Das wird gestärkt.
Shownotes
Im Gespräch mit Jürgen Schwarzmann, Ortsbürgermeister von Hönningen, über die zentrale Rolle kommunaler Infrastruktur für das Dorfleben im Ahrtal. Wie prägen Vereine, Treffpunkte und Versorgung den Alltag – und was passiert, wenn sie durch die Flut plötzlich wegfallen? Wir sprechen über konkrete Auswirkungen, Herausforderungen und den Wiederaufbau zentraler Einrichtungen. Gleichzeitig geht es um die Frage, wie Infrastruktur künftig resilienter gestaltet werden kann, um Gemeinschaft langfristig zu stärken.
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00:00:00: Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich sitze heute im Gemeindehaus in Hönningen
00:00:04: und mir gegenüber sitzt Jürgen Schwarzmann, Ortsbürgermeister des Ortes Hönningen,
00:00:11: der Verbandsgemeinde Altenahr.
00:00:13: Wir wollen über die Wichtigkeit und die Bedeutung von kommunaler Infrastruktur
00:00:17: für das Dorfleben sprechen.
00:00:21: Viele kennen Sie bestimmt schon, trotzdem wäre es schön, wenn Sie noch mal ein,
00:00:24: zwei Takte zu sich sagen würden. Herr Schwarzmann, gerne.
00:00:26: Ja, gerne. Mein Name ist Jürgen Schwarzmann. Ich bin jetzt in der zweiten Amtszeit
00:00:32: Ortsbürgermeister der Ortsgemeinde Höllingen.
00:00:35: Seit der letzten Kommunalwahl auch Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Altenahr.
00:00:41: Ich bin tatsächlich Einheimischer. Ich bin hier in Hönningen geboren,
00:00:46: wohne auch von diesem Moment an hier im Ort und bin auch hier selbst im Ort
00:00:53: zur Schule gegangen. Wir hatten zu der Zeit noch eine Schule.
00:00:56: Alle weiterführenden Schulen kamen dann erst danach.
00:00:59: Ich bin seit meinem 24. Lebensjahr im Gemeinderat, das heißt über 40 Jahre jetzt. ähm,
00:01:09: Denn ich werde im kommenden Jahr 70 Jahre alt.
00:01:12: Können Sie noch ein bisschen was zu Ihrem beruflichen Werdegang erzählen?
00:01:16: Ja, gerne. Ich habe Kaufmann gelernt, war da auch ein paar Jahre aktiv,
00:01:23: bin dann zur Bundeswehr gegangen, war dort elf Jahre, aber als Angestellter, nicht als Soldat.
00:01:31: Danach habe ich zwei kurze Bürojobs gemacht, bevor ich dann 1994 mein Hobby zum Beruf gemacht habe.
00:01:41: Wir sitzen ja hier im Jugendraum des Gemeindehauses Hönningen.
00:01:46: Das ist von uns gegründet worden damals. Und 1994 ergab sich für mich die Möglichkeit,
00:01:53: mein Hobby tatsächlich zum Beruf zu machen. Ich bin Jugendpfleger der Verbandsgemeinde
00:01:58: Adenauer geworden und war das 28 Jahre lang.
00:02:01: Sie hatten eben schon erzählt, Hörningen ist Ihr Heimatort. Daher ist Ihnen
00:02:05: wahrscheinlich, das klingt ja schon raus, das Dorfleben oder die Gemeinschaft
00:02:09: hier besonders wichtig.
00:02:10: Das kann man ja auch erkennen, wie stark Sie sich hier engagieren.
00:02:13: Was zeichnet denn das Dorfleben im Ahrtal, in der Verbandsgemeinde und ganz
00:02:18: explizit in Hörningen aus?
00:02:21: Ja, ich glaube durch die Kleinteiligkeit, gerade auch in der Verbandsgemeinde
00:02:25: Altenahr sind wir ja viele kleine Orte, bis auf das Mittelzentrum Altenahr glaube
00:02:33: ich und gerade jetzt hier auch in Hönningen.
00:02:35: Wir haben ein sehr reges Vereinsleben.
00:02:39: Wir haben eine große Karnevalsgesellschaft, eine der größten im Maartal.
00:02:43: Wir haben ein sehr engagiertes Blas Orchester, einen unheimlich aktiven Sportverein
00:02:51: mit einer Vielzahl von Angeboten.
00:02:54: Es gibt hier tatsächlich sieben Tage die Woche, jeden Tag irgendetwas im sportlichen Bereich.
00:03:00: Wir haben hier dieses Gemeindehaus, was wir im kommenden Jahr gern sanieren
00:03:04: wollen, aber wir haben diesen aktiven Jugendraum hier.
00:03:08: Also ich glaube gerade dieses Vereinsleben und diese Gemeinschaft in den kleineren
00:03:14: Dörfern, das ist natürlich ein Fund, den man in der Stadt natürlich so nicht erleben kann.
00:03:21: Dann ist das eher auf Stadtteile bezogen und gerade, ich glaube,
00:03:26: durch das ganze Ahrtal kann man das sagen, in allen Orten sind die Vereine und die Menschen ja aktiv.
00:03:32: Natürlich ab Alten darunter ist das nochmal verstärkt dann auch im Bereich des
00:03:37: Weinbaus und dann Winzerfeste, Winzertanzgruppen und so weiter.
00:03:42: Aber ich glaube, für alle Dörfer kann man sagen, ist ein aktives Vereinsleben
00:03:46: schon eine wichtige Säule.
00:03:49: So als externe Person, die ab und an mal im Ahrtal unterwegs ist,
00:03:53: vor allem beruflich, kann ich auf jeden Fall bestätigen, dass man das spürt,
00:03:57: diese Gemeinschaft und dass mir auch schon viele darüber berichtet haben,
00:04:01: wie wichtig das Dorfleben für die Bürgerinnen und Bürger der Verbandsgemeinde ist.
00:04:05: Wie hat sich denn Ihrer Meinung nach das Dorfleben im Ahrtal durch die Flut verändert?
00:04:10: Ja, ich glaube, man muss ja beisagen,
00:04:13: wir hatten ja vorher die Herausforderung, dass wir Corona hatten.
00:04:17: Wir waren ja schon, ich nenne es mal ein bisschen gebeutelt oder vor einer besonderen
00:04:23: Herausforderung. Wer hätte sich jemals vorstellen können, dass es einen Lockdown
00:04:27: gibt, dass man sich nicht mit Menschen treffen konnte.
00:04:31: Das hat das Vereinsleben natürlich schon extrem getroffen, Corona.
00:04:35: Und dann kam natürlich der 14. Juli noch die Flut dazu.
00:04:39: Und dann muss man auch sagen, zumindest in den ersten Wochen stand natürlich
00:04:44: dieses Vereinsleben still.
00:04:47: Wir hatten andere Sorgen, beziehungsweise durch dieses Vereinsleben und durch
00:04:53: den Zusammenhalt, auch im Verein,
00:04:56: haben sich ja auch einfach diese Hilfsorganisationen gebildet,
00:04:59: einfach vor Ort, ohne natürlich die tausend Menschen, die von außen kamen, uns helfen.
00:05:05: Aber diese Strukturen haben uns natürlich nach der Flut auch geholfen,
00:05:09: dieses Zusammensein und diese Gemeinschaft.
00:05:11: Man muss sagen, das Vereinsleben hat sich relativ schnell erholt wieder.
00:05:19: Zumindest in bestimmten Bereichen.
00:05:22: Es gibt Vereine, die haben natürlich mehr darunter gelitten,
00:05:28: gerade der Karnevalsverein, der sein ganzes Equipment verloren hat.
00:05:33: Der Lagerraum des Karnevalsvereins steht ungefähr 20 Meter neben der Ahr.
00:05:40: Das ist alles weggeschwommen vom Prinzenwagen über den Irrwärtswagen,
00:05:45: von unserer ganzen Technik, die wir hatten.
00:05:48: Wir hatten eine Bühne, wir hatten eine Heizung.
00:05:51: Das ist alles weg und das war eine Herausforderung für den Verein,
00:05:56: dann auch wieder aktiv zu werden. Gerade auch, weil wir vorher Corona hatten
00:06:00: und dann jetzt noch die Flut.
00:06:02: Aber nichtsdestotrotz hat sich, glaube ich, das kann ich wohl so sagen,
00:06:06: einmal für Hönningen auf jeden Fall, aber ich glaube, das kann ich auch für
00:06:10: die Verwandtsgemeinde sagen, es hat sich keiner unterbringen lassen.
00:06:15: Also selbst die Vereine haben sich alle wieder, wie sagt man so schön,
00:06:19: berappelt und wieder aufgebaut.
00:06:21: Können Sie nochmal ein bisschen konkreter auf die Herausforderungen eingehen,
00:06:26: die mit der Flut einhergingen?
00:06:28: Also neben Materialien, die quasi wortwörtlich weggeschwemmt wurden und zerstört
00:06:34: wurden, gab es noch andere Probleme, mit denen Sie im Dorf leben und in der
00:06:38: Gemeinschaft zu kämpfen hatten?
00:06:39: Man muss natürlich dabei sein, die Flut hat ja im Ort Hönningen,
00:06:45: der aus zwei Ortsteilen besteht, muss man so ein bisschen trennen.
00:06:48: Im Ortsteil Hönningen waren Privathäuser ja nur minimal betroffen.
00:06:53: Im Ortsteil Liers 70 Prozent der Privathäuser.
00:06:57: Aber die gesamte Infrastruktur ist ja mehr oder weniger zerstört worden.
00:07:01: Das fängt an beim Kindergarten, hört beim Sportplatz auf.
00:07:04: Das Gemeindehaus in Liers ist nicht mehr vorhanden. Die normale Infrastruktur,
00:07:09: Wasser, Strom, Telefon, war ja alles nicht mehr da.
00:07:13: Aber ich kann euch aus der eigenen Erfahrung sagen, ich war ja selber die ganze
00:07:19: Nacht im Wasser im Kindergarten eingeschlossen. Danach, also,
00:07:24: Also direkt funktionierte auch das Dorfleben, also die Gemeinschaft.
00:07:30: Wir haben direkt einen Krisenstab gebildet. Wir haben uns auch mit Abrück zusammengeschlossen,
00:07:35: um einfach sich auch gegenseitig zu helfen.
00:07:39: Die Menschen haben angepackt, um erstmal die ersten Schäden wegzuräumen, Müll, Schlamm.
00:07:45: Das waren ja die ersten Herausforderungen.
00:07:47: Eine große Herausforderung für uns war, dass der Ort Saliers die ersten Tage
00:07:52: von der Außenwelt abgeschlossen war. Das heißt, wir konnten nicht nach Lies von Hönningen aus.
00:07:57: Die Lieser nur über den Berg, sage ich mal, Richtung Nordrhein-Westfalen.
00:08:02: Die Brücke ist ja in Lies zerstört. Der Radweg war zuteil zerstört.
00:08:07: Aber dadurch, dass wir sehr gute Kontakte zu verschiedenen Baufirmen haben,
00:08:13: die auch dann direkt hier unten waren, haben wir da relativ schnell eine Notstraße
00:08:17: nach Lies gebaut, sodass wir da auch die Verbindung hergestellt haben.
00:08:21: Und was auch super funktioniert hat, ist einmal in Liers und natürlich auch
00:08:25: in Hönningen, dass die Menschen mit Essen versorgt wurden, also dass man sich
00:08:30: gegenseitig geholfen hat.
00:08:31: Hier in Hönningen war der Mittelpunkt hier auf dem Dorfplatz,
00:08:34: wo das Gemeindehaus auch steht.
00:08:36: In Liers war das auf der Herrenwiese, da bildete sich direkt eine Gruppe,
00:08:41: die sich um alles gekümmert hat. Das hat einfach super funktioniert,
00:08:46: weil man auch auf sich selbst gestellt war.
00:08:49: Wir mussten, wie man heute sagen würde, keinen fragen. Wir haben einfach gemacht.
00:08:55: Bevor wir tiefer einsteigen und auf ein paar Praxisbeispiele in Hönningen eingehen
00:09:00: wollen, würde ich gerne nochmal kurz über die Bezeichnung kommunale Infrastruktur sprechen.
00:09:05: Welche kommunalen Infrastrukturen gibt es denn und wie wichtig sind die fürs
00:09:09: Miteinander im Alltag? Und vor allem, warum?
00:09:14: Ja, das ist ja, man muss sich ja trennen zwischen der Infrastruktur,
00:09:19: ich sage jetzt mal wie Straßen, Wege, Wassernetz, Abwasser, Strom oder halt
00:09:24: auch die ganz wichtig sind für das soziale Gefüge.
00:09:27: Und da sind wir ja, sag ich mal, auch wenn wir nur knapp 1100 Einwohner haben,
00:09:33: gehören wir ja in dem Fall doch zu den größeren Orten.
00:09:36: Wir haben einen eigenen Kindergarten, der von der Flut zerstört wurde,
00:09:41: den wir natürlich auch wieder haben wollen oder wieder aufbauen wollen.
00:09:45: Wir haben einen Sportplatz. Das sind natürlich ganz wichtige Bausteine.
00:09:51: Oder ich nenne mal ein Beispiel, wir hatten kurz vor der Flut einen sogenannten
00:09:56: Mehrgenerationenspielplatz eröffnet.
00:09:59: Wir haben also aus dem normalen Spielplatz einen Mehrgenerationenspielplatz
00:10:02: gebaut mit Geräten für Kinder und für Erwachsene.
00:10:06: Der ist von der Flut, sage ich mal, nicht zerstört worden, sondern im Endeffekt
00:10:11: nur mit A-Keys bedeckt gewesen.
00:10:15: Nachdem wir ihn wieder freigebuddelt hatten und der TÜV drüber war,
00:10:19: waren ja alle Geräte, haben das überlebt, bis auf zwei Sitzgruppen.
00:10:24: Das ist so ein wichtiger Platz, das ist in unserem Freizeitgelände,
00:10:28: da liegt der Kindergarten, da liegt der Regenerationplatz, da liegt der Sportplatz.
00:10:32: Dort ist ein Bereich für Zeltlager mit unserer Partnergemeinde in Stadt Lohn,
00:10:37: die dort einmal im Jahr ein großes Zeltlager mit über 150 Teilnehmern macht.
00:10:42: Das sind so Strukturen, die sind ganz wichtig für ein Dorfleben.
00:10:45: In Lias, wir haben ja zwei Ortsteile, in Lias haben wir auch dann den Spielplatz,
00:10:50: das Dorfgemeinschaftshaus, das sind ja wichtige Anlaufpunkte.
00:10:54: Was natürlich auch wichtig ist, ist natürlich die weitere Infrastruktur wie
00:10:58: Wasser, Strom, Abwasser.
00:11:00: Auch da muss man sagen, klar Abwasser, dafür wurden relativ schnell am Anfang
00:11:06: mobile Toiletten, mobile Duschen aufgebaut, weil das ja nicht funktionierte.
00:11:12: Aber die Wasserversorgung, die haben wir relativ schnell wieder hinbekommen, weil wir am,
00:11:18: einen Brunnen gebohrt haben, den wir für den Neubau des Sportplatzes einschaben
00:11:24: wollten und dann ein Notwassernetz aufgebaut haben mit einem Filterzelt.
00:11:29: Das hat relativ schnell funktioniert und auch das muss man sagen,
00:11:34: bei aller Kritik, die man ja immer wieder hört.
00:11:37: Selbst Mobiltelefone, dieses Mobilnetz, relativ schnell wieder in Gang gebracht wurden.
00:11:45: Und natürlich, Straßen, Umgehungsstraße war kaputt.
00:11:51: Das braucht alles seine Zeit, aber das sind natürlich auch ganz wichtige Sachen,
00:11:57: die auch relativ schnell wiederhergestellt werden müssen.
00:11:59: Ein Beispiel dann noch, wir haben eine Umgehungsstraße vor über 20 Jahren gebaut,
00:12:07: damit das Dorf entlastet.
00:12:10: Umgehungsstraße war aber zerstört zur Hälfte. Das heißt, der Verkehr musste
00:12:14: wieder durch den Ort fließen und es war ja eigentlich,
00:12:18: Mehr Verkehr in dem Sinn, dadurch, dass die ganzen Hilfsorganisationen wie THW,
00:12:23: Bundeswehr, die kamen ja mit schwerem Gerät und die passen nicht nebeneinander durch dieses Dorf.
00:12:29: Da haben wir relativ schnell mit Ehrenamtlichen am Anfang und am Ende des Dorfes
00:12:34: jeweils Leute positioniert mit Funkgeräten, die dann, wenn der Panzer von links
00:12:40: kam, auf rechts gesperrt hat.
00:12:42: Und das sind ja so Sachen, daran merkt man erstmal, wie wichtig Lugierungsstraße ist.
00:12:48: Sie haben sehr schöne Beispiele hier aus Hörningen genannt. Ich fasse nochmal ganz kurz zusammen.
00:12:53: Also bei kommunaler Infrastruktur sprechen wir immer von Einrichtungen,
00:12:57: Anlagen, Dienstleistungen, die für die Gemeinde bereitgestellt werden und quasi
00:13:05: das ganze Dorfleben organisieren.
00:13:07: Das sind dann zum einen einmal die technische Infrastruktur,
00:13:10: das haben Sie auch schon schön gesagt, Straßen, Gehwege, Straßenbeleuchtung,
00:13:13: Wasserversorgung, Abwasserversorgung, Strom, Gasversorgung, Internet,
00:13:17: Mobilfunk, Müllabführer und auch ÖPNV, also Nahverkehr.
00:13:21: Und dann noch einmal die soziale Infrastruktur, also alle Einrichtungen für
00:13:25: Gemeinschaft und Lebensqualität, sind Vereinsheime, Kindergarten,
00:13:28: Schulen, aber auch zum Beispiel das Gemeindehaus mit dem Jugendraum.
00:13:33: Sie haben eben schon ganz schön erwähnt, dass Hönningen mit 1100 Einwohnern
00:13:37: eher zur Kategorie kleiner Ort, kleines Dorf zählt.
00:13:42: Ich habe schon rausgehört, dass hier kommunale Infrastruktur besonders wichtig ist.
00:13:46: Können Sie nochmal kurz zusammenfassen, warum vor allem hier in so einem Ort
00:13:50: kommunale Infrastruktur so wichtig ist?
00:13:52: Ja, ich mache mal am ersten Beispiel oder am wichtigsten Beispiel fest.
00:13:56: Wir haben einen eigenen Kindergarten.
00:13:58: Das hat zum Vorteil, dass wir viele junge Familien auch im Dorf halten.
00:14:04: So eine soziale Infrastruktur oder überhaupt eine Infrastruktur,
00:14:08: die ist ja auch dafür wichtig, dass ein Dorf auch, ich sage mal,
00:14:12: ich nenne es jetzt mal ein bisschen salopp, überlebt.
00:14:15: Wir haben einen demografischen Wandel, die Gesellschaft altert.
00:14:20: Und wir wollen natürlich unser Dorf auch erhalten.
00:14:24: Und wir sind in der glücklichen Lage, dass wir an einer sehr guten Verbindungsstraße
00:14:32: leben, einen sehr guten ÖPNV auf dieser Strecke haben.
00:14:38: Das haben nicht alle Dörfer. Und wir hatten relativ viel, als Gemeinde haben
00:14:44: wir viel Vorsorge getroffen, damit junge Familien hierbleiben.
00:14:48: Wie gesagt, Kindergarten ist unser wichtigster Baustein und auch vielleicht
00:14:52: da als Beispiel, der ist ja zerstört.
00:14:55: Wir haben diesen Kindergarten innerhalb von 14 Tagen wieder ins Leben gerufen,
00:15:02: aber nur dadurch, weil wir einfach gute Kunden,
00:15:05: Kontakte nach Adenau hatten, doch war der Kindergarten gerade in einen Neubau
00:15:09: gezogen und der alte stand leer und wir sind in den alten Kindergarten gezogen.
00:15:14: Natürlich müssen die Kinder heute zehn Kilometer nach Adenau fahren,
00:15:18: bis dann der neue Kindergarten hier in Hörningen wieder fertig ist.
00:15:21: Und das ist eben unser ganz wichtiges, also Kindergartensportplatz,
00:15:26: einfach damit junge Familien auch eine Möglichkeit haben, sich hier wohlzufühlen.
00:15:32: Natürlich könnte man jetzt auch noch darüber nachdenken, Infrastruktur gehört
00:15:36: ja auch einer Nahversorgung zu, aber da haben wir uns ja so ein bisschen in
00:15:40: der Verbandsgemeinde oder beziehungsweise hier oben auch darauf fokussiert.
00:15:45: Das Nahversorgungszentrum ist in Abreg, das sind zwei Kilometer,
00:15:48: da kann man über den Radweg fahren, man kann mit dem Bus hinkommen.
00:15:53: Ein großer Supermarkt, Vollversorger.
00:15:58: Eine Bäckerei, ein Ebenbiss, ein Kaffee,
00:16:01: Getränkemarkt und da haben wir auch den Schwerpunkt hingelegt.
00:16:05: Im Dorf selber haben wir jetzt keinen Laden mehr, wir haben nur noch eine Gaststätte.
00:16:11: Ich nehme für mich auf jeden Fall mit, dass die Wiederherstellung der kommunalen
00:16:15: Infrastruktur total wichtig ist für das Dorfleben hier im Ahrtal,
00:16:19: um eben auch junge Menschen dazu zu bewegen, hier zu bleiben,
00:16:25: hierher zu ziehen, die Gemeinschaft zu genießen und eben verschiedene Aktivitäten
00:16:32: und Möglichkeiten zu bieten, dieses Dorfleben zu gestalten und die Gemeinschaft zu stärken.
00:16:37: Bevor wir einen Blick in die Zukunft wagen und gemeinsam auf den Wiederaufbau
00:16:42: schauen, würde ich nochmal ganz kurz auf die Auswirkungen der Flut auf das Dorfleben
00:16:47: hier in Hörnigen eingehen.
00:16:49: Vielleicht können Sie nochmal in zwei, drei Sätzen zusammenfassen,
00:16:52: welche Infrastrukturen besonders stark von der Flut betroffen waren und welche
00:16:59: besonders stark zerstört wurden.
00:17:01: Ja, das war einmal hier im Ortsteil Hönningen, einmal die Umgehungsstraße,
00:17:06: die zur Hälfte zerstört war, dann natürlich Sportplatz, Freizeitgelände, Kindergarten,
00:17:12: dann die Kapellenstraße, die komplett zerstört war, Teile des Radweges,
00:17:18: der dann auch ein Verbindungsweg zum Ortsteil Liers ist.
00:17:21: In Liers war es ein großes Problem, dass die große Ahrbrücke,
00:17:28: die die Bundesstraße mit dem Ortsteil verbindet, zerstört war.
00:17:33: In Liers selber ist ja das Feuerwehrhaus beschädigt worden,
00:17:39: das Gemeindehaus ist zerstört und von daher war das ein großes Problem,
00:17:46: Wie gesagt, weil Lieshaut dann auch eine Zeit lang von der Außenwelt abgeschlossen war.
00:17:51: Von daher ist das schon mal eine große Herausforderung gewesen,
00:17:56: auch diese Infrastruktur relativ schnell wiederherzustellen.
00:18:02: Schnell ist wahrscheinlich teilweise schwierig gewesen, weil es einfach nicht so schnell gehen kann.
00:18:08: Ich beschäftige mich ja jetzt auch schon einige Zeit, wenn man wieder aufbauend
00:18:10: weiß, dass da einfach auch einige Hürden auf einen warten und Schwierigkeiten
00:18:15: sowohl in der Bürokratie wie auch dabei Dienstleister zu finden,
00:18:20: die das Ganze dann eben auch mit guter Qualität umsetzen.
00:18:23: Deswegen hatte das bestimmt auch längerfristige Folgen für die Gemeinschaft
00:18:27: oder die Menschen, die hier leben, für deren tägliches Leben.
00:18:31: Können Sie mal beschreiben, was das so bedeutet hat? Vielleicht der Arbeitsweg,
00:18:35: der Weg zur Kita und, und, und.
00:18:38: Ja, ein Beispiel der Kita nochmal. Wir haben dann nach 14 Tagen sind wir dann
00:18:42: in die alte Kita Adenau gezogen.
00:18:45: Das heißt, von da an mussten die Kinder halt morgens in den Bus steigen,
00:18:52: beziehungsweise die Eltern,
00:18:54: wenn sie dann bis zum Abfahrt des Busses ihre Kinder noch nicht so weit hatten,
00:19:01: selber mit dem Auto nach Adenau bringen.
00:19:02: Deswegen in dem Fall, ich nenne es jetzt mal ein bisschen positiv,
00:19:06: wir liegen relativ günstig.
00:19:10: Wenn sie von Hönningen Richtung Adenau fahren, fahren sie vier Kilometer und
00:19:15: dann geht die Flut nach rechts weg.
00:19:17: Und sie fahren weitere sechs Kilometer, fahren nach Adenau und ich kann das
00:19:24: aus eigener Erfahrung sagen vom zweiten Tag.
00:19:26: Ich bin in Adenau gewesen, weil ich ja da gearbeitet habe, im Rathaus zum Telefonieren.
00:19:31: In Adenau saßen die Leute in der Eisdiele, in der Pizzeria draußen und drei
00:19:35: Viertel wussten vermutlich gar nicht, was passiert war, weil dort ist ja eben nichts passiert. Das,
00:19:42: Ist für uns ein bisschen ein Pluspunkt gewesen, dass wir halt,
00:19:47: ich sag mal, von Düppelfeld in Niederadenau war ein kleiner Erdrutsch,
00:19:52: aber ansonsten freie Fahrt hatten.
00:19:54: Und in Adenau gibt es ja eine riesen Auswahl an Supermärkten und so weiter.
00:19:58: Eine Herausforderung war natürlich die Versorgung der Menschen mit Wasser,
00:20:03: mit Essen. Auch das haben wir relativ schnell umgesetzt.
00:20:06: Wenn ich daran denke, ich glaube an dem Samstag kam der erste Lkw mit Trinkwasser
00:20:13: vom Getränkelieferanten aus Norburg und aus Adenau.
00:20:18: Wir haben hier vor Ort ehrenamtliche gehabt, die hier auf dem Dorfplatz Frühstück gemacht haben.
00:20:24: In Liers, wie gesagt, gab es auch so einen Sammelpunkt, wo dann Essen versorgt wurde.
00:20:29: Und wir haben ja, bis das dann organisiert wurde von Roten Kreuz oder wer auch
00:20:36: immer, dann kamen ja dann die Trinkwasserbehälter.
00:20:39: Das sind so Herausforderungen gewesen, sage ich jetzt mal ganz salopp.
00:20:44: Ich weiß gar nicht, wie wir das tatsächlich hingekriegt haben.
00:20:47: Ich weiß, wir haben jeden Morgen um 8 Uhr Krisenstabssitzung gehabt,
00:20:52: immer zusammengesessen und überlegt, was muss hier gemacht werden.
00:20:56: Die Feuerwehr ist ja ein ganz wichtiger Punkt, die Feuerwehren,
00:20:59: ohne die wäre gar nichts, Freitag gar nichts funktioniert und gerade in den
00:21:05: ersten Tagen, wie auch diese Menge von Helfern kamen.
00:21:11: Die ja alle was Gutes wollten, aber das musste man ja kanalisieren.
00:21:15: Und hier hat das zum Beispiel in Hörningen, hat da der Chef der Feuerwehr.
00:21:20: Der hat im Endeffekt immer die Helfer in Empfang genommen und hat gesagt,
00:21:25: ihr müsst da hinfahren, da muss was gemacht werden, da muss was gemacht werden.
00:21:29: Und dieses Zusammenhalten im Team, das war in der Zeit schon eine tolle Leistung.
00:21:38: Sie haben eben schon über eine Situation berichtet, als Sie nach Adelnau gefahren sind,
00:21:42: ein paar Tage nach der Flut und da quasi die Leute in der Eisdiele gesehen haben,
00:21:47: wie sie fröhlich in Eisbecher verspeisen und das Leben genießen,
00:21:51: während bei Ihnen eigentlich eine Katastrophe ausgebrochen ist.
00:21:54: Gibt es noch andere bedeutende Situationen, auf die Sie zurückblicken in Verbindung
00:21:59: mit der Flut und vor allem dem Thema kommunaler Infrastruktur?
00:22:05: Ja, also ein ganz wichtiger Punkt war tatsächlich, wie wir die Wasserleitung
00:22:12: wieder in Betrieb genommen haben.
00:22:15: Aber ich könnte Ihnen jetzt noch nicht mal sagen, ob es jetzt 14 Tage waren oder drei Wochen.
00:22:20: Aber das hat halt relativ schnell funktioniert weil wir
00:22:23: im Ort auch ein Planungsbüro haben
00:22:27: die auch wusste wo überall Wasserleitungen waren ich habe ja auch einen relativ
00:22:32: guten Kontakt zum Nordokring gehabt wir haben von dort auch viel Hilfe bekommen
00:22:36: dort war ja auch der Sammelpunkt der Bundeswehr und ich glaube was ganz wichtig
00:22:42: war war die Behelfsbrücke.
00:22:45: Von der Bundesstraße rüber nach Liers und wie gesagt, genau von einer Woche
00:22:51: die Verbindungsstraße, also der Radweg, der zerstört war,
00:22:55: dort haben wir zwischen zwei Wohnhäusern eine Notstraße geschoben über Privatgrundstücke,
00:23:01: damit wir das wieder verbinden konnten, damit wir auch wieder direkten Weg nach
00:23:05: Liers hatten, um die Bürger dort mit einzubinden, auch in die Planungen.
00:23:09: Sondern das war eine ganz wichtige Herausforderung.
00:23:14: Also die Brücken, dass die Brücke in Liers, man muss dabei sagen,
00:23:18: wir haben drei Versuche gebraucht.
00:23:20: Die erste Brücke war zu kurz, die zweite konnte keinen Schwerverkehr drüber lassen.
00:23:25: Jetzt haben wir ja die Bergsbrücke vom THW, die ist ja dauerhaft noch da,
00:23:29: weil die alte noch nicht wiederhergestellt worden ist.
00:23:33: Aber ich glaube, ein großer Punkt war tatsächlich, wie Wasser wieder lief.
00:23:39: Also man konnte sich das ja gar nicht mehr vorstellen, dass man mit einer Gießkanne
00:23:44: auf der Terrasse stand, um sich zu waschen.
00:23:46: Also von daher, ich glaube, das war eine Herausforderung für uns,
00:23:54: aber ich glaube, es hat auch geprägt, die Leute.
00:23:57: Nochmal auch sensibler zu sein, so zu gucken auf Nachbarn, geht es einem gut,
00:24:03: geht es einem nicht gut, wo kann ich helfen?
00:24:05: Wir wollen jetzt mal ganz konkret über den Wiederaufbau sprechen.
00:24:10: Um welche Maßnahmen handelt es sich denn? Sie haben ja schon einige Einrichtungen
00:24:15: angesprochen, Kita, Gemeindehaus in Lias, die von der Flut zerstört wurden.
00:24:20: Also welche Wiederaufbausmaßnahmen werden denn jetzt hier aktuell angegangen?
00:24:25: Welche stehen in Planung? Was passiert jetzt?
00:24:29: Ja, oberste Priorität hat bei uns der Kindergarten. Vielleicht noch eine kleine
00:24:34: Anekdote, weil man ja auch, man steht ja auch in der Kritik oft.
00:24:39: Wir sind die Entscheider, Gemeinderat, Bürgermeister als erstes,
00:24:44: also sowieso. Man hat ja selber am Anfang gedacht, naja, ist jetzt kaputt,
00:24:50: aber das kriegen wir alles ganz schnell wieder hin.
00:24:53: Ich hatte Helfer aus Stuttgart, die sich um den Kindergarten gekümmert haben,
00:24:59: die den entkernt haben, entschlammt haben.
00:25:01: Das Gebäude steht ja noch, das hat ja überlebt. Und ich weiß noch,
00:25:05: wir haben zusammengesessen einen Abend und dann sagten die aus Stuttgart,
00:25:09: die uns da gehofft haben, ja, wir haben jetzt August.
00:25:13: Im Dezember, Weihnachten feiern die Kinder wieder im Kindergarten, Weihnachten.
00:25:18: Und man war selber, ich glaube, man war so euphorisch, dass man daran geglaubt
00:25:23: hat. Also man sah zwar den kaputten Kindergarten.
00:25:27: Ja, und jetzt sind wir fünf Jahre nach der Flut und wir sind am Bauen.
00:25:33: Wir sind ja vorsichtig geworden mit Äußerungen, wann denn was fertig ist.
00:25:38: Im Moment sind wir noch im Zeitplan, dass die Baumaßnahme zum Ende des Jahres
00:25:45: abgeschlossen werden kann. Und möglicherweise wird es Januar,
00:25:49: aber wir sind guter Dinge.
00:25:52: Genauso ein gutes Beispiel ist der Sportplatz. Wir haben einen Sportplatz,
00:25:57: der war da 70 Jahre an der Stelle.
00:25:59: Ja, und dann hatten wir gedacht, naja gut, dann bauen wir da wieder einen Sportplatz
00:26:03: hin. Wir haben uns dann auch direkt mit Schuld, Insel, Dümpelfeld und Hörningen
00:26:08: zusammengetan und haben gesagt, es muss jetzt nicht wieder jeder Sprachplatz
00:26:12: aufgebaut werden. Aus vier macht zwei.
00:26:15: In Insel bauen wir einen Kunstrasenplatz, in Hörningen bauen wir dann halt einen Rasenplatz.
00:26:21: Tja, wir sind fünf Jahre nach der Flut und meine Hoffnung ist,
00:26:26: auch, wie gesagt, versprechen tue ich nichts mehr, aber meine Hoffnung ist,
00:26:30: dass wir in dieser Woche die Ausschreibung für den Sportplatz veröffentlichen können,
00:26:36: dass wir im Mai den Spatenstich machen können und dann in diesem Jahr auch noch den Sportplatz bauen.
00:26:41: Das Gemeindehaus ist auch der Auftrag vergeben in Liers.
00:26:46: Da hängt noch ein bisschen mit dem Abriss. Das neue Feuerwehrgerätehaus von
00:26:51: Liers ist auch vergeben, Förderbescheid da und ein ganz großes Plus muss man
00:26:57: sagen für die Ortsgemeinde ist,
00:27:00: Wir haben im Ort Saliers eine Tagespflege für Senioren gebaut,
00:27:04: für 16 Plätze. Die gab es vorher nicht.
00:27:07: Die haben wir, ich sage das jetzt ganz salopp, geschenkt bekommen.
00:27:12: Zwar über Spenden.
00:27:15: Und es gab Überlegungen, in der Verbandsgemeinde Adenau-Altenahr in dem Band irgendwo
00:27:20: eine Tagespflege zu bauen.
00:27:22: Die Zweckverband Sozialstation Adenau-Altenahr will die betreiben.
00:27:29: Die Verbandzimmer in der Adenau, die ja auch viel größer ist als Altenahr.
00:27:33: Hätte die natürlich gerne in ihrer Verbandzimmer in der Adenau.
00:27:37: Aber man sucht da ein Grundstück und wir hatten dann nach der Flut zufälligerweise ein Grundstück.
00:27:42: Und jetzt bekommt die Ortszimmer in der Hörningen im Ort Saliers halt auch eine
00:27:46: Tagespflege für Senioren. Das ist natürlich auch ein Pluspunkt.
00:27:50: Wir haben die Straßen wiederhergestellt. Es hakt natürlich in der Bürokratie,
00:27:57: aber es ist müßig, glaube ich, darüber jetzt, sage ich mal, zu philosophieren.
00:28:03: Es ist, wie es ist. Wir versuchen unser Bestes.
00:28:06: Und ich muss sagen, gerade jetzt auch da bezogen auf die Entscheider,
00:28:11: das ist ja der Gemeinderat, das ist schon ein tolles Team, der auch in der Flut
00:28:15: zusammengewachsen ist. Und wir haben ja 2024 dann Neuwahlen gehabt.
00:28:21: Viele sind immer noch im Gemeinderat. Ich habe viele junge Leute im Gemeinderat,
00:28:25: die wirklich alle mit anpacken.
00:28:27: Das ist ja keine Einzelleistung eines Bürgermeisters, sondern das kann man ja nur im Team schaffen.
00:28:33: Das hatten wir auch schon in anderen Podcasts folgendes Thema moderner,
00:28:37: resilienter Wiederaufbau.
00:28:39: Das ist ja ganz wichtig und auch ein Fokus des Wiederaufbaus,
00:28:42: dass man eben die Dinge wieder so aufbaut, dass sie hochwasserresilienter sind,
00:28:46: dass sie besser mit solchen Situationen umgehen können,
00:28:49: dass sie auch länger halten und langfristig den Menschen in den Orten Freude bringen können.
00:28:56: Können Sie kurz darauf eingehen, welche innovativen Ansätze im Wiederaufbau
00:29:01: hier, vor allem in Hönningen, mit eingesetzt wurden?
00:29:04: Die heißt zum Beispiel Gemeinde aus Lier. Es wird nicht mehr an der Stelle stehen, wo es stand.
00:29:09: Es wird einige Meter weiter in den
00:29:13: Ortskern verlegt und entsprechende Hochwasserlinie HQ100 etwas angehoben.
00:29:20: Also dass es eben, sag ich mal, nicht mehr im Hochwasser stehen würde,
00:29:25: wenn es denn nochmal ein Hochwasser geben würde. beziehungsweise eigentlich
00:29:29: muss man ja von der Flutkatastrophe sprechen, nicht von Hochwasser.
00:29:32: Hochwasser haben wir eigentlich immer.
00:29:35: Die Baumaßnahme, auch Tagespflege, die steht parallel zum Gemeindehaus,
00:29:40: sind so angelegt, dass zum Beispiel die Türen, die dann eben tatsächlich bis
00:29:45: nach unten gehen, die dann sind geschottet.
00:29:47: Also das heißt, die kann man schließen, dass da kein Wasser reinläuft.
00:29:52: Wir versuchen ja auch gerade, wir fangen jetzt an, mit dem Gewässer-Wiederherstellungskonzept.
00:29:58: Auch da wollen wir der Arm mehr Raum geben.
00:30:01: Und ein gutes Beispiel ist auch, ich muss hier eine Brücke neu bauen.
00:30:07: Das war eine alte Bogenbrücke, die ist zerstört. Also nicht die in Liers,
00:30:11: sondern hier in Hönningen. Das ist eigentlich so eine Brücke, die nur...
00:30:15: Den Fahrradweg mit der Straße verbindet, landwirtschaftlichen Verkehr zulässt,
00:30:21: da bin ich auch ganz stolz drauf.
00:30:24: Das wird ein Highlight im Ahrtal werden, weil die hat ein Starrarchitekt aus
00:30:30: Stuttgart-Berlin entworfen.
00:30:33: Die wird ohne Pfeiler gebaut. Das heißt, dass die A wirklich schließen kann.
00:30:39: Die Widerlager sind so hoch, dass im Endeffekt das HQ100 drunter herpasst.
00:30:46: Und sie kann nicht überflutet werden, aber sie ist so standfest geplant,
00:30:51: dass da nichts mehr passieren kann.
00:30:52: Zum Abschluss, Sie haben jetzt schon ganz viele gute innovative Ansätze erwähnt.
00:30:57: Können Sie daraus noch ein paar generellere Learnings ziehen?
00:31:02: Was können andere Kommunen mitnehmen? Was für Erfahrungen haben sie gemacht hier im Ahrtal?
00:31:07: Und wie können davon andere Kommunen profitieren und davon lernen?
00:31:12: Also ich glaube, das ist ganz wichtig. Vielleicht auch gerade nochmal zurück.
00:31:16: Wir haben nach diesem Flutereignis, nachdem dann, sag ich mal,
00:31:21: Das System wieder am Laufen war, uns auch Gedanken für die Zukunft gemacht.
00:31:25: Wir haben ein Dorfentwicklungskonzept erstellt für die Ortsgemeinde,
00:31:29: aber auch nicht alleine, also alleine für Hönningen, sondern wir haben uns mit
00:31:34: mehreren Orten zusammengeschlossen.
00:31:36: Ich glaube, das ist nochmal ganz wichtig, dass man so ein bisschen dieses Kirschturmdenken
00:31:40: weglässt, auch wenn man natürlich was für seinen Ort macht, aber nichtsdestotrotz
00:31:45: auch da ein Beispiel mit dem Sportplatz.
00:31:48: Es braucht nicht mehr jeder Ort einen eigenen Sportplatz. Natürlich wünscht
00:31:52: sich das jeder, aber das muss ja alles unterhalten werden und bezahlt werden.
00:31:57: Von daher muss man, glaube ich, da auch so dieses Gemeinschaftsgedanke über
00:32:03: Grenzen hinweg sich zusammenzuschließen.
00:32:06: Ich glaube, das ist eine gute Entscheidung, die man nach der Flut getroffen
00:32:11: hat, dass man ein bisschen mehr zusammenarbeitet.
00:32:15: Ich glaube, es ist wichtig, die Erfahrungen festzuhalten. Wir machen gerade
00:32:20: so eine Zusammenfassung, wie muss man sich im Katastrophenfall verhalten,
00:32:26: wo sind die Anlaufpunkte, wer sind die Ansprechpartner.
00:32:30: Dafür habe ich hier im Ort eine Stelle, da ist eine junge Dame drauf,
00:32:34: eine Quartiersmanagerin, die von der Diakonie finanziert wird.
00:32:38: Die habe ich noch bis zum Ende 2027. Auch da arbeite ich mit den Nachbarorten
00:32:44: zusammen, dass wir so ein gemeinsames Konzept erstellen.
00:32:47: Wie reagiert man in einem Katastrophenfall? Wo können die Leute sich direkt
00:32:52: hinwenden, wenn das Funknetz ausfällt, Mobilfunk ausfällt?
00:32:56: Wir haben in Leas schon so eine Art Flutcontainer angeschafft,
00:33:03: da sind Sandsäcke drin, da ist eine Sandfüllmaschine drin für die erste Reaktion,
00:33:10: damit man direkt reagieren kann und ich glaube man muss einfach diese Erfahrungen
00:33:16: auch wirklich zusammentragen, um das auch für die,
00:33:19: Auf der einen Seite für die Nachwelt festzuhalten, aber auch für mit anderen
00:33:25: zusammen daraus zu lernen, was können wir besser machen.
00:33:28: Das fängt beim Hochwasserschutz an, da sind wir auch gerade im Kontakt mit der
00:33:33: Stadt Rheinbach, die da gute Erfahrungen gemacht haben.
00:33:36: Das wollen wir auch bei uns umsetzen, für eine Straße zu schützen.
00:33:40: Wir wollen die Menschen einfach sensibler machen für solche Situationen.
00:33:47: Und man hat es an der einen oder anderen Stelle schon rausgehört,
00:33:50: Sie haben bestimmt auch eine persönliche Vision für Hönningen.
00:33:54: Das ist ja Ihr Heimatort, in dem Sie auch schon lange und stark verwurzelt sind.
00:34:00: Welche Vision begleitet Sie denn in Ihrer Arbeit hier in der Verbandsgemeinde Altenahr?
00:34:05: Ja, also es ist ganz wichtig, erstens das, was zerstört worden ist,
00:34:08: jetzt wirklich tatsächlich aufzubauen.
00:34:11: Meine persönliche Vision ist, dass wenn meine Amtszeit zu Ende ist,
00:34:15: das ist in drei Jahren, dreieinhalb Jahren, dann möchte ich gerne mit diesem
00:34:21: Gemeinderat alle Zerstörungen wieder aufgebaut haben.
00:34:26: Aber auch da komme ich zurück auf das Dorfentwicklungskonzept.
00:34:30: Wir haben auch im Dorfentwicklungskonzept Visionen entwickelt,
00:34:34: wo wir sagen, wir wollen uns ein bisschen touristisch einbringen.
00:34:38: Wir haben halt nicht so viel Gastronomie wie im Ahrtal weiter.
00:34:43: Aber auch da kann ich ein gutes Beispiel nennen. Die Orte Hönningen,
00:34:48: Abrück, Kesseligen und Lind haben sich zusammengetan.
00:34:51: Wir haben einen Preis gewonnen beim Spenden-Shuttle, 50.000 Euro.
00:34:55: Wir wollen einen gemeinsamen Wanderweg erschließen aus bestehenden Wanderwegen.
00:35:02: Das heißt, jeder Ort hat einen Wanderweg, der sich aber mit dem anderen Ort
00:35:07: verbindet, dass das wie so eine Wabe sich verbindet und dann auch mit Infotafeln
00:35:12: einfach diesen sanften Tourismus wollen wir voranbringen.
00:35:14: Das ist so eine ganz wichtige Sache.
00:35:18: Ja, wir wollen versuchen auch noch stärker das Dorfleben mit einzubeziehen,
00:35:25: also die Menschen mit einzubeziehen, auch bei Entscheidungen.
00:35:28: Das ist nicht immer einfach. Man bietet viele Workshops an, auch gerade beim
00:35:32: Dorfentwicklungskonzept. Da ist die Resonanz nicht immer so groß,
00:35:37: aber da darf man sich nicht von entmutigen lassen.
00:35:40: Da muss man immer wieder anbieten und ich glaube, wir haben hier schon eine
00:35:45: gute Grundlage geschaffen, dass wir für die Zukunft gerüstet sind.
00:35:50: Mit dieser zuversichtlichen und positiven Einstellung würde ich Sie zum Abschluss nur noch bitten,
00:35:55: das mache ich bei allen Gästen so, dass Sie einmal den Satz,
00:35:58: das wird, unseren Kampagnen-Slogan mit den ersten Worten oder Dingen beenden,
00:36:05: die Ihnen dazu einfallen.
00:36:07: Das wird alles wieder gut und ich glaube, das Ahrtal wird schöner,
00:36:14: besser und funktionaler wieder aufgebaut.
00:36:19: Danke Ihnen, Herr Schwarzmann.
00:36:21: Gerne.
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