Das wird nachhaltig warm.
Shownotes
Nach der Flut 2021 stand fest: Wiederaufbau bedeutet mehr als Sanierung. Die Straßen sowie Wasser- und Stromleitungen sollten neu gedacht werden – und auch die Wärmeversorgung zukunftssicher aufgestellt werden. In der Podcast-Folge mit Niki Kozisek, Vorstandsmitglied von Zukunft Mittelahr AöR (Projekt „Kalte Nahwärme“ in Rech) und Dr. Gerd Wolter, Mitgründer der Energie Dernau GmbH (Projekt „Warme Nahwärme“ in Dernau und Mayschoß) sprechen wir über den Ausbau von Nahwärmenetzen in der Verbandsgemeinde Altenahr, die Chance, fossile Abhängigkeiten zu reduzieren, und die Mehrwerte sowie Beratungs- sowie Anschlussmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger der Verbandsgemeinde.
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Marianne Reiß: Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, heute habe ich Niki Korzisek von der Zukunft
Marianne Reiß: Mittelahr und Dr. Gerd Wolter von der Energie Dernau GmbH zu Gast.
Marianne Reiß: Wir sprechen über das neue Wärmekonzept in der Verbandsgemeinde Altenahr,
Marianne Reiß: den Ausbau von Nahwärmenetzen, ganz konkret am Beispiel von Dernau, Maischoss und Rech.
Marianne Reiß: Im Bereich zukunftsfähige Grundversorgung hat sich hier viel getan,
Marianne Reiß: weshalb wir Ihnen dieses spannende Thema, die Mehrwerte und die Beratungs- sowie
Marianne Reiß: Anschlussmöglichkeiten einmal vorstellen möchten.
Marianne Reiß: Vorab bitte ich meine Gäste immer, sich erst einmal kurz persönlich vorzustellen.
Marianne Reiß: Herr Kotzisek, würden Sie gerne beginnen?
Niki Kozisek: Ja, vielen Dank. Mein Name ist Niki Kotzisek.
Niki Kozisek: Ich bin Bürger von RECH und einer der Vorstandsmitglieder der Zukunft Mittel
Niki Kozisek: A und betreue das Kalte Dorfwärmenetz in RECH als Projektleiter.
Marianne Reiß: Danke Ihnen. Dann Herr Wolter, schließen Sie sich gerne an.
Dr. Gerd Wolter: Ja, mein Name ist Gerd Wolter. Ich bin Dernauer Bürger und habe von der ersten
Dr. Gerd Wolter: Stunde an das Projekt Nahwärme begleitet und bin heute in der Funktion der Geschäftsführung
Dr. Gerd Wolter: für die Energie Dernauer GmbH in der Umsetzung der Nahwärme.
Marianne Reiß: Alles klar. Herr Kotzisek, das Ahrtal ist Heimat für Sie, wie Sie eben auch
Marianne Reiß: schon so schön erwähnt haben.
Marianne Reiß: Was bedeutet denn die Arbeit am Wiederaufbau für Sie ganz persönlich?
Niki Kozisek: Ja, also der Wiederaufbau ist für mich eine Herzenssache und zwar in der Form,
Niki Kozisek: dass ich die Katastrophe von 2021 auch als Chance verstehe, dies für unsere
Niki Kozisek: Zukunft besser zu gestalten.
Niki Kozisek: Und sicherer für die kommenden Generationen zu machen.
Marianne Reiß: Herr Woltham, die Energie Dernau GmbH wurde, wie es so schön auf der Website
Marianne Reiß: geschrieben ist, mit Liebe im Ahrtal gemacht.
Marianne Reiß: Erzählen Sie doch mal, wie es zur Gründung kam und welche Rolle Sie dabei gespielt haben.
Dr. Gerd Wolter: Ja, das ist eigentlich eine sehr schöne Geschichte, weil die Startidee,
Dr. Gerd Wolter: die ist einige Wochen nach der Flut schon entstanden,
Dr. Gerd Wolter: als damals ein Mitarbeiter der Energieagentur Rheinland-Pfalz bei unserem damaligen
Dr. Gerd Wolter: Bürgermeister aufgetaucht ist.
Dr. Gerd Wolter: Und wir uns bei ihm auf der Veranda noch umgeben von Schlamm getroffen haben
Dr. Gerd Wolter: und dort quasi kurz nach der Flut die Idee geboren haben, doch mal über Nahwärme nachzudenken.
Dr. Gerd Wolter: Und das hat sich dann wie ein Faden durch die nächsten Jahre gezogen.
Dr. Gerd Wolter: Wir haben, der Klassiker ist dann, man macht eine Machbarkeitsanalyse,
Dr. Gerd Wolter: wobei wir dann unterstützt worden sind durch Profis.
Dr. Gerd Wolter: Aber letztendlich natürlich nicht ohne Bürger, weil die Bürger sind eigentlich
Dr. Gerd Wolter: das erste Entscheidungskriterium, das man hat, weil wenn die Bürger keine Nahwärme
Dr. Gerd Wolter: wollen, kann man auch keine machen.
Dr. Gerd Wolter: Und wir brauchen natürlich eine bestimmte Anzahl von Bürgern, die mitmachen.
Dr. Gerd Wolter: Und das haben wir auch erreicht. Wir haben Bürgerversammlungen durchgeführt,
Dr. Gerd Wolter: um die Interessenlage zu sondieren.
Dr. Gerd Wolter: Wir haben die Fördermöglichkeiten sondiert, wir haben die Zukunft Mittelau gegründet,
Dr. Gerd Wolter: letztendlich dann die Energie Dernau gegründet, um dann das Nahbauprojekt auch umzusetzen.
Marianne Reiß: Wir sprechen ja gleich im Detail nochmal über Ihre Arbeit. Lassen Sie uns vorerst
Marianne Reiß: aber nochmal einen kurzen Blick zurückwerfen. Die Flut 2021 richtete im Ahrtal starke Schäden an.
Marianne Reiß: Die Wassermassen zerstörten nicht nur zahlreiche Privathaushalte,
Marianne Reiß: sondern auch Straßen, Stromnetze und Wasserleitungen.
Marianne Reiß: Seitdem werden diese Lebensräume für die Bürgerinnen und Bürger der Verbandsgemeinde
Marianne Reiß: wieder aufgebaut, unter anderem mit einem neuen Wärmekonzept.
Marianne Reiß: Es geht in dieser Folge um individuelle, passende Lösungen je Ort mit einem
Marianne Reiß: gemeinsamen Versprechen für die Bevölkerung.
Marianne Reiß: Günstige, nachhaltige und zukunftssichere Wärme für die Bürgerinnen und Bürger
Marianne Reiß: der Verbandsgemeinde, vor allem jetzt in diesem Fall für die Orte Dernau,
Marianne Reiß: Maischhaus und Rech, als Teil des Wiederaufbaus.
Marianne Reiß: Lassen Sie uns einmal tiefer ins Thema einsteigen. Herr Kotzisek,
Marianne Reiß: Herr Wolterm, erzählen Sie doch mal, warum ist Wärmeversorgung ein zentrales
Marianne Reiß: Thema im Wiederaufbau neben Straßen-, Wasser- und Stromversorgung? Herr Kotzisek.
Niki Kozisek: Na gut, Wärme an sich ist ja zunächst mal ein Thema der Grundversorgung.
Niki Kozisek: Und der Wiederaufbau ist ganz besonders eine Chance für die Modernisierung dieser
Niki Kozisek: kritischen Infrastruktur, die hier durch die Flut 2021 breit zerstört wurde.
Niki Kozisek: Was wir uns hier, glaube ich, in den drei Ortsgemeinden zum Ziel gesetzt haben,
Niki Kozisek: ist für jede Kommune sozusagen hier eine gute Lösung anzubieten,
Niki Kozisek: für diese kritische Infrastruktur nicht einfach wieder aufzubauen,
Niki Kozisek: sondern mit Weitblick möglichst nachhaltig wieder aufzubauen und auch hier ein
Niki Kozisek: Stück weit Resilienz und Sicherheit zu schaffen,
Niki Kozisek: insbesondere wenn man das jetzt sieht vor dem Hintergrund der ganzen Kriege und Krisen,
Niki Kozisek: die es derzeit auf der Welt gibt, ein nicht so unterschätzend wichtiges Thema.
Marianne Reiß: Herr Wolter, möchten Sie was ergänzen?
Dr. Gerd Wolter: Ja, noch eine Kleinigkeit ergänzen. Also Hochwasserresilienz,
Dr. Gerd Wolter: hat Herr Kurzisek gesagt, das ist ein wichtiger Punkt, der mit zu der Entscheidung
Dr. Gerd Wolter: auch geführt hat und natürlich auch die Zukunftsfähigkeit.
Dr. Gerd Wolter: Ein Punkt wird oft dabei auch noch vergessen.
Dr. Gerd Wolter: Wir waren ja nach der Flut sehr gebeutelt hier im Tal und die meisten Heizungen waren zerstört.
Dr. Gerd Wolter: Und es gab jetzt nach der Flut einfach die Chance, etwas Neues zu schaffen.
Dr. Gerd Wolter: Etwas Neues zu schaffen, was Wertsteigerndes zu schaffen. Und wertsteigernd
Dr. Gerd Wolter: sowohl für die Gemeinde als auch für jeden einzelnen Anschlussnehmer.
Dr. Gerd Wolter: Und das war natürlich auch eine Triebfeder.
Marianne Reiß: Was versteht man denn unter Nahwärme, Herr Kortzisek? Wo liegt der Unterschied
Marianne Reiß: zu einer klassischen Einzelheizung?
Marianne Reiß: Und dann gibt es ja auch noch Fernwärme. Wann spricht man von Nah- und nicht von Fernwärme?
Niki Kozisek: Gut, von der Definition her ist es so, dass Nahwärme grundsätzlich die Versorgung
Niki Kozisek: mehrerer Gebäude über ein lokales Wärmenetz ist.
Niki Kozisek: Das ist klassisch das, was wir hier sowohl in Dernau, Maischoss,
Niki Kozisek: aber auch Rech realisiert haben.
Niki Kozisek: Von Fernwärme spricht man dann, wenn sozusagen der wärmegebende Faktor weiter
Niki Kozisek: weg ist und sozusagen über längere Distanzen hinweg transportiert wird.
Niki Kozisek: Hier spricht man von Nahwärme, weil wir diese wärmeerzeugenden Einrichtungen,
Niki Kozisek: egal in welcher Form, lokal vor Ort haben und es um ein kleines,
Niki Kozisek: lokales, autarkes Netz geht.
Marianne Reiß: Und welche Vorteile bringt denn der Anschluss an ein Nahwärmenetz mit sich?
Marianne Reiß: Was bringt es den Bürgerinnen und Bürgern?
Niki Kozisek: Naja, zunächst mal eine ziemliche Autarkie innerhalb der Kommune.
Niki Kozisek: Man produziert sozusagen seine Wärme selber und ist nicht mehr abhängig von
Niki Kozisek: externen Faktoren und externen Konzernen.
Niki Kozisek: Das ist gerade in so einer Zeit wie die, die wir jetzt erleben mit vielen Kriegen,
Niki Kozisek: mit hoher Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen enorm wichtig.
Niki Kozisek: Das ist ja auch der Sinn und Zweck der Wärmewende.
Niki Kozisek: Und wir zeigen hier im Ahrtal in allen drei Gemeinden sehr eindrucksvoll,
Niki Kozisek: wie man die Wärmewende nicht nur plant, sondern aktiv umsetzt.
Marianne Reiß: Herr Wolter, nun gibt es ja nicht nur die eine Nahwärme, sondern warme und kalte
Marianne Reiß: Nahwärme. Was zeichnet warme Nahwärme aus?
Dr. Gerd Wolter: Ja, ich versuche mal eine einfache Definition dieser beiden Systeme.
Dr. Gerd Wolter: Die kalte Nahwärme nutzt oberflächennahe Geothermie und verteilt dann über ein
Dr. Gerd Wolter: Rohrleitungssystem ca.
Dr. Gerd Wolter: 12 Grad krädiges Wasser an die Anschlussnehmer, die damit eine Sohle-Wärmepumpe betreiben.
Dr. Gerd Wolter: Die warme Nahwärme nutzt regionale Energieträger wie Biomasse und verteilt über
Dr. Gerd Wolter: ein Rohrnetz 70- bis 85-grädiges Wasser,
Dr. Gerd Wolter: das dann bei den Anschlussnehmern über einen Wärmetauscher in das Hausnetz gespeist wird.
Dr. Gerd Wolter: Das sind so die beiden wesentlichen Unterschiede.
Marianne Reiß: In Dernau und Maischoss haben Sie sich für das Modell der warmen Nahwärme entschieden.
Marianne Reiß: Was war denn entscheidend für die
Marianne Reiß: Wahl des Modells? Warum gibt es in der Verbandsgemeinde mehrere Modelle?
Dr. Gerd Wolter: Ja, es sind letztlich individuelle Rahmenbedingungen vor Ort,
Dr. Gerd Wolter: die entscheiden, welche technische Lösung man wählt.
Dr. Gerd Wolter: Dazu gehören zum Beispiel, habe ich Platz für ein Heizkraftwerk?
Dr. Gerd Wolter: Wie weit wäre dieser Platz von den Anschlussnehmern entfernt?
Dr. Gerd Wolter: Die Anzahl der Anschlussnehmer, die Einwohnerdichte, wie viele Haushalte waren flutbetroffen?
Dr. Gerd Wolter: Also ganz viele Faktoren, die letztendlich dazu führen, dass man für den einen
Dr. Gerd Wolter: Ort eine Entscheidung trifft.
Dr. Gerd Wolter: Aber es ist so es gibt natürlich auch einen gemeinsamen Nenner sogar einen sehr
Dr. Gerd Wolter: großen gemeinsamen Nenner diese Systeme, die ist nämlich gleich nämlich zukunftsfähig
Dr. Gerd Wolter: günstige Wärme zur Verfügung zu stellen, resilient,
Dr. Gerd Wolter: lokal und klimafreundlich, das haben sie alle gemeinsam da finden sich bestimmt
Dr. Gerd Wolter: noch mehr Faktoren unten im Nenner, aber das zeichnet uns gemeinsam aus am Ende gibt es,
Dr. Gerd Wolter: Keine Lösung von der Stange für keinen Ort, sondern es ist immer Maßarbeit.
Marianne Reiß: Okay, und jetzt ganz konkret für Derna und Maischoss. Wo genau befindet sich
Marianne Reiß: aktuell im Bauprozess? Was ist bereits geschafft und was kommt noch?
Dr. Gerd Wolter: Ja, geschafft ist natürlich schon eine ganz große Menge.
Dr. Gerd Wolter: Angefangen, die notwendige Anschlussdichte zu generieren, die Bürger zu überzeugen,
Dr. Gerd Wolter: dass es ein gutes Projekt ist.
Dr. Gerd Wolter: Die Fördermittelzusagen zu erhalten, die technischen Themen alle zu klären.
Dr. Gerd Wolter: Also es ist ein Riesenstrauß von Maßnahmen, die bereits geschafft sind.
Dr. Gerd Wolter: Wir sind jetzt quasi im Endspurt auf den letzten Metern in der Umsetzung.
Dr. Gerd Wolter: Und jetzt aktuell wird das Netz verlegt in den Straßen, also die Trasse.
Dr. Gerd Wolter: Circa 50 Prozent der Länge der Trasse sind schon verlegt und die anderen 50
Dr. Gerd Wolter: Prozent werden dann bis September dieses Jahres verlegt sein.
Dr. Gerd Wolter: Und das gilt auch übrigens genauso für Maischoss und auch die Heizzentralen
Dr. Gerd Wolter: in beiden Gemeinden, die sind quasi am Ende des Genehmigungsprozesses.
Dr. Gerd Wolter: Da gibt es jetzt noch Feintuning zu machen, aber wir gehen davon aus,
Dr. Gerd Wolter: dass wir in Kürze den Baubeginn dieser beiden Heizzentralen berichten können.
Dr. Gerd Wolter: Die zentralen Aggregate für die Herstellung der Wärme, die Brennkessel,
Dr. Gerd Wolter: etc., die sind alle bereits bestellt.
Marianne Reiß: Und welche öffentlichen Einrichtungen, also Gebäude der Verbandsgemeinde werden
Marianne Reiß: denn ans Nahwärmenetz angeschlossen in Dernau und Maischoss? Erzählen Sie mal.
Dr. Gerd Wolter: Ja, in diesen beiden Orten sind es auf jeden Fall die Schule,
Dr. Gerd Wolter: Kindergarten, die Kirchen, Feuerwehr.
Dr. Gerd Wolter: Das sind so...
Dr. Gerd Wolter: Diese öffentlichen Einrichtungen, die angeschlossen werden, insbesondere ist
Dr. Gerd Wolter: es sehr schön, dass wir den Neubau der Schule, der da noch stattfindet,
Dr. Gerd Wolter: auch mit Nahwärme versorgen können.
Marianne Reiß: Und wenn ich es richtig verstanden habe, können sich auch Privathaushalte an
Marianne Reiß: das Netz anschließen lassen?
Dr. Gerd Wolter: Ja, auf jeden Fall. Das ist immer noch möglich, auch in den nächsten Tagen noch möglich.
Dr. Gerd Wolter: Ich sage mal, so lange auf jeden Fall, wie noch in der Straße gebaut wird und das Netz verlegt wird.
Dr. Gerd Wolter: Kann man sich jederzeit an uns wählen, wenn der Graben mal verfüllt ist und
Dr. Gerd Wolter: die Oberfläche wieder hergestellt ist,
Dr. Gerd Wolter: dann ist zwar ein Anschluss immer noch möglich, aber es wird natürlich deutlich
Dr. Gerd Wolter: teurer, als wenn man sich jetzt direkt anschließt.
Dr. Gerd Wolter: Aber auch dort, das möchte ich gerade noch ergänzen, wo die Trasse vielleicht
Dr. Gerd Wolter: heute nicht vorgesehen ist,
Dr. Gerd Wolter: bitten wir die Anschlussnehmer, die Interesse haben, vielleicht mal in späteren
Dr. Gerd Wolter: Jahren sich an die Nahwärme anzuschließen, sich auf jeden Fall bei uns zu melden,
Dr. Gerd Wolter: weil wir planen auch heute schon für die Zukunft.
Marianne Reiß: Danke Ihnen für die Info. Nun lassen Sie uns noch einen Schritt tiefer ins Thema einsteigen.
Marianne Reiß: Sie sind ja in Ihrer täglichen Arbeit im engen Austausch mit den Bürgerinnen
Marianne Reiß: und Bürgern der Verbandsgemeinde, vor allem der drei Orte.
Marianne Reiß: Dabei kommt ja eine Frage immer wieder auf. Welche Rolle werden Öl und Gas in
Marianne Reiß: der zukünftigen Wärmeversorgung vor allem im Ahrtal spielen?
Marianne Reiß: Herr Kotzisek, fangen Sie gerne mal an.
Niki Kozisek: Dankeschön. Öl und Gas sind natürlich zwei Faktoren, die zunächst mal bekanntermaßen
Niki Kozisek: klimaschädlich sind, aber auch bei der Flutkatastrophe 2021 für enorme Schäden gesorgt haben.
Niki Kozisek: Von daher sind das für uns drei Orte eigentlich keine Leitoptionen mehr, sondern unser Ziel ist,
Niki Kozisek: am Ende des Tages die Infrastruktur jetzt richtig mitzudenken,
Niki Kozisek: wie der Gerd Wolter auch schon richtig gesagt hat, für die nächsten Jahrzehnte
Niki Kozisek: vorausschauend die Sache wieder aufzubauen.
Niki Kozisek: In einem ganz starken Fokus auf Klimafreundlichkeit und Umweltschutz,
Niki Kozisek: aber auch mit einer starken Verankerung innerhalb der Kommune,
Niki Kozisek: um unseren Bürgern wirklich je nach Ort und Standort die beste und die günstigste
Niki Kozisek: Heizform zu bieten, die wir im Moment technisch realisieren können.
Marianne Reiß: Herr Wolter, möchten Sie noch was ergänzen?
Dr. Gerd Wolter: Ja, zu dem Thema Öl und Gas in Zukunft. In meinen Augen wird es keine große
Dr. Gerd Wolter: Rolle mehr spielen. Und einen Punkt dürfen wir nicht vergessen.
Dr. Gerd Wolter: Wir müssen sehen, dass wir von den fossilen Brennstoffen unabhängig werden,
Dr. Gerd Wolter: insbesondere unabhängig von dieser unsicheren Entwicklung dieser Brennstoffe.
Dr. Gerd Wolter: Wenn man sich die geopolitische Situation heute anschaut und schaut sich mal
Dr. Gerd Wolter: an, von welchen Ländern wir in puncto Erdöl abhängig sind, da fragt man sich
Dr. Gerd Wolter: schon, ob ich auch in Zukunft von diesen Ländern abhängig sein möchte.
Dr. Gerd Wolter: Und deswegen ist es für mich eigentlich auch ganz klar, dass Öl und Gas keine
Dr. Gerd Wolter: große Rolle mehr spielen werden.
Marianne Reiß: Sie haben das Thema vorhin schon grob angesprochen. Da ging es um Resilienz
Marianne Reiß: oder den resilienten Wiederaufbau.
Marianne Reiß: Was heißt es denn konkret, resilienter Wiederaufbau?
Dr. Gerd Wolter: Ja, im Wesentlichen heißt das, Ausfallsicherheit und Hochwassersicherheit herstellen,
Dr. Gerd Wolter: soweit wie es eben technisch möglich ist.
Dr. Gerd Wolter: Und wir planen ja ein robustes Netz,
Dr. Gerd Wolter: ein wartungsarmes Netz und in dem Zusammenhang sind wir natürlich auch sehr
Dr. Gerd Wolter: bestrebt, Synergien gemeinsam zu nutzen und vielleicht noch konkret.
Dr. Gerd Wolter: Das Netz im Boden, die Leitungen, die im Boden liegen, das Sondenfeld in der
Dr. Gerd Wolter: kalten Nahwärme, die sind natürlich hochwasserresilient.
Dr. Gerd Wolter: Aber auch genauso die Heizzentralen, die in Maischoss und Dernau stehen,
Dr. Gerd Wolter: die werden über dem HQ100-Level liegen und damit natürlich auch nicht mehr so
Dr. Gerd Wolter: hochgewassert, hochwassergefährdet sein wie vielleicht die private Heizung im Ort.
Marianne Reiß: Nun noch zu einer entscheidenden Frage. Wie kommt ein Ort denn von der Idee
Marianne Reiß: zur Entscheidung? Wer entscheidet, mit welchen Kriterien wird entschieden?
Marianne Reiß: Und wie nimmt man die Bürgerinnen und Bürger in der Entscheidungsfindung mit?
Niki Kozisek: Das ist eine Frage, die mir in der letzten Zeit sehr häufig und auch bundesweit gestellt wird.
Niki Kozisek: Wir erregen da gerade mit unseren Netzen eine sehr gute Aufmerksamkeit entlang
Niki Kozisek: der Planung der Wärmewende.
Niki Kozisek: Und in der Zukunft Mittelaar haben wir hierzu die Chance dann genutzt und uns
Niki Kozisek: eine entsprechende Methodik überlegt und entwickelt, die wir sozusagen jetzt
Niki Kozisek: auf weitere Kommunen entsprechend übertragen können.
Niki Kozisek: Hierzu haben wir auch einen entsprechenden Leitfaden auf unserer Homepage veröffentlicht,
Niki Kozisek: den sich Kommunen runterladen können und auch durchlesen können,
Niki Kozisek: um genau so einen pragmatischen Weg aufzuzeigen, wie man von der Idee letztlich
Niki Kozisek: zur Umsetzung eines solchen Projektes kommt.
Niki Kozisek: Wichtig aus unserer Sicht ist dabei das Thema Transparenz und auch Bürgerkommunikation,
Niki Kozisek: um hier offen in der Entscheidungsfindung zu sein, die natürlich immer basierend
Niki Kozisek: auf einer entsprechenden Machbarkeitsstudie basieren muss.
Niki Kozisek: Wichtig dabei ist auch, dass man die entsprechenden Fachexperten frühzeitig
Niki Kozisek: mit einbindet und mit der lokalen Verwaltung zusammenbringt,
Niki Kozisek: um hier klare Kriterien für die Entscheidungsfindung zu definieren und um einen
Niki Kozisek: wirklich verlässlichen und bürgernahen Entscheidungsprozess sicherzustellen.
Niki Kozisek: Möglichst strukturiert, möglichst bürgernah und möglichst transparent wären
Niki Kozisek: hier die Erfolgsfaktoren.
Dr. Gerd Wolter: Vielleicht darf ich einen Punkt noch ergänzen dazu. Herr Kotzeck hat es eigentlich
Dr. Gerd Wolter: gesagt, Nahwärmenetze sind eine Solidaritätsveranstaltung.
Dr. Gerd Wolter: Also es ist nicht eine Entscheidung eines einzelnen Gremiums,
Dr. Gerd Wolter: ich baue ein Netz, sondern es geht, ich habe es schon mal gesagt,
Dr. Gerd Wolter: es geht nur mit den Bürgern und Bürgerinnen gemeinsam.
Dr. Gerd Wolter: Es geht nur gemeinsam und nur so kriegt man ein Nahwärmenetz am Ende auch umgesetzt.
Dr. Gerd Wolter: Das erste wichtige Entscheidungskriterium sind die potenziellen Anschlussnehmer
Dr. Gerd Wolter: selber, die Anzahl dieser Teilnehmer.
Marianne Reiß: Wir haben ja eben schon über das Nahwärmenetz in Dernau und Maischhaus gesprochen.
Marianne Reiß: Herr Kotzitsäck, in Recht arbeiten Sie mit einem kalten Nahwärmenetz.
Marianne Reiß: An das sind auch öffentliche Gebäude und Großabnehmer angebunden.
Marianne Reiß: Warum sind denn diese sogenannten Ankerkunden so wichtig?
Marianne Reiß: Und was bringen Sie den Bürgerinnen und Bürgern bzw. den Kommunen an?
Marianne Reiß: Gehen Sie damit auch als gutes Vorbild voran?
Niki Kozisek: Absolut. Sogenannte Ankerkunden, Großkunden oder Großabnehmer sind insofern
Niki Kozisek: für die entscheidende Wirtschaftlichkeit hier wichtig.
Niki Kozisek: Solche Nahwärmeprojekte sind auch nur dann wirklich nachhaltig und auch gut
Niki Kozisek: für eine Kommune, wenn sie am Ende des Tages nicht defizier,
Niki Kozisek: sondern wirtschaftlich sind.
Niki Kozisek: Wobei unser Ziel ist hier natürlich nicht die Gewinnmaximierung,
Niki Kozisek: sondern natürlich entlasten wir dadurch auch vielleicht den ein oder anderen Haushaltsgroschen.
Niki Kozisek: Aber für uns steht hier wirklich im Fokus eine verlässliche und günstige Wärmeversorgung für die Kunden.
Niki Kozisek: Und da tragen natürlich Großabnehmer oder sogenannte Ankerkunden entscheidend
Niki Kozisek: bei, um die Fixkosten zu senken,
Niki Kozisek: eine allgemeine Planungssicherheit im Hinblick auf finanzielle Gegebenheiten
Niki Kozisek: zu stärken und eine nachhaltige wirtschaftliche Tragfähigkeit sicherzustellen.
Niki Kozisek: Und klar, wenn sich Großabnehmer wie Winzergenossenschaften, Hotels etc.
Niki Kozisek: Oder auch öffentliche Gebäude anschließen, ist das natürlich eine Signalwirkung
Niki Kozisek: an die Bürgerinnen und Bürger, dass das hier etwas Gutes ist für jeden und sorgt
Niki Kozisek: dann natürlich auch für eine gewisse Akzeptanz und auch für gewisses Vertrauen
Niki Kozisek: innerhalb der Bevölkerung.
Niki Kozisek: Und das ist ganz entscheidend, wie Herr Wolter richtig gesagt hat,
Niki Kozisek: das ist eine Solidaritätsveranstaltung hier.
Niki Kozisek: Je mehr mitmachen, umso günstiger wird es für alle und da müssen die sogenannten
Niki Kozisek: Großabnehmer natürlich mit voranschreiten.
Marianne Reiß: In rechts sind Sie ja schon einen Schritt weiter und der Bauprozess ist fast
Marianne Reiß: abgeschlossen. Welche Einrichtungen der Verbandsgemeinde wurden denn an das Netz angeschlossen?
Niki Kozisek: Ja, wir befinden uns richtig, wie Sie sagen, bereits in der zweiten Ausbaustufe unseres Netzes.
Niki Kozisek: Hier haben wir insbesondere die Kirche, die Feuerwehr mit angeschlossen.
Niki Kozisek: Bald wird es auch noch ein neu zu bauendes Seniorenheim geben,
Niki Kozisek: was wir dann auch noch entsprechend anschließen werden.
Niki Kozisek: Und das Schöne dabei ist, die Senioren bekommen es im Winter schön warm und
Niki Kozisek: im Sommer haben wir das sogenannte passive Cooling, was unser kaltes Nahwärmenetz
Niki Kozisek: auch noch ermöglicht und dann wird es im Sommer auch noch schön kühl.
Marianne Reiß: Das klingt gut. Bevor wir zum Abschluss kommen, lassen Sie uns ein bisschen zusammenfassen.
Marianne Reiß: Mit Ihrer Erfahrung legen Sie einen Grundstein für die Energiewende im ATA.
Marianne Reiß: Sie beraten bereits an Orten der Verbandsgemeinde wie Liers und Altenburg und
Marianne Reiß: zukünftig können auch Kommunen außerhalb des ATAs von Ihrer Arbeit profitieren.
Marianne Reiß: Herr Korzizek, erzählen Sie doch mal, welche Beratungen bzw.
Marianne Reiß: Leistungen bieten Sie genau an und welche ersten Schritte müssen Interessierte gehen?
Niki Kozisek: Ja, hier haben wir ein entsprechendes, wie eingangs schon erwähnt,
Niki Kozisek: ein entsprechendes Beratungskonzept entwickelt. Wir nennen das den kommunalen Coach.
Niki Kozisek: Und zwar werden wir im Prinzip immer wieder dieselben Fragen gestellt.
Niki Kozisek: Mir werden halt Fragen seitens der Bürger gestellt, nach der Finanzierbarkeit
Niki Kozisek: und nach der, ja, wie soll ich sagen, nach der Preisgestaltung.
Niki Kozisek: Aber auch werden mir natürlich Fragen seitens der Gemeinde gestellt.
Niki Kozisek: Wie setzt man so ein Projekt überhaupt auf, beziehungsweise wie geht man das
Niki Kozisek: an? Und genau da setzt unser Beratungsansatz an.
Niki Kozisek: Wir coachen sozusagen den kommunalen Projektleiter und befähigen ihn,
Niki Kozisek: dieses Projekt für die Kommune selbst umzusetzen.
Niki Kozisek: Wir sind der Meinung, das Rad muss nicht immer wieder neu erfunden werden in
Niki Kozisek: den einzelnen Gemeinden,
Niki Kozisek: sondern wir geben hier solidarisch gerne unsere Erfahrung, sei es jetzt in warmen
Niki Kozisek: Netzen oder auch in den kalten Nahwärmenetzen gerne an weitere Kommunen weiter
Niki Kozisek: und befähigen so sozusagen die eigenständige Umsetzung der Wärmewende.
Marianne Reiß: Herr Wolter, Sie haben ja gerade schon angesprochen, dass sich Privathaushalte
Marianne Reiß: jetzt noch in Dernau-Maischhaus an das Netz anschließen lassen können.
Marianne Reiß: Wo können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger denn informieren?
Marianne Reiß: Welche Beratung bietet die Energie Dernau GmbH?
Dr. Gerd Wolter: Also für Dernau gibt es mehrere Möglichkeiten, uns zu erreichen.
Dr. Gerd Wolter: Das ist einmal jederzeit per Telefon unter der Rufnummer 0151 50268920 oder
Dr. Gerd Wolter: per E-Mail info at energie-dernau.de.
Dr. Gerd Wolter: Ferner bieten wir aber auch Sprechstunden an, dienstags von 8 bis 11 und donnerstags
Dr. Gerd Wolter: von 15 bis 18 Uhr in unserem Bürgerbüro,
Dr. Gerd Wolter: in der Gartenstraße, aber auch gerne nach Vereinbarung und auch gerne vor Ort
Dr. Gerd Wolter: bei den Anschlussnehmern.
Dr. Gerd Wolter: Für die Maischosser Interessenten ganz einfach an Gerd Baltes oder Andreas Zedler
Dr. Gerd Wolter: wenden oder einfach im Gemeindebüro melden.
Niki Kozisek: Für die kalten Nahwärmenetze melden Sie sich bitte bei Niki Kotzisek in Rech
Niki Kozisek: unter der Telefonnummer 0175 424 0500.
Niki Kozisek: Gehen Sie entweder über die Homepage der Ortsgemeinde Rech unter www.weindorf-rech.de
Niki Kozisek: oder der Zukunft Mittelaar unter www.zukunft-mittelaar.de. slash kaltenahwärme.
Marianne Reiß: Und jetzt zum Abschluss fassen Sie bitte nochmal drei Punkten zusammen,
Marianne Reiß: was so besonders am Nahwärmenetzausbau der Verbandsgemeinde ist.
Marianne Reiß: Herr Kotzisek, fangen Sie doch gerne mal an.
Niki Kozisek: Ja, mit unseren Nahwärmenetzen schaffen wir in den Ortsgemeinden Rech,
Niki Kozisek: Derner und Maischoss den gemeinsamen Wiederaufbau unserer zerstörten Heizinfrastruktur.
Niki Kozisek: Wir arbeiten sehr eng zusammen und zeigen so die enge Solidarität zwischen diesen drei Kommunen.
Dr. Gerd Wolter: Ja, und mit unseren Nahwärmenetzen, sage ich mir, bilden wir ein Modell ab,
Dr. Gerd Wolter: ein Modell für die Zukunft,
Dr. Gerd Wolter: wie man kommunale Wärmeversorgen umsetzen kann und dabei auf fossile Energieträger verzichtet.
Niki Kozisek: Abschließend in allen drei Kommunen arbeiten wir mit anerkannten Experten zusammen
Niki Kozisek: und wir sind sehr stolz darauf, in unseren drei Dörfern hier die wirklich innovativste
Niki Kozisek: Technik zu installieren, die wir derzeit zu bieten haben.
Marianne Reiß: Und Sie kennen das wahrscheinlich schon. Zum Abschluss bitte ich die Gäste des
Marianne Reiß: Podcasts immer den Satz, das wird mit den ersten Dingen zu beenden,
Marianne Reiß: die Ihnen in den Kopf kommen, so ganz spontan.
Dr. Gerd Wolter: Ja, das wird nachhaltig warm im Ahrtal und wird spätere Generationen erfreuen.
Niki Kozisek: Das wird ein tolles solidarisches Projekt zwischen drei Gemeinden,
Niki Kozisek: die aus der Katastrophe die Chance wahrgenommen haben.
Marianne Reiß: Ich danke Ihnen und drücke Ihnen die Damen für Ihre Projekte.
Niki Kozisek: Dankeschön.
Dr. Gerd Wolter: Danke sehr.
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