gucken

Manuela Kremer-Breuer: und dass diese Me-Time, so wird es ja oft genannt, einfach total wichtig ist,

Manuela Kremer-Breuer: damit ich nachher auch wieder Kraft habe, um in das Leben,

Manuela Kremer-Breuer: gestärkt zu gehen.

Marianne Schneider: Nun ist die Flut fünf Jahre her und am 14. Juli steht der nächste,

Marianne Schneider: also der fünfte Jahrestag an.

Marianne Schneider: Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, den Raum für Trauer,

Marianne Schneider: Erinnerung und Hoffnung gemeinsam zu öffnen?

Marianne Schneider: Und wie kann eine Gedenkveranstaltung Trost spenden, ohne das Leid zu relativieren?

Manuela Kremer-Breuer: Also ich denke, so nach der Flut wurde ja immer wieder gesagt,

Manuela Kremer-Breuer: das hat unser Land geprägt und wir werden das nicht vergessen.

Manuela Kremer-Breuer: Und die Verstorbenen werden immer im Gedenken wachgehalten bei uns.

Manuela Kremer-Breuer: Und ich finde auch an so einem Gedenktag zeigt sich das zum einen nochmal von außen, also auch.

Manuela Kremer-Breuer: Politikern und anderen eine Chance zu geben, das, was sie versprochen haben,

Manuela Kremer-Breuer: vielleicht auch nochmal durch ihr Dasein zu stärken.

Manuela Kremer-Breuer: Aber vor allem habe ich ja die Menschen hier vor Ort im Blick.

Manuela Kremer-Breuer: Und ich finde, so ein Gedenktag kann stärken, dass wir zum einen nicht vergessen,

Manuela Kremer-Breuer: das wird sowieso keiner vergessen, was wir erlebt haben,

Manuela Kremer-Breuer: aber zum anderen auch neben diesem Rückblick den Iststand anschauen, wo sind wir gerade.

Manuela Kremer-Breuer: Und das geht ja auch oft ohne große Worte, mit Symbolen oder Zeichen.

Manuela Kremer-Breuer: Und dann aber auch gemeinsam diesen Blick nach vorne wagen und was muss geändert

Manuela Kremer-Breuer: werden und was wollten wir auch ursprünglich.

Manuela Kremer-Breuer: Und ich glaube, die Gemeinschaft ist ja immer noch ein ganz,

Manuela Kremer-Breuer: ganz tragender und wichtiger Punkt.

Manuela Kremer-Breuer: Und Trost kann es auch geben, dass das zur Sprache kommt, wie man sich fühlt,

Manuela Kremer-Breuer: weil die Menschen sind ja ganz unterschiedlich.

Manuela Kremer-Breuer: Die einen sagen, ich kann es nicht mehr hören, die anderen trauen sich dann

Manuela Kremer-Breuer: vielleicht schon gar nicht mehr

Manuela Kremer-Breuer: was zu sagen und ich finde an so einem Gedenktag gibt es schon nochmal,

Manuela Kremer-Breuer: eine andere Sensibilität und dass man da vielleicht auch mehr den Mut hat,

Manuela Kremer-Breuer: denen eine Stimme zu geben, die sonst in der Alltäglichkeit untergeben.

Manuela Kremer-Breuer: Also Menschen den Raum zu geben mit ihren Befürchtungen, Trauer,

Manuela Kremer-Breuer: aber auch ihren Hoffnungen, ihren

Manuela Kremer-Breuer: Erinnerungen und dass wir gemeinsam auch wieder neue Bilder schaffen.

Marianne Schneider: Was macht eine Gedenkveranstaltung im Ahrtal für Sie besonders?

Manuela Kremer-Breuer: Also ich finde halt, das Besondere ist, dass wir diesen Blick gemeinsam wagen.

Manuela Kremer-Breuer: Neben dem, was jeder vor Ort selber gestaltet, neben dem, was jeder für sich als wichtig erfindet.

Manuela Kremer-Breuer: Dass wir gemeinsam diesen Blick nach vorne setzen.

Manuela Kremer-Breuer: Dass wir gemeinsam schauen, welche Schritte schon gegangen sind.

Manuela Kremer-Breuer: Dass wir auch akzeptieren, dass noch ein langer Weg vor uns ist.

Manuela Kremer-Breuer: Aber für mich ist dieses Besondere, dass Menschen sich hoffentlich auch in ihrer Kraftlosigkeit,

Manuela Kremer-Breuer: die wir manchmal erleben, so stark wiederfinden können, dass sie Ruhe finden,

Manuela Kremer-Breuer: dass sie Kraft schöpfen können, dass es ein Moment des Erinnerns ist, auch in Stille.

Manuela Kremer-Breuer: Wie gesagt, vielleicht auch mit Symbolen, wie wir es die letzten Jahre hatten,

Manuela Kremer-Breuer: eine Mauer, die sich öffnet, eine Brücke, über die man geht,

Manuela Kremer-Breuer: dass man keine großen Worte braucht, sondern zusammensteht und in dem,

Manuela Kremer-Breuer: was man fühlt, weiter gemeinsam Schritte setzen kann.

Marianne Schneider: Sie haben die Frage schon teilweise so ein bisschen beantwortet.

Marianne Schneider: Vielleicht können Sie noch mal kurz darauf eingehen, wie es Ihnen dabei gelingt,

Marianne Schneider: den Spagat zwischen Erinnern an das Leid und den Blick nach vorne zu meistern.

Manuela Kremer-Breuer: Ich versuche, die Menschen im Blick zu haben und das, was die Menschen in sich

Manuela Kremer-Breuer: tragen, das hat an diesem Tag und auch sonst für mich immer Vorrang

Manuela Kremer-Breuer: und auch einen Platz, was sie erfüllt, was sie beschäftigt und das auch in der Unterschiedlichkeit.

Manuela Kremer-Breuer: Und so finde ich es halt wichtig, die Realität im Blick zu behalten.

Manuela Kremer-Breuer: Das Erinnern, das Gedenken, das Wahrnehmen von dem, was war.

Manuela Kremer-Breuer: Genauso mit dem Blick auf das

Manuela Kremer-Breuer: zu richten, was schon ist, mit all den Erfahrungen, die wir hier haben.

Manuela Kremer-Breuer: Und diesen Blick nach vorne, wie ich gerade schon mal gesagt habe,

Manuela Kremer-Breuer: so ein gemeinsames Bild mit all den Bruchstücken, die wir in uns tragen,

Manuela Kremer-Breuer: wieder positive Bilder entstehen zu lassen.

Manuela Kremer-Breuer: Und wie gesagt, ich nehme das, was die Menschen reingeben und ich glaube,

Manuela Kremer-Breuer: das ist ganz wichtig, da auch diese Wertschätzung zu zeigen und weiter zu unterstützen.

Manuela Kremer-Breuer: Das, was dir gut tut, sorge da auch gut für dich.

Marianne Schneider: Das ist ja eine wichtige Rolle, die die Kirche in diesem Kontext auch übernimmt.

Marianne Schneider: Wie können wir uns allgemein oder insgesamt die Rolle der Kirche im generellen

Marianne Schneider: Wiederaufbau vorstellen, jenseits von Bauprojekten, die ja vor allem dann die

Marianne Schneider: Verbandsgemeinde und die Privatpersonen tragen?

Manuela Kremer-Breuer: Ja, es gab ja auch im kirchlichen Bereich viele Aufbausachen von Kirchen,

Manuela Kremer-Breuer: die auch viel Ehrenamtliche gestemmt haben. Ich denke, es ist vielleicht ähnlich

Manuela Kremer-Breuer: wie in der Zivilgemeinde.

Manuela Kremer-Breuer: Das heißt, manchen ist wichtig, dass dieser äußere Rahmen wieder da ist und

Manuela Kremer-Breuer: es wäre gerne so, wie alles wie vorher ist.

Manuela Kremer-Breuer: Meine Sicht ist aber von Kirche und vor allem von mir, dass ich Anwalt bin oder

Manuela Kremer-Breuer: Anwältin für die, die nicht gesehen und gehört werden, die sich nicht trauen,

Manuela Kremer-Breuer: weil alle anderen sagen,

Manuela Kremer-Breuer: das wird jetzt und guck doch nach vorne und was alles schon geleistet wurde.

Manuela Kremer-Breuer: Weil ich finde, dann zieht man sich zurück in seiner Trauer,

Manuela Kremer-Breuer: weil man sich nicht mehr traut, dem anderen zu sagen, dass es bei einem selber

Manuela Kremer-Breuer: vielleicht noch nicht gut ist.

Manuela Kremer-Breuer: Und wie gesagt, da sehe ich mich so ein Stück zum einen in den Begegnungsprojekten,

Manuela Kremer-Breuer: und zum anderen halt in dieser Unterstützung mit dem, was die Menschen einbringen.

Marianne Schneider: Nun einmal noch den Blick auf die diesjährige Gedenkveranstaltung.

Marianne Schneider: Worauf haben Sie bei der Planung der diesjährigen Gedenkveranstaltung besonders

Marianne Schneider: geachtet? Was zeichnet Sie vielleicht auch im Vergleich zu den Vorjahren besonders aus?

Manuela Kremer-Breuer: Ja, also die letzten Jahre hatten wir speziell einen ökumenischen Gottesdienst

Manuela Kremer-Breuer: und in diesem Jahr zum Fünfjährigen wird es nochmal ein bisschen anders sein.

Manuela Kremer-Breuer: Das kam aber auch auf Rückmeldungen von Menschen, die gesagt haben,

Manuela Kremer-Breuer: Uns wäre es auch mal wichtig, dass vielleicht auch Menschen aus Politik und Kirche vor Ort wären,

Manuela Kremer-Breuer: und in diesem Rahmen, um auch lebendig zu halten, was ist, was getan wurde,

Manuela Kremer-Breuer: was aber auch noch aussteht, wird es in diesem Jahr eine Gedenkveranstaltung geben.

Manuela Kremer-Breuer: Das heißt, es werden verschiedene Menschen vor Ort sein, die ihre Wahrnehmungen

Manuela Kremer-Breuer: und den Zuspruch aus Politik und Kirche den Menschen zusagen werden.

Manuela Kremer-Breuer: Es wird einen ökumenischen Gottesdienst teilgeben.

Manuela Kremer-Breuer: Musik wird ein wichtiger Punkt sein, weil ich glaube, Musik erfüllt auch immer

Manuela Kremer-Breuer: die Herzen mit all dem, was gerade erfüllt wird.

Manuela Kremer-Breuer: Und im Vorfeld möchte ich auch noch mal kurz hinweisen auf unsere Kreativaktion,

Manuela Kremer-Breuer: weil das finde ich noch mal wichtig, auch den Blick zu schauen,

Manuela Kremer-Breuer: was haben wir auch schon geschafft. Das macht das andere ja nicht weg und es

Manuela Kremer-Breuer: macht auch nicht weg, was noch alles vor uns liegt.

Manuela Kremer-Breuer: Aber es zeigt auch, dass schon einiges jeder von uns, aber auch die Verbandsgemeinde,

Manuela Kremer-Breuer: die Kirchen gemeinsam geschafft haben.

Manuela Kremer-Breuer: Und für mich besonders, das ist noch nicht ganz fest, aber ich würde gerne das

Manuela Kremer-Breuer: Ahrtal-Kreuz, das ein Künstler, der Herr Schneider aus Kreuzberg gestaltet hat, wo Menschen

Manuela Kremer-Breuer: all das, was sie während der Flut beschäftigt hat, abgegeben haben, was in einem Korpus,

Manuela Kremer-Breuer: aus Pappmaché gestaltet wurde, gerne zu unserer Gedenkveranstaltung hinzunehmen,

Manuela Kremer-Breuer: weil ich finde, da ist so viel,

Manuela Kremer-Breuer: geballt und berührt, was Menschen empfinden, fühlen und hätte da auch gerne

Manuela Kremer-Breuer: bei der Gedenkveranstaltung einfach so einen Ort, wo Menschen hinkommen können

Manuela Kremer-Breuer: mit dem, was ihr Herz erfüllt.

Marianne Schneider: Für alle Bürgerinnen und Bürger, die bis dato noch nichts von der Gedenkveranstaltung

Marianne Schneider: und der kreativen Mitmachaktion gehört haben oder Ihnen noch weitere Informationen fehlen,

Marianne Schneider: lade ich Sie herzlich ein, einmal auf unsere Website zu schauen,

Marianne Schneider: die Kampagnenwebsite www.altena-daswirt.de.

Marianne Schneider: Unter aktuelles finden Sie weitere Informationen

Marianne Schneider: zur Veranstalt und zu den Teilnahmebedingungen der Mitmachaktion.

Marianne Schneider: Wenn Sie einen Wunsch für das ATA in den nächsten fünf Jahren formulieren dürften,

Marianne Schneider: Frau Krämer-Breuer, welcher wäre das?

Manuela Kremer-Breuer: Ja, das fällt mir nicht schwer, das zu sagen. Also ich wünschte so sehr,

Manuela Kremer-Breuer: dass die Menschen sich daran erinnern, wie es nach der Flut war.

Manuela Kremer-Breuer: Diese Gemeinschaft, die man gesucht hat, wo man einander getragen hat,

Manuela Kremer-Breuer: sich manchmal vielleicht auch ertragen hat, aber dass diese Gemeinschaft das Tragende war.

Manuela Kremer-Breuer: Dass man nicht vor der Vereinzelung die Augen verschließt, sondern dass man

Manuela Kremer-Breuer: sich wieder begegnet, sich gegenseitig trägt und einander erzählt von dem, was einen erfüllt,

Manuela Kremer-Breuer: und vielleicht auch die Hoffnungen oder die Schritte, die gewagt werden,

Manuela Kremer-Breuer: zu erzählen, genauso wie das, was einem besonders schwer ist.

Manuela Kremer-Breuer: Und dass man nicht sagt, Augen zu und du musst da durch, sondern dieser Wunsch

Manuela Kremer-Breuer: in diesen vielen Begegnungen, die man vielleicht hat, so angenommen zu sein, wie man ist

Manuela Kremer-Breuer: und dass man sich auch wieder Gutes zusagt, achtsam und respektvoll miteinander umgeht.

Marianne Schneider: Und jetzt noch eine ganz persönliche Frage, was gibt Ihnen heute Hoffnung im Wiederaufbau?

Manuela Kremer-Breuer: Mir gibt die Hoffnung die Arbeit mit den Menschen, die Gespräche, die in die Tiefe führen.

Manuela Kremer-Breuer: Und es ist nicht so, dass die Leute haufenweise anrufen, aber dadurch,

Manuela Kremer-Breuer: dass ich schon so lange hier vor Ort bin, ist es wichtig, an die Orte zu gehen,

Manuela Kremer-Breuer: wo die Menschen sind. Und dann sind sofort ganz tiefgreifende Gespräche da.

Manuela Kremer-Breuer: Mir gibt Hoffnung, die ganzen Clubcafés, das Familienzelt, die Zusammenarbeit

Manuela Kremer-Breuer: mit der Ortsgemeinde, mit der Verbandsgemeinde und dass man sich füreinander einsetzt.

Manuela Kremer-Breuer: Weil ich finde, der Weg entsteht erst im Gehen und manchmal wird man getragen

Manuela Kremer-Breuer: und manchmal trägt man selber mit.

Manuela Kremer-Breuer: Meine Hoffnung ist, dass keiner halt zurückbleibt. Und für mich darf ich dann

Manuela Kremer-Breuer: auch sagen, dass auch wenn dieser Gott manchmal für mich unverständlich ist,

Manuela Kremer-Breuer: dass ich davon überzeugt bin, dass er mit mir geht und mir auch die Kraft gibt,

Manuela Kremer-Breuer: weiter vor Ort zu bleiben.

Marianne Schneider: Dann würde ich mich zum Abschluss freuen, wenn Sie noch unseren Kampagnen-Claim

Marianne Schneider: das wird, mit den ersten Worten beenden, die Ihnen dazu einfallen.

Manuela Kremer-Breuer: Das wird gemeinsam. Das wird gemeinsam, finde ich, wo wir den Blick füreinander

Manuela Kremer-Breuer: haben, wo wir offen sind für den anderen, wo wir Verständnis füreinander haben,

Manuela Kremer-Breuer: aber auch wo wir gemeinsam anpacken, damit unsere Heimat wieder ein Ort wird,

Manuela Kremer-Breuer: an dem wir uns sicher, angenommen und akzeptiert wissen.

Marianne Schneider: Ich danke Ihnen, Frau Krämer-Breuer.

Manuela Kremer-Breuer: Sehr gerne.

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