Das wird verbinden.

Shownotes

Vom ersten Entwurf bis zum fertigen Bauwerk: Wie entstehen die neuen Brücken im Ahrtal, und was macht sie besonders? In dieser Folge nehmen wir Sie mit hinter die Kulissen des Wiederaufbaus in der Verbandsgemeinde Altenahr. Die Ingenieure Jens Heckenbach (PlannIng) und Clemens Wecke (Julius Berger International) erzählen, wie aus ersten Ideen ein eigenes Gestaltungshandbuch für die neuen Brücken im Ahrtal entstand – und wie es bereits das Bild der Orte in der Verbandsgemeinde Altenahr prägt. Wir sprechen über Mut zu Innovationen und Neuerungen in der Gestaltung der Brücken, über spannende Praxisbeispiele und die Abhängigkeit des Brückenbaus von anderen Maßnahmen des Wiederaufbaus.

Music by Vladimir Dergachev from Pixabay. Das Transkript zu dieser Episode wurde mit Hilfe von KI erstellt und kann Fehler enthalten.

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00:00:00: Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich habe heute Herrn Heckenbach von PlannIng

00:00:05: Plus zu Gast und Herrn Wecke von Jules Berger International.

00:00:09: Wir wollen gemeinsam einen tieferen Blick in das Brückenkonzept werfen und einmal

00:00:14: über die verschiedenen Brückenbauten im Ahrtal, vor allem in der Verbandsgemeinde Altenahr sprechen.

00:00:21: Zu Beginn bitte ich meine Gäste immer, sich einmal kurz vorzustellen.

00:00:25: Herr Heckenbach, starten Sie doch gerne.

00:00:27: Ja, mein Name ist Jens Heckenbach. Ich komme aus Bad Neuenahr-Ahrweiler.

00:00:31: Ich bin hier geboren, wohne hier mit Frau und zwei Kindern und bin geschäftsführender

00:00:37: Gesellschafter der Planning GmbH hier in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

00:00:41: Habe eine sehr lange Tradition in der tiefbautechnischen Infrastruktur hier

00:00:46: in dieser Stadt, weil ich einige Jahre bei der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler

00:00:50: gearbeitet habe. Ich bin seit sechs Jahren bei der Planning GmbH.

00:00:54: Wir sind am 1. April 2021 in unsere neuen Büros in der Ringener Straße eingezogen, wurden dann am 15.

00:01:03: Juli 2021 wieder ausgezogen, erlitten Totalschaden in der Nacht.

00:01:09: Aber wir haben eigentlich ab Stunde Null zunächst in der Blaulichtphase,

00:01:15: auch in der Thürer Runde, mitgeholfen, die Infrastruktur in diesem Tal wieder

00:01:20: auf Vordermann zu bringen.

00:01:22: Unser Schwerpunkt waren da die Behelfsbrücken, vornehmlich in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

00:01:27: Da haben wir die Behelfsbrücken wieder hergestellt.

00:01:30: Nach der Flut gab es ja nur die Piusbrücke als Brücke, die noch da war.

00:01:34: Aber das wurde auch honoriert, unser Engagement um die Behelfsbrücken beim Deutschen Ingenieurpreis.

00:01:40: Wir waren da unlängst in Berlin, 2024 war das.

00:01:46: Bei den ganzen Einreichungen wurden wir in die engere Wahl genommen.

00:01:50: Das heißt, wir gehören zur Top 7 der Beiträge.

00:01:54: Das war für die Mannschaft und für alle Helfenden ein sehr gutes Zeichen.

00:01:59: Seitdem sind wir im Wiederaufbau sehr stark vertreten.

00:02:04: Herr Wecke, stellen Sie sich doch gerne mal vor.

00:02:07: Ja, schönen guten Tag. Mein Name ist Clemens Wecke. Ich bin 51 Jahre alt,

00:02:13: von Beruf Bauingenieur.

00:02:16: Und ich war zum Zeitpunkt der Flut in meiner heilen Welt in Wiesbaden im Planungsbüro.

00:02:25: Ich war Teamleiter und habe da mit meinen Kollegen Brücken und sonstige Ingenieurbauwerke geplant.

00:02:32: Und es gab dann ein paar Wochen später einen Anruf,

00:02:37: einen Hilferuf hier aus dem Ahrtal von Kollegen von Julius Berger und da bin

00:02:42: ich dann einen Freitag mal nur so zum Schnuppern hier runtergefahren und nie

00:02:48: wieder zurückgekehrt nach Wiesbaden.

00:02:50: Ja, jetzt unterstütze ich die Verbandsgemeinde Altenahr beim Wiederaufbau der

00:02:57: Brücken und bin gleichzeitig auch der Ansprechpartner beim Thema hydraulische Berechnungen der Ahr.

00:03:06: Sie beschäftigen sich ja beide mit dem Thema Brücken. Das heißt,

00:03:09: Sie haben mit Sicherheit auch hier und dort schon zusammengearbeitet.

00:03:13: Erzählen Sie doch mal, wie Sie sich kennengelernt haben.

00:03:16: Ja, das ist eine ganz lustige Geschichte. Also als ich dann hier reingeschnuppert hatte im Ahrtal,

00:03:24: habe ich über soziale Medien, bin ich auf ein Buch aufmerksam geworden über

00:03:30: die Brücken von Bad Neuenahr.

00:03:32: So, das Buch wollte ich natürlich unbedingt haben, es war aber nicht so einfach

00:03:37: zu bekommen und ich habe aber nicht so schnell aufgegeben und habe mich dann

00:03:43: erkundigt und herausgefunden,

00:03:45: dass der Autor des Buches der Jens Heckenbach ist und dass er auch Bauingenieur ist,

00:03:52: auch Planer ist und da bin ich neugierig geworden.

00:03:57: Und habe dann relativ schnell seine Telefonnummer herausbekommen und habe dann

00:04:03: nachgefragt, ob wir uns kennenlernen wollen und ob ich ein Buch kaufen kann.

00:04:07: Ja, das Buch war deswegen so schwer zu bekommen, weil es eigentlich vorgesehen

00:04:12: war für die Landesgartenschau, die 2023 hier im Tal stattfinden sollte, neu aufzulegen.

00:04:19: Aber wir alle wissen, dass es weder zu dieser Landesgartenschau kam,

00:04:24: kam noch, dass die Brücken, die in dem Buch, es ging um die Brücken von Bad Neuner,

00:04:30: also Bad Neuner hatte bis zur Flut ein sehr schönes Brückenensemble aus der

00:04:35: Gründerzeit des Bades und die sind in diesem Buch beschrieben,

00:04:39: und deswegen gab es dieses Buch erstmal im Entwurf und wir haben es inzwischen

00:04:47: auf den Markt gebracht, auch mit der Geschichte der Behelfsbrücken,

00:04:52: damit, sage ich mal, die Brücken, wie sie früher waren, zumindest im Regal stehen

00:04:57: können. Das sind Erinnerungsstücke.

00:04:59: Sie gibt sie alle nicht mehr. Und,

00:05:03: Wer möchte, kann das Buch sich in die Hand nehmen und in Erinnerungen schwelgen.

00:05:09: Und als der Clemens angerufen hatte, habe ich gesagt, oh Hilfe.

00:05:14: Also nicht Hilfe, weil er angerufen hat, sondern Hilfe von außen.

00:05:17: Wir setzen uns natürlich zusammen und schauen, wie wir gemeinsam helfen können.

00:05:24: Und so ist das Ganze angerollt. Bevor wir tiefer ins Thema einsteigen,

00:05:28: starten wir doch noch mal mit einem persönlicheren Blick auf das heutige Thema.

00:05:33: In einem engen Flusstal wie an der Ahr spielen Brücken naturgemäß eine wichtige,

00:05:38: verbindende Rolle für Menschen.

00:05:40: Was bedeuten die Brücken an der Ahr für Sie und inwiefern hat die Flutkatastrophe

00:05:45: Ihren Blick auf das Thema vielleicht auch verändert?

00:05:48: Ja, erstmal war das Thema Brücken. Dafür muss ich ein bisschen von der Flutnacht erzählen.

00:05:54: Also ich war an dem Tag in Gelsenkirchen bei strahlendem Sonnenschein für einen

00:05:58: Kunden unterwegs und bin auf der Rückfahrt irgendwann auf der A61 gestrandet

00:06:04: und habe dann mit dem im Tal befindlichen Freunden über WhatsApp korrespondiert.

00:06:10: Und da hieß es dann, ja, bis zur Casinobrücke sind es noch zehn Zentimeter, etc.

00:06:18: Irgendwann in der Nacht bin ich dann nach Hause gekommen, habe dann auch meine

00:06:22: Familie aus dem Rettungswagen geholt, weil sie eben nicht mehr zu Hause sein

00:06:28: konnten und habe dann eben auch schnell gehört, es gibt keine Brücken mehr.

00:06:35: Naja, nach ein, zwei Tagen ist einem dann bewusst geworden, also ich selber

00:06:39: hatte das Vergnügen und die Ehre, drei Brücken in meiner Heimatstadt damals

00:06:42: zu planen und auch den Bau zu begleiten.

00:06:45: Und eigentlich wollte ich meinen Enkeln davon erzählen. Hier,

00:06:48: guck mal, der Opa hat gemacht.

00:06:50: Aber de facto ist alles auf Null gesetzt.

00:06:53: Und da Brücken meine Passion sind, ich bin konstruktiver Bauingenieur,

00:07:00: habe ich mir vorgenommen, der Wiederaufbau muss vonstatten gehen.

00:07:05: Und hoffentlich darf ich auch sehr viel dabei mithelfen.

00:07:09: Als ich das erste Mal in das Ahrtal kam,

00:07:13: War schon alles zerstört, also waren schon viele Brücken nicht mehr da.

00:07:19: Meine erste Erinnerung da auch noch an die Brücken war, dass es viele kleine

00:07:28: Bogenbrücken gab, die noch standen, teilweise aber stark beschädigt waren.

00:07:34: Und diese Brücken waren aus Naturstein, die hatten kleine Bögen,

00:07:39: gemauerte Brüstungen statt einem Brückengeländer.

00:07:43: Und zusammen mit den Felsen im Ahrtal hat das auf mich eine malerische,

00:07:52: fast sogar märchenhafte Wirkung gehabt.

00:07:56: Insgesamt hat das aber mein Bild auf die Brücken jetzt nicht irgendwie zerstört oder neu geordnet,

00:08:04: sondern es hat eher mein Bild gefestigt.

00:08:12: Und Brücken sind zum einen reine Zweckbauten, die dazu dienen,

00:08:17: dass man einfach von der einen Seite auf die andere kommt.

00:08:21: Und wir können als Bauingenieure die Brücken einfach so in die Landschaft reinbetonieren.

00:08:27: Dann sehen sie oft nicht schön aus. Wir haben aber die Chance,

00:08:31: durch viele kleine und leichte Maßnahmen an der Gestaltung da ein wirklich ansehendes

00:08:40: und ansprechendes Bauwerk zu gestalten, auf das wir dann auch ein Stück weit stolz sein können.

00:08:46: Nun lassen Sie uns einmal einen tieferen Blick ins Gestaltungshandbuch werfen,

00:08:51: beziehungsweise in die Entstehungsgeschichte.

00:08:53: Für den Wiederaufbau der zahlreichen zerstörten Brücken hat die Verbandsgemeinde Altena,

00:08:57: wie schon erwähnt, gemeinsam mit mehreren Partnern ein übergeordnetes Gestaltungskonzept

00:09:02: für die Brückenbauwerke im Ahrtal entwickelt und es 2023 in Form eines Handbuchs veröffentlicht.

00:09:08: Was ist denn Sinn und Zweck dieses Handbuchs, Herr Wecke?

00:09:14: Also es gab bereits wenige Wochen nach der Flut von den öffentlichen Stellen

00:09:19: den Wunsch, dass man eine einheitliche Strategie für den Wiederaufbau der Brücken

00:09:24: entwickelt und dann auch verfolgt.

00:09:27: Ein weiteres wichtiges Ziel war, dem Ahrtal durch die neu zu errichtenden Brücken

00:09:36: ein Stück der Identität zurückzugeben.

00:09:39: Diese Identität war ja durch die zerstörten Bogenbrücken verloren gegangen.

00:09:47: Ein weiterer Gesichtspunkt sind natürlich die technischen Anforderungen,

00:09:52: wie der Durchflussquerschnitt, der Strömungswiderstand, aber auch die Genehmigungsfähigkeit einer Brücke.

00:10:00: Und diese Themen sind während der Erarbeitung des Handburgers nie aus den Augen

00:10:07: verloren worden und sind da auch mit eingeflossen.

00:10:11: Was auch wichtig ist in diesen Workshops, die Erkenntnis, die wir ja erfahren

00:10:17: mussten, wie wichtig Brücken sind.

00:10:19: Also hier in der Stadt zum Beispiel,

00:10:22: also ich sage immer die Stadt, weil mein Wirkungskreis nach der Flut war ja

00:10:29: recht klein, nämlich mein Claim um mein Haus und meine Stadt.

00:10:34: Aber wir hatten von den insgesamt 19 Brücken dieser Stadt noch eine einzige übrig.

00:10:40: Und Freunde, die ja früher drei Minuten weg wohnten, waren auf einmal eineinhalb,

00:10:47: zwei Stunden weg und relativ weite Umwege.

00:10:51: Gleichzeitig muss ja auch das öffentliche Leben funktionieren.

00:10:54: Ich selber bin Feuerwehrmann und wir mussten, um die Brandsicherheit sicherzustellen,

00:11:00: ein provisorisches Feuerwehrhaus auf der Südseite der Ahr einnehmen,

00:11:04: weil alle Feuerwehrhäuser auf der Nordseite sind, damit wir überhaupt sicherstellen können.

00:11:10: Insofern ist der Wert der Brücke ganz neu bewertet worden.

00:11:17: Und...

00:11:18: Es war klar die Erkenntnis da auch in diesem Workshop schon,

00:11:21: die neuen Brücken müssen in der Lage sein, so etwas auszuhalten, was wir ertragen haben.

00:11:27: Das heißt, sie müssen deutlich mehr Querkräfte abkönnen, sie müssen entsprechend

00:11:32: tief gegründet sein, damit Kolksicherheit da ist.

00:11:36: Und sie müssen eben dieses Haku-Extrem, wie wir Techniker sagen, eben auch aushalten.

00:11:44: Das heißt, sie müssen vom Wasser überströmt werden können, ohne zusammenzubrechen,

00:11:49: sodass man sie hinterher im besten Fall einfach sauber macht und man fährt mit

00:11:52: dem Auto wieder drüber oder mit dem LKW oder was auch immer.

00:11:55: Das ist auch ein sehr wichtiger Punkt, der in diesen Workshops und somit auch

00:11:59: in dem Gestaltungshandbuch schon verankert wurde.

00:12:02: Sie sprechen von Workshops. Erzählen Sie doch mal, wie ist denn dieses Gestaltungshandbuch

00:12:08: entstanden und wer war daran beteiligt? Herr Wecke.

00:12:12: Also von Anfang an waren alle Bauherren beteiligt, die Brücken im Ahrtal wieder neu aufzubauen hatten.

00:12:21: Das war natürlich ganz vorneweg der Landesbedieb-Mobilität von Rheinland-Pfalz,

00:12:26: die Deutsche Bahn, die Städte Bad Neunah und Sinzig und natürlich die betroffenen Gemeinden.

00:12:35: Die Schirmherrschaft von dem Gremium hatte damals die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion

00:12:43: des Landes Rheinland-Pfalz.

00:12:45: Wer auch noch mit dabei war, war die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nordrheinland.

00:12:53: Und ja, nicht unerwähnt lassen möchte ich die Rolle der Hochschule Koblenz.

00:13:01: Sie haben mit ihrem Kompetenznetzwerk Wissenschaft für den Wiederaufbau zu zwei

00:13:10: Workshops eingeladen und ich habe da sehr gute Erinnerungen an diese Veranstaltung.

00:13:15: Wir haben da uns ausgetauscht.

00:13:19: Ich habe da wichtige Impulse für mich mitgenommen und nicht zuletzt konnte ich

00:13:24: mich da mit den ganzen Akteuren beim Wiederaufbau vernetzen.

00:13:30: Ja, wie lief die konkrete Umsetzung der Ideen ab?

00:13:34: Also sehr früh hat der Landesbetrieb Mobilität da die Führung des Gremiums übernommen

00:13:39: und hat schnell Klarheit geschaffen über die finanzielle und die vertragliche Abwicklung.

00:13:48: Und die Sitzung, die wir dann hatten, die waren immer sehr spannend.

00:13:52: Und also wir hatten ja als Verbandsgemeinde Altenahrt zwölf Ortsgemeinden zu

00:13:58: vertreten, die alle sehr eigenständig waren und die auch eine eigene Identität hatten.

00:14:06: Und so wollten die auch vertreten werden nach außen. Also mussten wir mit dem

00:14:11: Handbuch den Spagat hinbekommen, zum einen die eigenständige Identität der Ortsgemeinden hinzukriegen.

00:14:21: Und zum anderen aber auch irgendwo eine übergreifende Identität des A-Teils zu schaffen.

00:14:29: Das war nicht immer einfach. Es ging immer sehr heiß her in den Sitzungen und

00:14:35: wir hatten oft am Ende eines Termins mehr Probleme als am Anfang des Termins.

00:14:43: Trotz allem bin ich der festen Überzeugung, dass wir ein gutes und sehr praxisnahes

00:14:50: Handbuch da erarbeitet und geschaffen haben.

00:14:54: Zum Abschluss noch eine Frage an Sie, Herr Wecke. Gab es für das Gestaltungshandbuch

00:14:59: irgendwelche Quellen oder Inhalte, die Sie herangezogen haben?

00:15:03: Oder vielleicht auch Vorbilder in Form von ähnlichen Konzepten,

00:15:07: die Sie als Blaupause oder Vorlage nutzen konnten?

00:15:11: Niemand in dem Gremigung hatte eine Blaupause für das Handbuch in der Schublade.

00:15:19: Erfahrungen gab es ein bisschen bei der Strukturend Genehmigungsdirektion Nord.

00:15:24: Die hatten einen Leitfaden entwickelt für das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

00:15:32: Es war aber so, dass dieser Leitfaden inhaltlich und auch von der Aufgabenstellung

00:15:37: her überhaupt nicht gepasst hatte und konnte auch nicht so als Vorlage verwendet werden.

00:15:43: Also Fazit, es war wirklich so, dass zum einen die öffentlichen Stellen in dem

00:15:49: Gremium als auch dann die Büros, die das Handbuch entwickelt haben,

00:15:55: sprichwörtlich vor einem leeren Blatt Papier gesessen haben.

00:16:01: Herr Heckenbach, lassen Sie uns einmal auf den Inhalt schauen.

00:16:04: Was sind denn die wichtigsten Gestaltungsprinzipien, die das Handbuch vermittelt?

00:16:07: Sie hatten ja eben schon so ein paar angeschnitten. Gibt es da weitere?

00:16:11: Ja, also eine Brücke ist ja erst einmal eine Überquerung eines Hindernisses

00:16:16: und muss mich von der einen Seite auf die andere bringen.

00:16:21: Gleichzeitig muss sie aber auch die Lasten aufnehmen, die quasi durch das Hindernis,

00:16:27: also das ist die A in dem Fall oder das ist auch irgendein Bach in dem Fall

00:16:31: und da sind schon sehr gute Grundlagen.

00:16:38: Also ich habe das Handbuch immer als Inspirationsquelle gesehen,

00:16:43: die uns Planern eben, sage ich mal, schon auf den richtigen Trichter,

00:16:48: also grundlegende Dinge vorwegnehmen, also Pfeilerformen zum Beispiel, Formen des Überbaus.

00:16:54: Da kann man normalerweise im Planungsprozess immer sehr lange drüber diskutieren.

00:16:59: Hier wurden diese Spielregeln vorgegeben, weil ich eben ein Bauwerk konstruieren

00:17:04: muss, was einer Querkraft aus Wasser eben deutlich standhalten muss. Es muss Resilienz sein.

00:17:11: Ich habe gerade eben Tiefgründung gesagt. Das heißt.

00:17:16: Ich muss sicherstellen, dass das Gewässer die Brücke nicht auskolkt und damit

00:17:22: das Bauwerk in sich zusammengreift.

00:17:25: Das heißt, ich brauche tief gegründete Fundamente, Widerlager und Stützen.

00:17:30: Ich brauche strömungsgünstige Aufbauten.

00:17:35: Wir haben eine Vorgabe aus dem Handbuch zum Beispiel in Dernau weiterentwickelt.

00:17:42: Wir haben einen sehr strömungsgünstigen Pfeiler entwickelt daraus.

00:17:46: Das hatte sich ergeben, weil ich habe bei mir im Büro Leute vom DLRG beschäftigt.

00:17:51: Die haben dann gesagt, lass es uns doch wie eine Bootsform machen.

00:17:55: Das ist auch sehr gelungen, wie ich finde, in Dernau geworden.

00:17:58: Der Polier war natürlich am Anfang sehr herausgefordert, weil der Betonbau muss

00:18:04: ja letztendlich auch hergestellt sein.

00:18:07: Aber das Gesamtwerk, strömungsgünstige Bauteile, aber auch gleichzeitig Gestaltungsmerkmale

00:18:15: wie Grauwacke, da wo es geht oder auch klappbare Geländer etc.

00:18:20: Das war schon im Gestaltungshandbuch vorgegeben und aus diesen Bausteinen haben

00:18:26: wir dann für die Brücken, die wir begleiten,

00:18:29: individuell die Brücke zusammengestellt, damit sie die Aufgabe an dem Punkt,

00:18:35: wo sie gerade steht, auch wahrnehmen kann.

00:18:39: Wer ist denn die Zielgruppe für dieses Handbuch und welchen Charakter hat das Handbuch?

00:18:43: Also soll es mehr eine verbindliche Bauanleitung sein oder eher als Inspirationsquelle gesehen werden?

00:18:52: Ja, also ich sehe es Deutsch als Inspirationsquelle. Also jede Brücke ist ja ein Unikat.

00:18:58: Also ich fände es auch schade, wenn jede Brücke gleich aussieht.

00:19:02: Sage ich mal von Kripp bis Dorsal 70 Mal dieselbe Brücke wäre auch ein Stück weit langweilig.

00:19:08: Aber es ist gut, wenn die Brücken sich ein Stück weit ähnlich sehen.

00:19:13: Also das Gestaltungshandbuch gibt ja ein CI, also Corporate Identity heißt es

00:19:18: ja, vor, eine Klammer vor, in der wir uns bewegen.

00:19:22: Adressat sind natürlich die Planer, aber es können auch die vorgesetzten Behörden sein,

00:19:28: die eben auch erkennen, warum gewisse Dinge so jetzt gestaltet sind oder ausgeführt

00:19:34: sind, weil es eben in diesem allseits akzeptierten Handbuch auch drin ist.

00:19:41: Herr Wecke, wollen Sie was ergänzen?

00:19:43: Ergänzen? Nichts. Also für mich ist es auch ganz klar eine Inspirationsquelle,

00:19:48: So wie der Jens das auch sagt, das war auch nie das Ziel gewesen,

00:19:53: denn wenn wir zu stark regulieren würden durch das Handbuch,

00:19:58: ist es so, dass wir da einfach gleichartige Brücken kriegen würden,

00:20:02: langweilige Brücken kriegen würden und ja, da fehlt dann so ein bisschen das Individuelle.

00:20:08: Herr Wecke, dann noch eine Frage an Sie. Das Handbuch hat ja einen ausdrücklichen Lokalbezug.

00:20:12: Inwiefern spiegelt sich dieser Bezug beziehungsweise die spezifischen Gegebenheiten

00:20:17: im Ahrtal in den Gestaltungsprinzipien wider?

00:20:21: Beim Wiederaufbau der Brücken waren ja viele öffentliche Stellen beteiligt.

00:20:27: Zum einen die Bauherren der Bahn, Straßen, aber auch die Kommunen mit den Rad- und Fußgängerbrücken.

00:20:36: Zum anderen gab es aber auch öffentliche Stellen, die dann zum Beispiel für

00:20:40: die Erteilung der Baugenehmigung verantwortlich sind und es gibt öffentliche Stellen,

00:20:47: die für die Kontrolle der Verwendung der Gelder zuständig sind.

00:20:52: Es gibt also viele unterschiedliche Ziele, die da von den unterschiedlichen

00:20:58: Stellen verfolgt werden.

00:21:00: Bei der Erstellung des Handbuches ist es uns gelungen, diese ganz unterschiedlichen

00:21:07: Interessen unter einen Hut zu bekommen.

00:21:09: Und das auch, ohne dass es dabei Verlierer gab.

00:21:13: Wir zeigen mit dem Handbuch ganz klar nach außen, dass es beim Wiederaufbau

00:21:20: der Brücken eine übergeordnete Strategie gegeben hat.

00:21:25: Dann, Herr Heckenbach, lassen Sie uns doch einmal auf ein paar Praxisbeispiele schauen.

00:21:30: In derna wurde 2025 die neue Weinbaubrücke eingeweiht, deren Neubau Sie ja betreut haben.

00:21:36: Dabei kamen ja unter anderem auch die Gestaltungsprinzipien aus dem Handbuch

00:21:41: in der Praxis zum Einsatz.

00:21:43: Nun nehmen Sie uns doch einmal mit, wie sind Sie dabei vorgegangen,

00:21:46: wie kam das Handbuch in der Praxis zur Anwendung?

00:21:50: Ja, in Dernau, genau, da sind wir ein bisschen auch stolz drauf,

00:21:54: vorweg gesagt, dass es die erste Brücke ist, die wir im Ahrtal überhaupt wieder öffnen konnten.

00:22:00: Aber es gab ja auch Gründe, warum wir da so schnell waren oder auch Zwangspunkte.

00:22:07: Also die Aufgabe da in Dernau war nicht trivial. Wir haben auf der einen Seite

00:22:10: den Ahrweg als Erschließungsachse, die Häuser auch direkt dran,

00:22:15: also ist die Höhenlage sehr klar definiert gewesen.

00:22:19: Auf der anderen Seite endet die Brücke im Bahnübergang.

00:22:22: Die Bahn hat auch einen gewissen Zeitplan an den Tag gelegt,

00:22:26: wo wir auch alle sehr dankbar für sind und letztendlich hat sie auch als Katalysator

00:22:31: dafür gesorgt, dass es mit dem Brückenbau an der Stelle auch so schnell ging.

00:22:35: Gleichzeitig hat sie auch da den Zwangspunkt festgelegt, wo die Brücke endet.

00:22:41: Ergo war die Definition des Bauwerks dazwischen relativ schnell klar.

00:22:47: Und wir mussten uns nur in Anführungszeichen mit dem Thema Hydraulik beschäftigen.

00:22:52: Das heißt, wie kriegen wir das Wasser durch die Brücke oder über die Brücke?

00:22:56: Und haben uns dann eben aus dem Baukasten des Handbuches, das hatte ich auch

00:23:02: gerade eben schon gesagt, an der Pfeilerform orientiert.

00:23:06: Wir haben einen strömungsgünstigen Pfeiler etabliert. Wir haben die Widerlager

00:23:10: mit Grauwacke verkleidet, um eben das Gestaltungshandbuch, das Ahrtal hier abbilden zu können.

00:23:17: Gerade auch am alten Weinbau, sage ich mal, muss Grauwacke her.

00:23:23: Die Stützwand links und rechts ist auch aus Grauwacke. Dann haben wir einen

00:23:27: strömungsgünstigen Überbau.

00:23:29: Wir haben eine tief gegründete Konstruktion, um eben die Querkräfte aufnehmen

00:23:34: zu können. Wir haben ein klappbares Geländer.

00:23:36: Wir haben einen strömungsgünstigen Überbau.

00:23:39: Wir haben eine integrale Konstruktion.

00:23:42: Das Wort werden wir vielleicht nachher nochmal hören.

00:23:47: Das heißt, ich habe eine in sich fest eingespannte Brückenkonstruktion,

00:23:52: die eben den Querkräften standhalten kann im Flutfall.

00:23:58: Querkräfte sind in dem Fall die Flutmassen oder die Wassermassen,

00:24:02: die auf einen zukommen können, sollte es zu hoch Wasser kommen.

00:24:05: Richtig, genau, weil wir können ja die Grundgeometrie des Ahrtals nicht ändern.

00:24:11: Also jeder Dernauer weiß, wenn sowas nochmal kommt, ist mein Haus unter Wasser.

00:24:16: Ergo auch die Bundesstraße, die Bahnstrecke und somit auch die Brücke.

00:24:19: Aber ich glaube, wir alle haben gewonnen.

00:24:23: Ich will das alles nicht nochmal erleben müssen. Also nicht falsch verstehen.

00:24:26: Aber wenn sowas nochmal kommt und die Brücke übersteht das Ganze,

00:24:31: ist das für die Einwohner auch ein Pluspunkt.

00:24:35: Und das galt es ja eben auch zu erreichen. Und deswegen haben wir da sehr viele

00:24:41: Bausteine aus dem Handbuch nehmen können und haben, hoffentlich sehen andere

00:24:45: das auch so, einen sehr guten Entwurf hinbekommen für die erste wieder aufgebaute Brücke im Ahrtal.

00:24:50: Gibt es denn noch weitere Praxisbeispiele, über die Sie berichten können?

00:24:55: Ja, natürlich. Wir haben unlängst den Auftrag bekommen, die Nippoburg-Brücke in Recht zu planen.

00:25:02: Das ist sicherlich eine der bekanntesten

00:25:04: Brücken im Ahrtal, auch wegen dem Schicksal der alten Brücke davor.

00:25:09: Hier gab es einen Wettbewerb zur Vergabe der Ingenieurleistungen.

00:25:15: Da haben wir unsere beiden Beiträge auch sehr stark an dem Gestaltungshandbuch

00:25:20: orientiert und haben von den eingereichten Wettbewerben Beiträgen die ersten

00:25:26: beiden Plätze abgeräumt.

00:25:28: Da sind wir auch sehr stolz drauf und dürfen jetzt die Brücke planen.

00:25:32: Außerhalb der VG haben wir natürlich noch weitere Ahrbrücken.

00:25:36: Wir sind an der Ahrmündungsbrücke beteiligt. Wir durften für SINZIG diverse

00:25:41: Machbarkeitsstudien machen.

00:25:43: Überall da haben wir natürlich das Gestaltungshandbuch mit in die Grundlagen

00:25:48: genommen und somit unsere Entwürfe daran orientiert.

00:25:55: Das Handbuch hat also schon an einigen Stellen in der Praxis Ausdruck gefunden.

00:26:00: Welche Rückmeldung haben Sie denn bisher erhalten? Gab es Feedback von Bürgerinnen

00:26:04: oder Planern, Fachleuten? Herr Wecke, vielleicht wollen Sie mal beginnen.

00:26:07: Also zuerst nochmal zur Weinbaubrücke.

00:26:11: Jens, also ich kann das bestätigen, das war wirklich die schnellste Brücke im

00:26:16: Wiederaufbau und auch auf alle Fälle eine der schönsten und am besten gelungenen.

00:26:24: Ich ertappe mich auch das eine oder andere Mal in der Besprechung,

00:26:27: dass ich dann auch mal sage, lasst uns das doch so machen wie bei der Weinbaubrücke

00:26:32: oder lasst uns doch mal gucken, wie das dort gemacht wurde.

00:26:35: Also wirklich sehr gut gelungen.

00:26:38: Ja, allgemein zum Gestaltungshandbuch nochmal.

00:26:41: Ich hatte damals dann die Möglichkeit, in der Ratssitzung allen Bürgermeistern

00:26:48: dieses Gestaltungshandbuch vorzustellen.

00:26:52: Und ich habe da in Erinnerung, dass ich da ein sehr positives Feedback bekommen

00:26:57: habe von den Bürgermeistern.

00:27:00: Ja, dann haben wir beschlossen, dass wir das einsetzen und unterdessen habe

00:27:06: ich viele Brückenentwürfe betreut, bei denen allen das Handbuch zum Einsatz gekommen ist.

00:27:16: Und ich habe aber auch noch nie einmal von einem Planer, der das dann angewendet

00:27:21: hat, irgendeine Kritik gekriegt, dass das irgendwie sperrig ist oder nicht so

00:27:26: richtig funktioniert. Das lief immer alles wie Butter.

00:27:29: Und am Ende gab es dann auch immer Lob von den Gemeinderatsmitgliedern,

00:27:35: die dann über diese Brückenentwürfe entscheiden mussten.

00:27:37: Die fanden die immer alle sehr gut und hatten das eine oder andere Mal dann

00:27:42: sogar die Schwierigkeit, dass sie sich dann, weil alle Entwürfe so gut waren,

00:27:46: gar nicht richtig entscheiden konnten, was denn jetzt der Vorzugsentwurf sein sollte.

00:27:51: Können Sie aus der Entstehungsgeschichte des Gestaltungshandbuchs irgendwelche

00:27:57: Learnings mitnehmen, also Tipps oder Empfehlungen für andere Kommunen,

00:28:01: Orte, die über so einen ähnlichen Leitfaden nachdenken?

00:28:05: Klares Ja. Also es ist immer gut und wichtig, wenn man sich,

00:28:12: bevor man ein Problem löst, über Grundsätzlichkeiten austauscht und auch Grundsätzlichkeiten festlegt.

00:28:19: Das erleichtert viele Prozesse. Also wir nennen das Bedarfsplanung.

00:28:24: Also jeder Ingenieur hat auch technische Begriffe für gewisse Dinge. Aber, ähm,

00:28:32: Wenn man gewisse Grundsätze festgelegt hat, beschleunigt das auch Prozesse später.

00:28:37: Also ich will damit sagen, man kann tagelang über Pfeilerformen oder Gestaltungen diskutieren.

00:28:45: Allen voran über Geländer kann man wochenlang, monatelang diskutieren.

00:28:49: Wenn man da aber einen Rahmen vorgegeben hat, bei uns soll das Geländer so aussehen

00:28:56: und das eben als Grundsatz vorgibt, dann geht ein Prozess auch schneller.

00:29:03: Wenn man sagt, ich will grundsätzlich ein tief gegründetes Bauwerk haben mit

00:29:07: einem strömungsgünstigen Flusspfeiler, kann auch sowas schneller gehen,

00:29:12: weil es gibt immer viele Möglichkeiten.

00:29:16: Ich sage immer, es führen immer viele Wege nach Rom. Wenn man aber weiß,

00:29:20: welchen Weg man nimmt, kann man den auch sehr schnell nehmen.

00:29:24: Herr Weg, können Sie noch etwas ergänzen?

00:29:26: Ich kann nur allen Kommunen empfehlen, dass sie bei einer vergleichbaren Aufgabenstellung

00:29:33: genauso vorgehen, wie es hier passiert ist.

00:29:37: Der zeitliche Aufwand und die Kosten, die man benötigt für so ein Handbuch,

00:29:43: die holt man später bei der Planung ganz sicher wieder rein.

00:29:48: Der Planer, der das Handbuch durchliest, ist sofort im Thema drin,

00:29:52: hat sich da sehr gut eingearbeitet und das ist leichter dann für alle Planungsbesprechungen

00:30:00: und für den ganzen Ablauf.

00:30:02: Bevor wir jetzt zum Abschluss kommen, noch eine Frage, die vermutlich vielen

00:30:06: Bürgerinnen und Bürgern der Verbandsgemeinde auf der Seele brennt bzw. interessiert.

00:30:12: Wir haben festgestellt, es gibt ein Handbuch, das wurde auch schon in der Praxis

00:30:16: angewandt und der Wiederaufbau, das wissen wir ja auch alle,

00:30:19: läuft ja bereits seit einiger Zeit.

00:30:21: Warum sind denn noch nicht alle Brücken wieder aufgebaut? Der Weg dazu scheint

00:30:26: ja schon oder bereits geebnet zu sein.

00:30:30: Ja, das hängt sicherlich damit zusammen, dass man das Hindernis,

00:30:35: also sage ich mal Brücken, wir reden hier über Brücken, über die Ahr,

00:30:40: die Ahr ist das Hindernis in dem Fall,

00:30:43: aber die Ahr selbst wird ja auch planerisch neu gedacht, wird umgestaltet an vielen Stellen etc.

00:30:50: Und solange da gewisse Rahmenbedingungen nicht fest sind, also wo liegt die

00:30:55: Ahr, wie breit ist sie an der Stelle, wo die Brücke ist, wie verhält sich dadurch

00:30:59: die Hydraulik, dadurch ist auch nicht klar, wie die Brücke auszusehen hat.

00:31:06: Und gleichzeitig kann es ja auch sein, dass sie an Ort und Stelle vielleicht

00:31:11: nicht, sage ich mal, wieder aufgebaut werden soll, sondern aus zwei Brücken

00:31:16: machen wir eine und so weiter.

00:31:19: All das greift ja sehr tief auch in Infrastruktur ein, vielleicht auch noch

00:31:26: kombiniert mit anderen Gewerken. Da liegt eine Abwasserleitung,

00:31:31: da liegt eine Wasserleitung etc.

00:31:33: Wie sieht das neue Konzept für diesen Wiederaufbau vor? Und das muss ja alles

00:31:39: auf einen Hut gebracht werden.

00:31:41: Und das kann das ein oder andere Projekt schon auf die lange Bank schieben,

00:31:47: ist vielleicht ein unschönes Wort, aber durchaus in die Länge ziehen.

00:31:51: Es verzögert sich einfach.

00:31:52: Es verzögert sich, weil einfach viel mehr mitgedacht werden muss,

00:31:56: als nur eine Brücke zu planen.

00:31:57: Ich darf da noch ergänzen, wir haben ja die Brücken, die wir eins zu eins aufbauen

00:32:03: konnten, ja eigentlich schon fast alle fertiggebracht, beziehungsweise die Brücken

00:32:08: sind jetzt im Bau, in der Umsetzung.

00:32:13: Herausfordernd sind die Brücken, die da an einem anderen Standort wieder aufzubauen sind.

00:32:19: Das Ahrtal hat ja sehr viele Naturschutzgebiete, das ist auch sehr gut.

00:32:26: Und da können wir ja nicht einfach als Bauingenieure einfach so mit den Baggern da drin wüten.

00:32:32: Also da sind viele Regeln zu beachten, viele Genehmigungen einzuholen.

00:32:37: Spannend wird es dann auch immer, wenn wir Brücken zusammenlegen wollen.

00:32:43: Damit meine ich, dass wir nicht alle kleinen Brücken eins zu eins wieder aufbauen,

00:32:49: sondern dass wir vielleicht anstatt der vielen kleinen eine große Brücke aufbauen.

00:32:54: Und was da natürlich auch wieder zu beachten ist und was nicht immer so einfach

00:32:59: ist, dass ja dann der ein oder andere Nutzer dann vielleicht ein bisschen einen

00:33:03: weiteren Weg in Kauf nehmen muss um die Brücke zu überqueren.

00:33:08: Und am Ende müssen wir natürlich auch beachten, dass es durch den Neubau einer

00:33:14: Brücke keinen Nachteil für die Anwohner gibt.

00:33:18: Also damit meine ich, dass jetzt durch den Rückstau bei Hochwasser nicht irgendwo

00:33:26: bei jemandem da das Wasser dann in den Keller läuft.

00:33:29: Ich fasse nochmal zusammen, beziehungsweise ich nehme nochmal für mich mit,

00:33:33: nicht alle Brücken können direkt wieder aufgebaut werden, sondern sind eben

00:33:36: von vielen anderen Dingen abhängig, zum Beispiel wo Abwasser langläuft,

00:33:41: wo Stromkabel langläuft, wo die Straße gebaut wird.

00:33:44: Das heißt, vielerorts ist es einfach so, dass erstmal andere Dinge fertiggestellt

00:33:48: werden müssen, bevor mit dem Brückenbau als verbindendes Glied angefangen werden kann.

00:33:55: Bevor ich meine letzte Aufgabe an Sie übergebe, lassen Sie es einmal ganz kurz in die Zukunft blicken.

00:34:02: Angenommen, wir treffen uns in drei Jahren wieder. Was zeichnet denn die Brücken

00:34:04: im Ahrtal dann so charakteristisch aus?

00:34:08: Was wird uns auffallen? Was nehmen wir mit?

00:34:12: Ja, ich glaube, wir werden viele moderne Brücken sehen, die aber auch alle einen

00:34:16: ganz klaren Bezug zum Ahrtal haben werden.

00:34:19: Also das stellt das Handbuch sicher, dass eben Gestaltungselemente ganz klar

00:34:25: den Bezug zu unserer Landschaft, zu unserer Heimat herstellen.

00:34:29: Die Moderne müssen die Brücken einfach erfüllen, weil die Aufgaben entsprechend sind.

00:34:35: Wir haben gerade eben über Querkraft gesprochen etc. Aus Sicht des Ingenieurs

00:34:39: werden wir sehr viele integrale Brücken sehen.

00:34:42: Das heißt, für den Nicht-Ingenieur, früher waren die Brücken meistens ein Träger,

00:34:48: der lose auf Widerlagern lag und der dann eben auch entsprechend empfindlich

00:34:53: ist für Wasser, was über die Brücke strömt.

00:34:56: Und zukünftig werden es halt integrale Rahmen sein, also fest verbundene Überbauten

00:35:03: mit den Unterbauten, die auch tief gegründet sind, damit wir unsere Brücken

00:35:07: auch im Katastrophenfall nutzen können.

00:35:10: Wir werden in Zukunft Brücken sehen, die von ihrer Gestaltung einzigartig sind,

00:35:16: aber dann doch bei genauerem Hinsehen eine einheitliche Formsparrahmen.

00:35:22: Wir werden nachhaltige Brücken und umweltbewusste Brücken stehen sehen und wir

00:35:30: werden gute Beispiele haben für einen maßvollen Umgang mit den eingesetzten Steuergeldern.

00:35:38: Und vor allem werden wir Brücken sehen, die natürlich resilient sind,

00:35:42: das heißt besser mit Hochwasser oder Fluten umgehen können.

00:35:47: Herr Wecke, zum Abschluss ergänzen Sie doch gerne den Satz Das wird mit den

00:35:52: ersten Dingen, die Ihnen einfallen, in den Kopf kommen.

00:35:56: Das wird eine Modellregion für Brücken im Ahrtal, aber auch für Deutschland

00:36:01: und für jeden, den es interessiert.

00:36:04: Herr Heckenbach.

00:36:06: Das wird alles viel lebenswerter als vorher.

00:36:09: Das klingt sehr schön. Dann danke ich Ihnen, dass Sie heute mit dabei waren

00:36:13: und viel Erfolg weiterhin.

00:36:15: Sehr gerne.

00:36:17: Dankeschön.

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